Sitzen zwei Frauen beim ersten Hahnenschrei auf Campingstühlen vor einem Friseurladen und warten stundenlang, dass der Laden aufmacht. So hätten früher Witze angefangen. Heutzutage sind es wahre Begebenheiten. Das Ganze ereignete sich übrigens am Montag in Kitzingen, als nach langen Wochen wieder gewaschen, gelegt und geföhnt werden durfte. Endlich waren sie wieder so wunderbare Sätze zu hören wie "Einmal Strähnchen, bitte!" oder auch "Ist die Temperatur so angenehm?" Und: Man kann zum Glück wieder alles seinem Friseur erzählen, was den Lebensgefährten doch ungemein entlastet.

Auch wenn es oben herum zunehmend normal aussieht und man jetzt die Gesichter wieder erkennt, bleibt in Corona-Zeiten doch vieles anders. Die Fotos in der Zeitung zum Beispiel. Gruppenbilder mit Abstand - muss man erst einmal hinbekommen. Selbst beim Tanken eine völlig neue Gefühlslage: Da freut man sich am Morgen, in Kitzingen den Liter Super-Benzin für 1.14 Euro ergatter zu haben. Um dann am Nachmittag auf dem Heimweg zu sehen: Der Preis steht jetzt bei 1.06 Euro.

Auch unterwegs ist alles ein wenig anders: An Brücken hängen Plakate mit Aufschriften wie "Alles wird gut!" Eines hat sich indes nicht geändert: Seit Montag sind auch wieder die Raser und Drängler unterwegs. Teilweise schlimmer als zuvor, weil es scheinbar etwas nachzuholen gibt. Ähnlich rasant wird plötzlich alles wieder gelockert. Der Mindestabstand ist in kürzester Zeit von 1,50 Meter auf 15 Zentimeter geschrumpft. Viele laufen schon mit Wir-haben-es-überstanden-Gesichtern und wunderbaren Strähnchen-Frisuren herum. Gerade so, als wären mit der Frisur auch das alte Leben zurückgekehrt. 

Komisch auch, wie viele Menschen doch im Auto mit einer Maske unterwegs sind - obwohl sie alleine im Auto fahren. Vielleicht liegt es ja daran, dass der eine oder andere inzwischen eine innige Beziehung zu seinem Mund-Nasen-Schutz entwickelt hat. Die Dinger bekommen teilweise sogar schon Namen. So wie Autos gerne Namen bekommen. Wenn also irgendwo die Frage auftaucht "Wo ist mein Helmut?" - dann muss damit nicht unbedingt eine inzwischen wieder erlaubte Person aus einem weiteren Hausstand gemeint sein. 

Es gäbe an dieser Stelle noch einiges mehr zu berichten, aber man muss sich die Dinge auch einteilen können: Den Rest erzählen wir dann doch lieber unserem Friseur.