Man kann mehr gestalten. Und hat viel mehr Kontakt zu den Leuten. Für Anja Weisgerber (CSU), seit zwei Jahren Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Schweinfurt-Kitzingen, ist das der Hauptunterschied zu ihrer früheren Arbeit als Europaabgeordnete.

„Diese Arbeit erfüllt mich“, sagt Weisgerber in einem Pressegespräch. Sie ist außerdem Kreisvorsitzende der CSU. „Das gibt mir die Basis.“ Sie pflegt einen anderen Stil als Michael Glos, der vor ihr den Wahlkreis im Bundestag vertreten hat. Das mag daran liegen, dass Frauen stärker auf Netzwerke setzen und sich auch mal um kleine Details kümmern, während ein Machtmensch wie der Ex-Wirtschaftsminister eher die großen Räder gedreht hat.

Gute Kontakte

Die neun Jahre im europäischen Parlament haben Weisgerber geholfen bei ihrer Arbeit im Bundestag. „Das war eine sehr, sehr gute Schule.“ Die Kontakte, die sie in Brüssel geknüpft hat, helfen auch in Berlin, sagt die 39-Jährige. Gerade im Umweltbereich, Weisgerber ist Obfrau der Fraktion im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, gibt es immer Anknüpfungspunkte an Europa. „80 Prozent der Themen kommen aus Europa.“

Klar geht es bei der Halbjahresbilanz auch um das Thema Flüchtlinge . In einer parteiübergreifenden Allianz sei es mit viel Einsatz und intensiven Gesprächen gelungen, zu verhindern, dass in der ehemaligen US-Siedlung Askren Manor bis zu 5000 Flüchtlinge untergebracht werden. Für Weisgerber, seit 2009 Mitglied im CSU-Parteivorstand, ist das eine der wichtigsten Sachen, an denen sie beteiligt war. Wir übernehmen Verantwortung für die Flüchtlinge, zumal der Druck, die Leute alle unterzubringen, groß ist. „Aber es muss passen“.

Das gilt auch für die von der Regierung von Unterfranken erwogene Unterkunft in Nordheim: Weisgerber verneint, ob es passt, 400 Flüchtlinge in einem Ort mit 1000 Einwohnern unterzubringen. Neben Bürgermeister Guido Braun hätten auch Bürger und der Weinbauverein um Unterstützung gebeten. „Aber noch läuft die Prüfung der Regierung.“ Die müsse man abwarten. Dafür plädiert auch Tamara Bischof. „Der Landkreis hat noch keine offizielle Mitteilung, wie sich die Regierung das in Nordheim vorstellt“, sagte die Landrätin auf Anfrage. „Aber grundsätzlich beantwortet wären 400 dort zu viel.“

Falls es nötig werden sollte, verspricht Weisgerber den Nordheimern Unterstützung. Sie ist froh, dass es bei einem anderen emotionalen Thema, der Energiewende, zwei gute Nachrichten gibt: Die Stammstrecke von SuedLink wird nicht quer von Norden nach Süden über Grafenrheinfeld laufen, es wird nur eine Stichleitung geben. Und es gilt der Vorrang der Erdverkabelung.

Was war die schwierigste Sache in den zwei Jahren? Weisgerbers Antwort kommt sofort. „Die Griechenland-Abstimmung.“ Sie hat lange überlegt, wie sie sich entscheidet. Nothilfe für Griechenland hätte es auf jeden Fall gegeben, auch wenn die Abstimmung negativ ausgefallen wäre. So war die Unterstützung mit Bedingungen verbunden, das habe den Ausschlag für ihre Entscheidung gegeben, zuzustimmen.

Private Investoren

Was wird aus den Konversionsflächen? Die Frage ist in Kitzingen beantwortet, dort wurden bzw. werden allen fünf großen Standorte von privaten Investoren entwickelt. „Ein guter Weg“, wie Weisgerber findet. „Leider ist es dabei nicht möglich, Mittel aus der Städtebauförderung zu bekommen.“

Wohl auch deshalb ist der Ansatz in Schweinfurt anders. Dort geht es darum, die Flächen der ehemaligen Ledward-Kaserne zum Beispiel städtebaulich weiterzuentwickeln, trotz der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber. In Askren Manor sollen bezahlbare Wohnungen entstehen, auf dem Gelände der Conn-Kaserne soll Platz für Gewerbe sein, erläutert Weisgerber die Ziele von Stadt und Landkreis. Und ihre Ziele? Zeit für ihre Kinder haben, ist eines. „Die Familie ist meine Kraftquelle.“