Für den Verpackungsspezialisten Reka geht es um die Zukunft, für die Stadt Kitzingen um etwa 200 Arbeitsplätze: Von der Erweiterung des Firmenstandorts im Kitzinger Gewerbegebiet Schutzhafen hängt vieles ab. Jetzt hat das Projekt eine weitere wichtige Hürde genommen. Der städtische Bauausschuss hat die nötig gewordene Änderung des Bebauungsplans auf den Weg gebracht und sich einstimmig hinter das Vorhaben gestellt. Grundlage für den Beschluss waren die vom Unternehmen vorgelegten Gutachten zum Lärm- und Hochwasserschutz, die alle positiv ausgefallen waren.

Jetzt können binnen vier Wochen Bedenken und Anregungen vorgebracht werden, die der Bauausschuss dann gegen die Interessen des Unternehmens abzuwägen hat. Da das von Reka besiedelte Areal inmitten eines rund 30 Hektar großen, vollständig bebauten Gewerbegebiets liegt, dürften von dieser Seite kaum gravierende Einwände zu erwarten sein. Sind alle Formalien bewältigt, wird der Ausschuss über den Bauantrag des Unternehmens entscheiden.

Am Fl0ßhafen steht inzwischen ein kleines Reka-Dorf

Seit 1953 stellt Reka am Standort Kitzingen Kartonagen her – inzwischen ist dort ein kleines Reka-Dorf entstanden. Produktion, Lager, Verwaltung, alles konzentriert auf viereinhalb Hektar im alten Floßhafen. Reka gehört heute zu den vertrauten und größten Arbeitgebern der Stadt, das Unternehmen stellt eine Mannschaft beim jährlichen Drachenbootrennen am Weinfestsonntag und ist auch sonst eng mit Kitzingen verbunden. „Wir sind es als Stadt einer ohnehin auf beengtem Raum agierenden Firma schuldig, die Möglichkeit zur Erweiterung zu geben“, sagte Stadtentwicklungsreferent Thomas Rank (CSU).

Um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben, braucht Reka jetzt eine neue, moderne Produktionsstätte für Wellpappe. Auf dieser Anlage sollen zusätzliche Wellenarten und vorgedrucktes Papier verarbeitet werden. Das Unternehmen gewinnt dadurch an Effizienz und Produktivität und spart gleichzeitig Abfall und Energie. So hat es Geschäftsführerin Gudrun Schröder im vergangenen Sommer bei einer Anhörung im Bauausschuss erklärt. Würde das Vorhaben scheitern, sei der ganze Standort bedroht und müsste für viel Geld – die Rede war von 60 Millionen Euro – verlagert werden.

Die Ingenieure sehen kein Problem beim Hochwasserschutz

Die entscheidende Frage ist inzwischen geklärt und positiv für Reka beschieden worden. Verschiedene Ingenieurbüros kommen zu dem Schluss, dass das Projekt sowohl die Anforderungen für den Lärmschutz als auch die Vorgaben des Hochwasserschutzes erfüllt. Die Berechnungen gehen dabei von einem hundertjährigen, also seltenen, Hochwasserereignis aus. Durch die neue Produktionsanlage sei „keine nachteilige Veränderung des Wasserstands und Abflusses auf Unter- und Oberlieger zu erwarten“, so die fachliche Stellungnahme. Der bestehende Hochwasserschutz werde durch das Projekt nicht beeinträchtigt. Dies macht es der Stadt möglich, der Erweiterung zuzustimmen, obwohl der Standort im Überschwemmungsgebiet liegt.

Vom städtischen Umweltreferenten Uwe Hartmann (Bayernpartei) kam in der Sitzung der Hinweis, dass die Dächer neuer Produktionshallen begrünt werden sollten. In diesem Fall dürfte das aber schwierig werden. „Die Begrünung eines Daches ist im Hallenbau statisch so gut wie unmöglich“, sagte Thomas Rank, der nicht nur Stadtrat, sondern auch erfahrener Bauunternehmer ist. Jens Pauluhn (ÖDP) will diesen Passus als „Signal für die Zukunft“ verankert wissen. Sei er nicht umzusetzen, könne die Stadt eine Ausnahme von der Regel machen und eine Befreiung aussprechen.