Mitten im Weinlandkreis Kitzingen, zwischen Castell und der Mainschleife, liegt mit der Brauerei Wolf in Rüdenhausen eine der wohl kleinsten fränkischen Bierbrauereien, die nach wie vor existiert. Genau gesagt, seit 150 Jahren, denn dieses Jubiläum feiert Besitzer Karl Wolf beim traditionellen Kellerfest am Sonntag, 16. August.

Auf dem Gelände seines Aussiedlerhofes, wo einst im kühlen Felsenkeller das Bier gelagert wurde und heute noch eine Naturkegelbahn steht, wird gefeiert. Zum Fest am Ortsrand von Rüdenhausen, unweit der Auffahrt zur Autobahn, hat der Inhaber eigens einen Jubiläums-Tonkrug fertigen lassen. Stolz blickt Karl Wolf auf die Tradition, die er mittlerweile in der sechsten Generation fortführt.

Der 62-Jährige ist nicht nur Braumeister, er ist Gastwirt und Landwirt in einer Person und betreibt sein Unternehmen nahezu alleine, nur ab und an engagiert er Aushilfen. Zum Anwesen gehört außerdem eine Brennerei. Das ist viel Arbeit, doch der Junggeselle kennt es nicht anders.

Konkurrenz und Preisdruck

Zum Jubiläum wird er wieder frisches Bier brauen in der nicht mehr ganz modernen, aber noch vollständig erhaltenen und voll funktionsfähigen Brauerei mitten in Rüdenhausen. Eine Flaschen-Waschanlage, Etikettiermaschine, Sudkessel, Tanks, Filter, Bierfüller, ein Kühlhaus, alles was man dazu braucht, befinden sich im Nebengebäude der Gastwirtschaft. Für das Fest braut Karl Wolf dort die Sorten Pils und Urtyp Dunkel frisch. Ansonsten schmeißt er je nach Bedarf die Kessel an, um seinen Gerstensaft herzustellen.

Fassbier wie auch Flaschenbier werden produziert, ab November auch Bockbier. Ein Sud, das sind 2500 Liter. Damit versorgt er die Gaststätte, wie auch einige Privatkunden aus der Umgebung. Ganz so gut, wie etwa in den 70er und 80er Jahren noch, läuft das Geschäft nicht mehr – die Konkurrenz und der Preisdruck der großen Brauereien gehen natürlich auch an Wolf nicht spurlos vorüber.

Die Tradition fortzuführen ist ihm wichtig. Im Jahr 1865 kaufte ein gewisser Heinrich Wolf das Anwesen für seinen Sohn Michael mitten in Rüdenhausen. Die Familie zog vom Nachbarort Greuth aus um, wo die Wolfs zuvor ebenso eine Brauerei betrieben, die im heutigen Anwesen Huscher war. 1984 überschrieb Karl Wolfs Vater Heinrich den Besitz an seinen Sohn. Der urige Bierkeller ist noch gut erhalten, wird aber heute kaum mehr genutzt.

Brauhandwerk von Pike auf gelernt

In Giengen bei Ulm lernte Karl Wolf einst das Brauhandwerk und machte später seinen Meister. Ob die Tradition in Rüdenhausen nach ihm weiter geführt wird, ist ungewiss. Natürlich wäre ihm daran gelegen, dass es weiter geht mit der Brauerei, wie auch der Gastwirtschaft, doch das steht wohl in den Sternen. Wolf selbst will so schnell nicht aufgeben. „Solange ich den Kopf nicht unter den Armen habe, wird Bier gebraut“, sagt das fränkische Original und prostet mit dem Jubiläums-Tonkrug zu.