Kurz nach der Einlieferung im Knast hat der Dettelbacher Winzer Siegfried L. (54) zwei anderen Gefangenen in der Zelle stundenlang einen Mord mit Details geschildert, dazwischen fröhliche Weinlieder gesungen und schmutzige Witze erzählt. Zwischendurch ist er am Tisch sitzend eingeschlafen und hat laut geschnarcht..
Im Prozess um eine Leiche im Tank Nr. 14 eines Dettelbacher Weingutes sahen sich gestern drei Männer nach einem Jahr zum ersten Mal wieder: Ein Kraftfahrer aus Erlangen, der wegen eines Sexualdelikts in U-Haft saß, ein junger Österreicher, der auf der Heimfahrt von Holland mit Kokain erwischt worden war, beide längst wieder in Freiheit und der unter Mordanklage stehende Siegfried L., der an jenem Abend in der Aufnahmezelle immer wieder gut gelaunt den Spruch wiederholt haben soll: "Wer den Siggi nicht kennt, hat die Welt verpennt".

Leiche im Tank konserviert


Unaufgefordert habe der Neue, der zu ihnen in die Zelle kam, bereits kurze Zeit später berichtet, dass und warum er seinen Bruder getötet hat, wie er Spuren beseitigte und dass er die Leiche dann "in Wein einlegte". Drei Chemikalien habe er ins Fass geschüttet, um den Toten zu konservieren, "damit er sich lange hält". Zwei Ehen habe der Bruder ihm schon kaputt gemacht, so der Angeklagte damals in der Zelle, und er habe die anderen beiden Männer beruhigt: "Euch mach ich nichts, ihr braucht keine Angst haben".
Über Jahrzehnte hinweg seien die Fetzen geflogen zwischen den beiden, erfuhren die Mitgefangenen, der Bruder habe es auf die Ehefrauen des Angeklagten abgesehen gehabt und auf den Hof. Wenn er vom getöteten Bruder sprach, sei der Siggi zornig und aggressiv geworden, von einer Minute auf die andere aber in einer emotionalen Achterbahn-Fahrt dann wieder den Tränen nahe gewesen, wenn er über seine Jugend sprach: Besonders berührt habe ihn, dass der gewalttätige Vater zwei Schwestern des Angeklagten vergewaltigte, als die erst 14 waren. Die Mutter habe davon gewusst, sei aber nicht zur Polizei gegangen und habe das damit begründet, dass der Vater doch das Geld für den Lebensunterhalt der Familie heimbringt.

Erschreckende Details


Nicht zufällig, sondern absichtlich und "mit einer gewissen Genugtuung", so einer der Zeugen, habe der Angeklagte nach seiner Schilderung dem schwerverletzten oder schon toten Bruder die Genitalien zertreten, die Körperpartie, von der für die Ehen des Angeklagten so viel Unruhe und Unheil ausging. Anzeichen von Reue habe man bei den Schilderungen des Neuzugangs nicht einmal im Ansatz erkennen können. Er habe den Bruder getötet, weil er verhindern wollte, dass der ihm "immer wieder alles kaputt macht".
Angeblich, so der Angeklagte damals in der Zelle, habe er an jenem Abend Ende Januar 2010 noch einmal mit dem Bruder reden wollen, sei aber in Wut geraten, als der sich in einem Schrank seiner Behausung in der Maschinenhalle versteckte und dann sei ihm der Kragen geplatzt. Die beiden Mitgefangenen hatten den Eindruck, dass der Dettelbacher Winzer an jenem Abend, als er zu ihnen in die Zelle gelegt wurde, alles loswerden wollte: Er berichtete sogar, dass er seine zur Tatzeit getragenen Kleider in einem Ofen verbrannt hat, um Spuren zu vernichten, die Tatwaffe, ein Brecheisen oder Eisenstück, habe er zu demselben Zweck erst ins Feuer geworfen und dann so vergraben, dass niemand sie finden wird.
Als die Zellengenossen ihn fragten, ob er betrunken gewesen sei, als er den Bruder erschlagen und im Weintank versenkt hat, soll er "Nein" gesagt haben, aber danach habe er sich volllaufen lassen. Einer der Untersuchungsgefangenen hatte seiner Anwältin Tage später von dem "Erlebnis" mit dem dritten Mann in der Zelle erzählt, der andere wandte sich selbst an die Staatsanwaltschaft, beide erhofften sich ein gewisses Entgegenkommen für ihre Strafverfahren. Sie bestätigten gestern, dass ihnen konkret nichts zugesichert worden war, im Gegenteil: der Österreicher hatte sogar Angst davor, dass er im Knast erheblichen Ärger bekommen könnte, wenn sich herumspricht, dass er "gepetzt" hat. Daher war er zu seiner Sicherheit von Würzburg in die Justizvollzugsanstalt in Kempten verlegt worden.

Suizidversuch mit Schnürsenkel


Mit einem "mulmigen Gefühl" waren die beiden Männer, so berichteten sie gestern als Zeugen vor dem Schwurgericht, eingeschlafen - beide waren zum ersten Mal im Knast und dann gleich mit einem Mörder eingesperrt. Gegen Mitternacht waren sie durch das Öffnen der Zellentür geweckt worden. Ein vierter Mann sollte in die Aufnahme-Zelle gebracht werden. Bei der Gelegenheit stellte man fest, dass der Dettelbacher Winzer einen Suizidversuch unternommen hatte. Mit Schnürsenkeln des Österreichers von der Pritsche nebenan hatte er versucht, sich am Bettgestell zu erhängen. Als man ihn aus der Zelle brachte, habe er gesagt, man solle ihn nach Hause gehen lassen, er müsse seinen siebenjährigen Sohn doch am nächsten Morgen zur Schule bringen.
Fest steht, so Prozessbeteiligte: Wenn Winzer Siegfried L. das Verbrechen nicht in Einzelheiten, die nur der Täter kennen kann, in der Zelle geschildert hätte, würde er vermutlich nicht unter Mordanklage vor dem Schwurgericht stehen. Zeugen der Tat und belastende Spuren gab es nicht, bei Trinkgelagen hatte sich Bruder Horst immer wieder mal mit Saufkumpanen geprügelt, so dass auch Tatverdächtige aus dem Kreis in Frage gekommen wären.
Am 24. Februar wird der Prozess fortgesetzt.