Ein Teleskop-Schlagstock, Testosteron, eine Frau und Liebeskummer waren Zutaten eines unglückseligen Zwischenfalls, der zwei Lastwagenfahrer aus Osteuropa, Arbeitskollegen in einer Firma in Kitzingen, in Würzburg vor Gericht brachten: Den einen mit einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung, den anderen als Opfer, das bei Schlägen auf den Kopf noch Glück hatte.

Es hätte leicht, so die Staatsanwältin, ein Fall für das Schwurgericht werden können. Tatsächlich blieben beim Opfer nur gelegentliche Kopfschmerzen zurück. Das Schöffengericht in Würzburg verurteilte den 41-Jährigen, der verheiratet ist, keine Vorstrafen hat und alles "wie angeklagt" zugegeben hat, zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung. Zu Details wollte er nichts sagen, zeigte laut Gericht allerdings "glaubwürdig" Reue. Den Schlagstock habe der Angeklagte nicht aus Eifersucht und Liebeskummer, sondern zu seinem persönlichen Schutz während der Arbeitszeit mit sich geführt, erläuterte seine Verteidigung.

Wochenlange Beschimpfung und Verfolgung

Täter und Opfer hatten sich in dieselbe Frau aus ihrer Heimat verliebt und die Emotionen schaukelten sich – dies hörte man während der Verhandlung wiederholt – dramatisch hoch. Damit, dass die Frau eines Tages den Partner wechselte, sich dazu einem Kollegen zuwandte, ausgerechnet noch dem, dem er den Job in der Firma vermittelt hatte, das konnte der Angeklagte nicht verkraften. Wochenlang hat er den Kollegen verfolgt, beschimpft und bedroht. Zuletzt ist er sogar, als besonderes "Druckmittel", in die Straße gezogen, wo der andere mit seiner Ex- Freundin lebte.

Eines Morgens im vergangenen September, kurz vor 2 Uhr, bemerkte der Zeuge auf dem Heimweg, dass der Angeklagte mit seinem Auto hinter ihm herfuhr, offensichtlich hatte er ihn schon längere Zeit beobachtet und verfolgt. Der Zeuge versteckte sich in einem Hinterhof. Doch der Angeklagte fand ihn, zog den Teleskop-Schlagstock aus seinem Ärmel und schlug ihm vier bis fünf Mal auf den Kopf. Das Opfer konnte den Angreifer kurz zu Boden bringen, verlor dann jedoch die Orientierung, weil Blut aus einer Kopfplatzwunde in die Augen lief. Die Folgen waren eine Schädelprellung, zwei Kopfplatzwunden und erheblicher Blutverlust.

Knapp drei Monate in Untersuchungshaft

Während der Tat soll der Angeklagte "stirb" oder "verrecke" gesagt haben. Das dürfe man, so einer seiner beiden Verteidiger, nicht überbewerten, diese Drohungen seien in dessen Heimat am Schwarzen Meer nicht so ernst gemeint, wie am Tatort in der Königsberger Straße in Kitzingen. Knapp drei Monate Untersuchungshaft haben den Angeklagten beeindruckt, er sei sozial integriert und könne sofort wieder in der Firma arbeiten. Man solle ihm Gelegenheit geben, sich um seine Familie daheim zu kümmern.

Die von der Staatanwaltschaft beantragte Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten bezeichnete der Verteidiger als "maßlos". Und dann gab er allen Prozessbeteiligten noch einen Satz zum Nachdenken mit auf den Heimweg: Ein Kriminologe habe mal gesagt "In jedem von uns steckt ein Verbrecher. Es kommt auf die Umstände an". Dass die Verletzungen "überschaubar" blieben, so ein zweiter Verteidiger, sei nicht "Glück" gewesen, sondern darauf zurückzuführen, dass der Angeklagte seinen Ex- Freund nicht schwer verletzen wollte – obwohl er Gelegenheit dazu hatte.

Richter: "So holt man keine Frau zurück"

Zu den Auflagen der Bewährungsstrafe gehört eine Geldbuße von 3600 Euro in Monatsraten zu je 100 Euro an die Staatskasse. Der Vorsitzende Richter, Thomas Behl, begründete, warum das Geld nicht, wie von der Verteidigung angeregt, an das Opfer als Schmerzensgeld zu zahlen ist: Da könnte nämlich, vermutete er, jeden Monat, wenn die Überweisung fällig wird, die ganze Beziehungsgeschichte wieder hochkommen und neuer Stress entstehen. Für den Fall, dass der Angeklagte doch wieder "aktiv" wird und den Kollegen beschimpft oder bedroht, müsse er sofort "einrücken", also seine Strafe absitzen. "So, wie Sie es versucht haben", sagte der Richter abschließend zum Angeklagten, "kann man eine Frau nicht zurückholen".

Um, nicht alte Wunden aufzureißen, hatte das Gericht darauf verzichtet, die Frau, "die das Fass zum Überlaufen brachte", als Zeugin zu laden.