Die Amateurfotografen Helmut Beer, Nico Schraut und Helmut Schäff bekamen am Montag beim Neujahrsempfang der Freien Wähler FBW Kitzingen den Ehrenpreis der Freien Wähler – früher Kuno-Meuschel-Preis – verliehen.

Es war die 34. Verleihung des Preises seit 1978 und gleichzeitig ein Novum. Erstmals teilten sich die Auszeichnung drei Preisträger. Der Preis wird verliehen in Würdigung und Anerkennung der Verdienste im unermüdlichen und selbstlosen Einsatz für die Allgemeinheit.

„Sie zeigen uns neue Blickwinkel auf Bekanntes und halten die Zeit für uns und die Nachwelt fest.“
Uwe Pfeiffle von der FBW zum Wirken der geehrten Fotografen

Rund 180 Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft, Kirche und ehemalige Preisträger waren in die Rathaushalle gekommen. Die Laudatio hielt der Oberbürgermeisterkandidat der Wählergemeinschaft, Uwe Pfeiffle. Es würden drei Männer geehrt, die sich um die Menschen dieser liebenswerten Stadt verdient gemacht haben, und zwar auf eine besondere, zurückhaltende, fast unsichtbare Weise, sagte Pfeiffle.

Die Preisträger selbst seien selten oder nie auf Bildern, sondern agierten still und bescheiden im Hintergrund. Die Arbeit und Passion der drei werde von vielen Menschen gesehen, nicht aber der Aufwand, der dahinter stehe, so der Laudator. Alle drei hätten auf ihre Weise Opfer gebracht, denn nicht nur die Zeit, die sie den Menschen schenken, sondern auch das notwendige Material für ihre Arbeit sei mit hohem finanziellen Aufwand verbunden.

„Die drei Preisträger konservieren, jeder auf seine Weise, Erinnerungen; teilen diese, rufen Erinnerungen wach und zeigen, wie etwas einmal vorher war“, sagte Pfeiffle. So habe sich Helmut Schäff von seinem Konfirmationsgeld seine erste Kamera gekauft und vom ersten Lehrlingsgeld sein erstes Objektiv. Er habe Ausflüge und Veranstaltungen seiner Jugend fotografisch begleitet und viele Momente eingefangen, die heute vielleicht vergessen wären. Nach längerer Pause habe Schäff 2009 wieder begonnen zu fotografieren. Allein bei der Gartenschau 2011 habe er 25 000 Aufnahmen gemacht, 3000 davon veröffentlicht und 2300 auf seine Homepage gestellt, berichtete Pfeiffle.

Nico Schraut habe bei seinen Fahrten als Taxifahrer viele Dinge aufgenommen und diese Eindrücke, Orte und Veranstaltungen anderen zugänglich gemacht. Auch er habe Opfer für seine Kunst gebracht und dafür das Rauchen aufgegeben, um Geld für Filme und deren Entwicklung zu haben, berichtete Pfeiffle. Wer historische Aufnahmen, Bilder von Kirchweihen, Festen oder von Besuchen bekannter Persönlichkeiten suche, werde bei Schraut fündig.

Helmut Beer hat als Kriminalhauptkommissar nicht nur dienstlich fotografiert, sondern gehe dafür viel weiter oder besser höher. Er lasse sich mit einem Kran in 57 Meter Höhe bringen, um aus der Vogelperspektive zu fotografieren, und habe dazu Fesselballons oder Hubschrauber bestiegen. Daneben fertige Beer Panoramaaufnahmen, die ihresgleichen suchten, sagte Pfeiffle. Beers Bilder finde man in Fotobüchern, Büchern und auf dessen Website.

Alle drei Preisträger zeigten, was in Kitzingen stecke, nämlich das Lächeln einer Stadt und Schönheiten, an denen man oft achtlos in Eile vorübergehe. „Sie zeigen uns neue Blickwinkel auf Bekanntes und halten die Zeit für uns und die Nachwelt fest“, sagte der Laudator. Dazu gehören Zeit, Muse und Liebe, sowie die Bereitschaft sich ständig mit neuer Technik zu befassen. Pfeiffle zitierte die Münchner Fotografin Almut Adler mit den Worten: „Fotografieren ist wie schreiben mit Licht, wie musizieren mit Farbtönen und wie malen mit Zeit und sehen mit Liebe.“

Bei der Veranstaltung warf Fraktionsvorsitzende Jutta Wallrapp traditionell einen ausführlichen Blick auf die Stadtpolitik des vergangenen Jahres. Es sei ein arbeitsreiches Jahr mit 114 teilweise langen Sitzungen und großen Entscheidungen gewesen. Kritische und oft emotional vorgetragene unterschiedliche Ansichten seien dabei „kein Gebabbel“, sondern Ausdruck der Meinungsvielfalt und -freiheit und gehörten zum Wesen der Demokratie.

An OB Siegfried Müller (UsW) überreichte Wallrapp eine vergoldete Rose mit den Worten „Gold strahlt, Gold glänzt und diese Rose soll bewirken, dass ein Lächeln aufkommt für die Servicestadt Kitzingen – das Lächeln einer Stadt“. Musikalisch umrahmte der Chor „Sicantiamo“ den Neujahrsempfang.