Felix Frost hat am 1. September 2013 seine Arbeit als Projektkoordinator für Energie und Klimaschutz im Landkreis aufgenommen. Der heute 30-Jährige war in einem Gemeinschaftsprojekt des Landkreises sowie der Städte Kitzingen und Volkach drei Jahre aktiv. Am 30. Juni war sein letzter Arbeitstag. Eine Bilanz.

Frage: Wie fällt Ihre Klimaschutzmanagement-Bilanz aus?

Felix Frost: Alles in allem sehr positiv, da wir Menschen vor Ort miteinander ins Gespräch gebracht und den Stellenwert des Klimaschutzes im Landkreis gestärkt haben. Außerdem konnten wir viele der Projekte umsetzen. Selbstverständlich gab es auch Rückschläge oder die Erkenntnis, dass manche Prozesse deutlich mehr Zeit benötigen als gedacht. Insgesamt ist jedoch ein erstes Fundament gelegt, auf dem man über die nächsten Jahre aufbauen kann.

Die drei wichtigsten Projekte?

Frost: In der Öffentlichkeit besonders wahrgenommen wird die Veranstaltungsreihe, bei der wir mit der Volkshochschule Vorträge und Besichtigungen zu Energie- und Klimaschutzthemen anbieten. Mit der Energiekarawane können wir Hauseigentümer erreichen, die sich vermutlich nicht von selbst zum energetischen Sanieren beraten lassen.

Beide Projekte werden weiter angeboten. Als drittes möchte ich unsere Haushaltbefragung nennen, die zwar nicht unmittelbar zu Einsparungen geführt hat, aber eindeutig belegt hat, dass eine überwältigende Mehrheit der Bürger den Klimaschutz und die Energiewende für wichtig und notwendig erachten.

Welche drei Eigenschaften muss man haben, um Klimaschutzmanager sein zu können?

Frost: Aufgeschlossenheit, Strukturiertheit und Ausdauer.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Frost: Das Vertrauen, welches mir von Seiten der Politik aber auch der unzähligen Projektpartner entgegengebracht wurde, nicht enttäuscht zu haben.

Welches Einsparpotenzial gab es durch Ihre Arbeit?

Frost: Das ist schwer in Zahlen zu beziffern. Dass wir etwas bewegen, wurde bei der Energiekarawane deutlich. Eine Befragung nach der ersten Karawane 2014 zeigte, dass rund die Hälfte der beratenen Hauseigentümer Energiespar- und/oder Sanierungsvorschläge umgesetzt haben. Manchmal nur kleine Maßnahmen, aber auch größere wie eine Außenwanddämmung, eine neue Heizung oder eine Photovoltaikanlage.

Woran haben Sie sich die Zähne ausgebissen?

Frost: Die größte Herausforderung eines Klimaschutzmanagers ist es, die Notwendigkeit der Emissionseinsparung zu betonen. Manchmal ist den Leuten bei einer Beschaffung gar nicht bewusst, dass es eine praktikable, bezahlbare und umweltverträglichere Lösung gibt. Ist die Investition getätigt, ist eine Chance zur Emissionssenkung auf Jahre vertan. Zudem wird bei Sanierungen noch zu selten auf die Lebenszykluskosten geachtet. Mehrinvestitionen zu Beginn zahlen sich oft durch niedrigere Betriebskosten aus.

Ihre größte Fehleinschätzung?

Frost: Die benötigte Zeit für Projekte mit mehreren Partnern. Hier wurde ich schnell eines Besseren belehrt.

Wie oft stößt man auf Ignoranz?

Frost: Auf offene Ignoranz bin ich zum Glück gar nicht gestoßen. Aber ich habe auch immer versucht, nicht belehrend aufzutreten und zu vermitteln, dass jeder den Beitrag leisten soll, den er zu leisten vermag. Letztlich sitzen alle Bürger, beziehungsweise die Menschheit, beim Klimawandel im gleichen Boot und wir müssen gut miteinander auskommen, um das Problem zu lösen.

Täuscht der Eindruck oder ist die groß angekündigte Energiewende ausgeblieben?

Frost: Der Eindruck täuscht, denn es wäre zu früh, jetzt ein Fazit ziehen zu wollen. Energiewende und Klimaschutz sind Prozesse, die sich über Jahrzehnte erstrecken. Bisher lag der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Stromsektor im Fokus, da hier die Entwicklungen besonders dynamisch waren. Mittlerweile verschiebt sich dies – glücklicherweise – auch auf andere Sektoren wie Wärme, Kälte und Mobilität. Zudem geht es nicht mehr ausschließlich um den Ausbau erneuerbarer Energie, sondern zunehmend auch um Einsparungen und Effizienzsteigerungen.

Wenn Sie alle Freiheiten hätten – was würden Sie sofort umsetzen?

Frost: Mit solchen Aussagen kann man sich schnell unbeliebt machen. Für alle vorteilhaft wäre vermutlich, eine Energieberatung für jedermann und die Dämmung sämtlicher Dächer in Deutschland. Realistisch umzusetzen und mit großem Effekt wäre aus meiner Sicht jedoch eine Steuer auf Kohlenstoffdioxid und andere Treibhausgase.

Wie beurteilen Sie das Bewusstsein bei den Leuten, Energie sparen zu wollen?

Frost: Es schwankt mit den Energiepreisen. Generell kann man es aber als ausgeprägt bezeichnen.

Dass ich jetzt eine andere Herausforderung annehme, liegt . . .

Frost: . . . an der Liebe zu meiner Frau in Hannover.

Wie sieht es mit einem Nachfolger aus?

Frost: Die Stelle wird ab Anfang Juli von Roswitha Peters bekleidet, die viel Erfahrung mitbringt, die laufende Projekte fortsetzen wird, aber auch neue Impulse setzen möchte.

Meiner Nachfolgerin wünsche ich . . .

Frost: . . . ebenfalls herzlich in Kitzingen begrüßt und durch die Bürger und Akteure vor Ort weiterhin tatkräftig unterstützt zu werden.

Wie viele Wortspiele mussten Sie sich im Bezug auf Ihren Nachnamen anhören?

Frost: Zumindest wenig neue, da hatte ich mir von den humoristisch und kabarettistisch begabten Franken doch mehr erwartet.

Vom Landkreis Kitzingen wird mir in Erinnerung bleiben . . .

Frost: Der Kontakt zu engagierten Menschen, die die Zukunft gestalten wollen. Außerdem viele landschaftlich einmalige Orte, an denen ich künftig Urlaub machen kann.