Ob ein Konditoreimuseum in Kitzingen entstehen könnte, darüber entschied der Stadtrat am letzten Donnerstag, nachdem eine umfangreiche Machbarkeitsstudie, gefördert vom Bezirk Unterfranken und der Landesstelle nicht-staatlicher Museen in Bayern, vorgestellt worden war. Walter Poganietz, im Jahr 2010 für sein herausragendes Wirken mit dem Kulturpreis der Stadt ausgezeichnet, und seine Tochter waren zur Entscheidung im Sitzungssaal anwesend.

Beeindruckende Sammlung

Eine „beeindruckende und authentische Sammlung mit in wesentlichen Teilen direktem Bezug zu Kitzingen“ bescheinigte Dagmar Stonus von Kulturbüro FranKonzept aus Würzburg in ihrer 130 Seiten umfassenden Studie. Positiv erwähnte sie die „informative und kooperative Zusammenarbeit mit allen Beteiligten“. Dass ein solches Museum ein solides Potenzial von 3500 Besuchern pro Jahr erreiche, daran müsse „kontinuierlich gearbeitet werden“. Allerdings untersuchte die Studie auch den aktuellen Standort. Ob überhaupt und wie die Museumstauglichkeit im denkmalgeschützten Gebäude hergestellt werden könne, blieb offen. Ebenso sei eine wissenschaftliche Vollzeitstelle notwendig, um das Museum zu führen, so dass sich die Stadt mit einem hohen fünfstelligen Betrag am Betrieb eines solchen Museums finanziell beteiligen müsste.

Eher nicht machbar

Stonus‘ Fazit: „Berücksichtigen wir die Gesamtsituation, sehen wir die Machbarkeit daher nicht vollumfänglich als gegeben an.“ Der Empfehlung der Verwaltung, keine weiteren Schritte zur Entwicklung eines Konditoreimuseum zu unternehmen, folgte der Stadtrat mit großer Mehrheit (23:3). Stonus betonte, dass die Entscheidung in keiner Weise den „unermüdlichen Eifer“ und die „herausragende Qualität der Sammlung“ Poganietz betreffe. Um beides zu würdigen, wurde der Vorschlag von Sonderausstellungen im Stadtmuseum angeregt.

Nieser- oder Dietzhaus?

In Sichtweite des mehr als 450 Jahre alten historischen Bürgerhauses am Markt, das die Sammlung derzeit beherbergt, befindet sich das Dietzhaus. Dort, so der Antrag von drei Stadträten, könnte der neue Standort der Tourist-Information entstehen. Da der bestehende Standort, das Nieserhaus an der Alten Mainbrücke, ohnehin an die Anforderungen an eine moderne Tourist-Info angepasst werden muss, hielten sie an der leerstehenden Alternative am Marktplatz fest.

In seiner vergangenen Sitzung hatte sich der Rat somit verständigt, das Thema im Stadtentwicklungsbeirat zu behandeln. Hauptamtsleiter Ralph Hartner informierte, dass dort „unterschiedlich diskutiert“, aber „nicht abschließend entschieden“ worden sei. Nach einer Stunde habe sich im Ausschuss die Ansicht durchgesetzt, zwischen beiden Standorten mittels Abstimmung im Stadtrat zu entscheiden, um weiteren Verzug bei der Entwicklung der Tourist-Info zu vermeiden.

Wieder die alte Diskussion

Nach ersten Meldungen stoppte Oberbürgermeister Siegfried Müller die sich im Kreis drehende Debatte: „Jetzt sind wir wieder bei derselben Diskussion, die wir schon einmal geführt haben.“ In der Abstimmung bestätigte der Stadtrat die Ansicht der Verwaltung, die Verhandlungen über das Dietzhaus über eine Anmietung oder einen Ankauf nicht mehr zu verfolgen (17:9) und stattdessen den aktuellen Standort an der Alten Mainbrücke beizubehalten und mit den Planungen zu beginnen, um diesen zu einer modernen Tourist-Info umzugestalten.