"Damit haben wir ein weiteres Alleinstellungsmerkmal in unserer Marktgemeinde", stellte Markt Einersheims Bürgermeister Herbert Volkamer mit Stolz beim Festakt zur Einweihung des Informationszentrums Grafschaft Limpurg-Speckfeld fest. "Ich sehe es eher als Museum an", meinte der Chef der Adelsfamilie, Icho Graf von Rechteren-Limpurg-Speckfeld, für den ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung ging.

"Das ist heute ein aufregender Tag für unsere Familie", bekannte der Graf. Das Informationszentrum stufte er als "Verneigung vor seinen Vorfahren" mit einer tausendjährigen Geschichte seines Adelsgeschlechts an. Er sah die Einrichtung im Würzburger Tor als sehens- und hörenswert für die Einwohnerinnen und Touristen gleichermaßen an. Graf Icho nannte das geschichtliche Informationszentrum als Sammelbecken für Wissenschaft, Heimatkultur und Aristokratie. Wie Herbert Volkamer sagte, war das Würzburger Tor vor langer Zeit die Wohnung für den Flurer und den Nachtwächter gewesen, war bis 1970 privat bewohnt und von 1980 bis 1995 diente der Torbau als Heimatstube des einstigen Bürgermeisters und Ehrenbürgers Fritz Ortner. Herbert Volkamer würdigte die hervorragende Projektleitung von Margarete Klein-Pfeuffer und zog bei einer Verneigung tatsächlich seinen Zylinder vor ihr.

Kulturelle Schätze im Kitzinger Land bewahren

Landrätin Tamara Bischof verwies auf die elementare Bedeutung des Adelshauses für die Entwicklung Markt Einersheims. Sie freute sich, dass der Landkreis einen 60-prozentigen Zuschuss von knapp 54.000 Euro über Leader-Mittel einfädeln konnte. Auch durch den Zuschuss vom Bezirk Unterfranken verblieb der Marktgemeinde von den 107.000 Euro Gesamtkosten ein Eigenanteil von 25.000 Euro. Tamara Bischof betonte die hohe Bedeutung des Denkmalschutzes und der Bewahrung kultureller Schätze im Kitzinger Land. Sie attestierte Dekan Ivo Huber eine hervorragende Predigt zu den Themen Frieden und gerechtere Welt im Festgottesdienst.

Bezirkstags-Vizepräsidentin, Eva-Maria Linsenbreder, setzte sich mit dem Gefühl der Heimat auseinander und lobte die innovative Einrichtung, weshalb die Kulturstitftung des Bezirks gerne 28.000 Euro Zuschuss gewährt habe. Gemeinde-Archivar Franz Vogel sprach von einer hervorragenden Umsetzung der gräflichen Geschichte durch die promovierte Expertin Margarete Klein-Peuffer und erzählte, dass Markt Einersheim bis ins 16. Jahrhundert ein katholischer Wallfahrtsort gewesen war. Im Jahr 1542 habe Schenk Carol von Limpurg-Speckfeld Markt Einersheim das Marktrecht verliehen und 1550 hatte er die Abkehr vom Bistum Würzburg und die Reformation durchgesetzt. Graf Vollrath von Limpurg-Speckfeld habe die Burg Speckfeld 1685 verlassen und im Dorf das Alte Schloss bauen lassen.

Adelsfamilie kehrte zu ihren Wurzeln zurück

Margarete Klein-Pfeuffer verantwortete das facettenreiche Ausstellungskonzept und erinnerte daran, dass sich im sechsten Jahrhundert die ersten Franken in unseren Breiten niedergelassen hatten. Sie ging auf die 3D-Animation des "Motte" genannten Schutzturms Altenspeckfeld und die Burg Speckfeld im Informationszentrum ein. Klein-Pfeuffer lobte die Initiative der Markt Einersheimer Herbert Volkamer an die Spitze zur Realisierung des Informationszentrums für die Grafschaft. Herbert Volkamer freute sich, unter den Ehrengästen auch seinen Sommerhäuser Amtskollegen Wilfried Saak begrüßen zu können, da die Adelsfamilie ins dortige Schloss zu ihren Wurzeln zurückgekehrt war.

Herbert Volkamer bedachte alle Grußrednerinnen und Grußrednern mit Bocksbeutel des Speckfelders, einem Cuvee-Wein der örtlichen Weingüter. Er erwähnte auch den terroir-f-Punkt nahe der Bundesstraße 8, denn dort sei der magische Aussichtspunkt unter der Prämisse Wein und Adel konzipiert worden. Nach dem Festakt stiegen viele Menschen die schmalen und steilen Treppen zum Informationszentrum hoch und am Rathaus durften die Gäste einen Speckfelder-Schoppen genießen unter den Klängen der Einersheimer Musikanten.