Bei diesem Antrag fiel so manchem Prichsenstadter Stadtrat in der Sitzung am Donnerstagabend die Kinnlade herunter: Das Katholische Pfarramt Kirchschönbach beantragte für ihren Kindergarten einen Ausgleich von 81 474 Euro für vier Betriebsjahre auf einen Schlag, und am heftigsten war das Minus im Betriebsjahr 2008/2009 mit etwas mehr als 63 000 Euro.

Normalerweise liegt das Defizit im unteren vierstelligen Bereich – umso mehr Diskussionsbedarf entstand nun angesichts des Minus von mehr als 80 000 Euro und der Frage, ob die Anträge nun in jedem Jahr entweder gestellt und nicht bearbeitet oder gar nicht gestellt worden waren.

Insbesondere Stadtratsmitglied Hans-Dieter Kern war schier entsetzt. „Natürlich werden wir dieses Geld zahlen, aber warum liegt uns erst jetzt dieser Antrag über vier Jahre vor? Sonst hatten wir immer pro Betriebsjahr gezahlt“, fragte er stellvertretend für viele andere Stadtratskollegen. Der Antrag sei erst im August 2011 gestellt worden, antwortete Bürgermeister Adolf Falkenstein, und zwar über die vier Betriebsjahre 2007/08 bis 2010/11.

Sekretärin: Geschehen ist nichts

Das wollte die Pfarrsekretärin Margot Menninger, der vom Stadtrat das Rederecht erteilt worden war, nicht so stehen lassen. Sie habe jedes Jahr einen entsprechenden Antrag gestellt, ihn persönlich in die Verwaltung gebracht, und der Reihe nach hatten nach ihren Angaben führende Mitarbeiter die Bearbeitung zugesagt. „Geschehen aber ist nichts, egal an wen ich mich gewendet habe, und auch Diakon Karl Leiseneder hat nichts ausrichten können“, sagte Menninger.

Diesen Vorwurf hingegen wollte die Verwaltung nicht auf sich sitzen lassen, insbesondere Bürgermeister Adolf Falkenstein nicht. „Jedes Stück Papier, das im Rathaus unterwegs ist, geht über meinen Schreibtisch“, sagte er. Die Anträge der Katholischen Kirche seien nie bei ihm gelandet, mit Ausnahme des Antrages von August 2011, und sowohl Verwaltungsleiter Thomas Mayer als auch der stellvertretende Bürgermeister Alfons Saugel konnten sich nicht daran erinnern, jemals die Anträge gesehen zu haben, obwohl Margot Menninger sie persönlich bei ihnen abgegeben und um Erledigung gebeten haben will. Erst als sie die Unterlagen beim Bürgermeister persönlich abgeliefert habe, sei Bewegung in die Angelegenheit gekommen.

Der Antrag landete auf der Tagesordnung der Stadtratsitzung am Donnerstag. Hauptthema war dabei nicht so sehr das hohe Defizit, das die Kirche mit „unerwartet hohen Personalkosten“ begründet, sondern vielmehr der Aspekt der „verschwundenen Unterlagen“.

Wo und warum und ob überhaupt sie haben verschwinden können, ob sie an der richtigen Stelle abgeliefert wurden und wer sich nicht rechtzeitig den Anträgen gewidmet hat, wird die Verwaltung jetzt gründlich recherchieren.

Belange des Arbeitsrechts

Ob der Rat auch die Frage klären solle, warum die Kosten plötzlich aus Personalgründen so explodiert seien und wie man so etwas zukünftig verhindern wolle, da habe der Rat kaum Möglichkeiten, sagte Falkenstein auf Anfrage von Hans-Dieter Kern. „Da geht es um arbeitsrechtliche Belange, mit denen wir uns nicht zu befassen haben“, sagte Falkenstein.

Um die Frage nach den „verschwundenen Unterlagen“ behandeln zu können, setzte der Stadtrat den Antrag der Kirche auf Erstattung des Defizits von der Tagesordnung ab und wird sich in einer der nächsten Sitzungen damit befassen.