Ein mulmiges Gefühl war es schon. "Das wichtigste Gefühl ist es, dass man sich auf die Technik verlassen kann", erinnert sich Frank Meier an sein "erstes Mal" an der Kletterwand im Feuerwehrturm. Für ihn wie für seinen Kollegen Stefan Lenzer steht fest: Ohne Ausrüstung geht gar nichts. Lenzer hat die Übungsstrecke zu vier Rettungsübungen durchstiegen und absolviert. "Aber noch nicht unter Stress", sagt Lenzer. Er weiß als ausgebildeter und durchtrainierter Feuerwehrmann, dass bis zum Ernstfall alle Handgriffe in Fleisch und Blut übergegangen sein müssen, denn der sieht immer anders aus als der Übungsfall.
Gebaut wurde der Turm auf dem Areal der Feuerwehr in Iphofen als Schlauchturm. Mit der Einrichtung der Schlauchwaschanlage wurde er überflüssig, die Zukunftsaussichten schwankten zwischen Abbruch und anderweitiger Verwendung. "Die neue Idee war, den Schlauchturm als Übungsstrecke umzurüsten", berichtete Kommandant Walter Meier bei der Einweihung der neuartigen Einrichtung. Feuerwehr und Bergamt verfolgten und begleiteten das Vorhaben gemeinsam. "Es ist eine saubere Einrichtung geworden, die erste im Landkreis", freute sich Meier.

Erste Einrichtung im Landkreis


Das Unternehmen Knauf richtete Regale mit einer Höhe von etwa 25 Metern ein. Doch um dort die Bergung von Unfallopfern üben zu können, musste die gesamte Anlage ausgeschaltet und der Betrieb eingestellt werden. Diese widrigen Umstände sind jetzt vorbei, nun kann im Kletterturm in schwindelnder Höhe geübt werden.
"Ein schöner Anlass und ein guter Anlass", hob Pfarrer Hanjo von Wietersheim hervor, denn nun könne die Feuerwehr trainieren Menschen zu helfen und zeigen, dass sie nicht nur mit Wasser herumspritze. Für den Geistlichen können Feuerwehrleute wie Engel aussehen, erst recht, wenn sie mit dem Klettergurt Höhen und Tiefen überwinden und ihrer Rettungsarbeit nachgehen.
Die Anlage ist so ausgestattet, dass ein Ausbilder jeden Handgriff von einer Paralellleiter aus hautnah mitverfolgen und Ratschläge geben kann. In die Leiter eingelassene Steigschutzläufer gehen mit dem Helfer automatisch nach oben und blockieren beim Abstieg. Zur Sicherheit muss die Blockade bei jedem Schritt von Hand aufgehoben werden. "Die Leiter ist identisch mit dem Hochregal bei Knauf", betont Frank Meier, als er zu Demonstrationszwecken das Geschirr aus Gurten, Karabinerhaken und Ösen anlegt.
Der Grundstein für den Kletterturm wurde bereits 2010 anlässlich einer Besprechung zwischen Feuerwehr und Knauf-Werksleitung gelegt, als erste Rettungsversuche am 25 Meter hohen Regal wenig erfolgversprechend verliefen, wie Werksleiter Rolf Lupold berichtete. Dann aber entschlossen sich die Beteiligten, die Erfahrungen von Profis bei der Berufsgenossenschaft in eine Höhenrettungsstrecke einfließen zu lassen. "Der Schlauchturm war dabei die geniale Idee", lobte Lupold.

Konstruktive Zusammenarbeit


Der Gedanke fiel bei der Stadtverwaltung auf fruchtbaren Boden, Stadt und Unternehmen unterstützten den Umbau des Schlauchturmes maßgeblich. Bürgermeister Ludwig Weigand lobte eine konstruktive Zusammenarbeit, bei der sich der Schlauchturm binnen 120 Arbeitsstunden zu einer Höhenrettungstrecke mit zwölf Metern wandelte, die derzeit ihresgleichen sucht. "Gemeinsam wurde etwas geschaffen, was vielen von uns von Nutzen sein kann", stellte Weigand fest. Der nicht mehr benötigte Schlauchturm sei so einer neuen sinnvollen Nutzung zugeführt worden. Die Feuerwehr bildete auf der neuen Anlage bislang zehn Feuerwehrmänner und fünf Trainer aus, das Unternehmen Knauf acht Leute und drei Trainer.