Der geplante Neubau einer Wohnanlage für Senioren mit dem Namen "Wohnen am Weinberg" sorgte im Prichsenstädter Stadtrat für eine kontroverse Diskussion. Dem Rat lag eine Bauvoranfrage der "m&c Projententwicklungs GmbH" vor für einen Komplex aus vier jeweils dreistöckigen Häusern. Gebaut werden soll zwischen der Stadtmauer und der Kirchschönbacher Straße, in Sichtweite zur katholischen Kirche.

Die Problematik offenbarte sich noch während des Sachvortrages von Bürgermeister René Schlehr: Der gesamte Planungsbereich zählt zum "Ensemble Altstadt". Ein das Ortsbild prägendes Gebäude – die Hofanlage Schulinstraße 31 – müsste abgerissen werden, der Stadtgraben mit den Grünflächen ist als Einzeldenkmal eingetragen, und das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) weist explizit auf ein Bodendenkmal hin. "Es ist zu erwarten, dass noch umfangreiche Befunde der abgegangenen Burganlage bzw. des Schlosses von Prichsenstadt im Boden erhalten sind", zitierte Schlehr das LfD.

Bis zu 38 Wohneinheiten

Nun hat die m&c Gmbh das Grundstück bereits gekauft, genau um dort eine Seniorenanlage zu bauen. Dafür müsste die Hofanlage abgerissen werden, um Platz für die vier Gebäude mit bis zu 38 Wohneinheiten zu bauen. Der Kaufvertrag für dieses Grundstück ist bereits unterzeichnet.

Anfang Oktober gab es einen Ortstermin mit dem Bauherrn, der Stadtverwaltung, dem Stadtplaner Thomas Buchholz, dem LfD und einem Vertreter des Landratsamtes. Dabei wurde dem Bauherrn ganz deutlich gesagt, "dass eine Genehmigung für die geplante Maßnahme an dieser Stelle nicht möglich ist", zitierte Schlehr aus einer Stellungnahme von Buchholz. Auch eine vom Bauherrn geäußerte Umplanung "dann baue ich es eben als Schloss" stieß auf wenig Gegenliebe der Ämter.

Der Tenor in der Ratssitzung lässt sich mit einem "Ja, wir sind dafür, aber…" zusammenfassen, mit der Betonung auf "aber". Zwar verweigerte der Rat nach einer langen Debatte mit 12:4 das gemeindliche Einvernehmen, aber nur für exakt diese Stelle. "Wir wollen trotzdem versuchen, das Projekt an einer anderen Stelle in Prichsenstadt zu ermöglichen", verdeutlichte Schlehr den Willen des gesamten Rates.