Die Gerüchteküche brodelte schon seit längerem, jetzt ist es kurz vor Weihnachten gewiss: Der Rödelseer Dorfladen schließt zum 31. Dezember.

Vor gut einem Jahr präsentierte Bürgermeister Burkhard Klein mit Beate Lenczewski eine neue Pächterin des Rödelseer Dorfladens, die zusammen mit Thomas Wiemann das Geschäft auf neue Füße stellen wollte. Das Vorhaben scheint gescheitert: „Wir schließen aus betriebswirtschaftlichen Gründen“, erklärt sie knapp auf Anfrage dieser Redaktion. Mehr möchte sie auch im Moment gar nicht sagen. „Anwälte sind damit beschäftigt“, begründet sie ihre knappe Mitteilung.

Das bestätigt auch Bürgermeister Burkhard Klein, der zusammen mit dem Gemeinderat viel in eine Grundversorgung der Bürger investiert hat. Vor einem Jahr war auch er voller Hoffnungen, schließlich wurde der Pachtvertrag über zehn Jahre abgeschlossen. Jetzt muss er ernüchtert feststellen: „Es hat nicht funktioniert.“

„Wenn alle dort einkaufen würden wie ich, müsste der Laden nicht schließen“, meinte eine Rödelseerin, die dort regelmäßig ihren Korb füllt. Ab nächstem Jahr dann werde sie statt mit dem Fahrrad mit dem Auto weiter weg zum Einkaufen fahren müssen. Traurig ist auch eine ältere Dame, die um die Ecke wohnt und fast täglich im Dorfladen einkaufte und dort ihren Bedarf decken konnte. Sie hofft, dass die Gemeinde vielleicht doch noch eine Lösung findet.

Auch die Kunden der Postagentur trifft es. Sie müssen zukünftig vermutlich nach Iphofen, um dort für sie lagernde Postsendungen abzuholen.

Es sei klar gewesen, dass ein Dorfladen nicht einfach zu führen sei, dass man einen langen Atem brauche. Doch sei Klein zuversichtlich gewesen, dass auf dem Vorhandenen hätte aufgebaut werden können. Über Hintergründe hält er sich bedeckt, da in der Sache Anwälte tätig sind. Klar nach Kleins Worten ist, dass die Gemeinde noch auf eine Abschlagszahlung in Höhe von 50 000 Euro wartet und dass gegen eine frühere Mitarbeiterin strafrechtliche Ermittlungen laufen.

Da dem Bürgermeister aber das Angebot einer Grundversorgung im Ort, eine Postagentur und eine Tourist-Info wichtig sind, versuche die Gemeinde, eine Lösung zu finden. Erfolgversprechende Kontakte seien geknüpft, allerdings habe die Gemeinde noch keine Kündigung des Pachtverhältnisses erhalten.

Der Dorfladen, noch zu Zeiten von Bürgermeister Friedrich Amberger am 9. November 1995 an den Start gebracht, war eigentlich immer ein Sorgenkind. Er sollte die Nahversorgung sichern, aber kein Supermarkt sein. Die Gemeinde investierte viel Geld in das damals noch kommunal betriebene Geschäft, erntete aber durchgehend rote Zahlen – trotz neuer Konzepte.

2015 war dann so etwas wie ein Schicksalsjahr für den Dorfladen. Mitte Juli tagte damals der Gemeinderat, diskutierte über die Zukunft des dörflichen Nahversorgers: kompletter Ausstieg oder Weiterführen – als Betreiber oder Verpächter – hieß die Frage. Der Gemeinderat entschied sich fürs Verpachten.