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Abtswind

Tradition verpflichtet: Die Steinbruch-Passion der Familie Müller

Der Großvater brachte einst die Steinmetz-Tradition aus Schlesien mit. Heute geht Siegfried Müller der Leidenschaft nach, die nächste Generation wartet schon.
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Siegfried Müller und seine Tochter Carina Müller in ihrem Steinbruch im Abtswinder Wald.  Foto: Hartmut Hess
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Ruhig ist es im Wald des Abtswinder Friedrichbergs, als der Kleinlangheimer Siegfried Müller und seine Tochter Carina unterwegs sind. Nur Vogelzwitschern ist zu hören. Das ändert sich, wenn die Mitarbeiter der Firma Stein Müller zum Abbauen in ihre Steinbrüche schreiten. Dann  ertönen die Geräusche von Baumaschinen und von weggesprengtem Gestein. Die Firma ist die einzige im Landkreis Kitzingen, die den fränkischen Schilfsandstein noch abbaut und entweder als Blöcke weiterverkauft oder als Steinmetze selbst daraus Produkte herstellt.

"Mein Großvater hat einst die Steinmetz-Tradition unserer Familie aus Schlesien mitgebracht", verrät Siegfried Müller, der im Jahr 1992 seinen Natursteinfachbetrieb gründete und vier Jahre später mit dem Abbau des Schilfsandsteins begann. Dazu erhielt er die Abbaurechte von Waldbesitzern und vom Fürstenhaus Castell-Rüdenhausen für die Flächen des  Ortelsbruchs und den Graf-Castell-Bruch in Abtswind. Später kamen noch ein Steinbruch in Mönchsondheim dazu sowie ein Probeabbau am Casteller Kugelspiel und neuerdings in mittelfränkischen Untererlbach bei Spalt.

Der Graf-Castell-Bruch  war für die Müllers bislang am ergiebigsten. Pro Jahr bauen sie mehrere hundert Tonnen des Natursteins ab, der ein Alter von rund 220 Millionen Jahren hat. Derzeit haben die Müllers noch 1000 Tonnen Vorrat. Die Vorkommen selber reichen noch mehrere hundert Jahre. Siegfried Müller und seine Tochter Carina, die neben einer Steinmetzlehre, Restaurierung und Konservierung von Kunst und Kulturgut an der Technischen Hochschule Köln studiert hat, setzen auf einen naturschonenden Abbau. Sie setzen keinen Sprengstoff ein, sondern ein hydraulisches System mit Sprengkeilen.

"Die beiden Steinbrüche weisen unterschiedliche Farbgebungen auf, so zeichnet sich das Gestein aus dem Ortelsbruch etwas grüner und mit einer homogenern Gesteinsstruktur aus. Der etwas gelblichere Schilfsandsteinaus dem Graf-Castel-Bruch lässt lebhafte Wolken und Maserungen erkennen", schildert Carina Müller die Unterschiede der nur wenigen Meter voneinander entfernten Steinbrüche. Die Abbautiefe erstreckt sich teilweise bis 25 Meter, weshalb auch viel Abraum anfällt, bis die verwendbaren Gesteinsschichten ans Tageslicht kommen.

Erhalt wertvoller Gebäude

Mit schwerem Gerät von Bagger, Raupe und Radlader werden die Gesteinsblöcke abgebaut und zu Lagerflächen transportiert. Entweder verarbeiten die Müllers den abgebauten Stein zu Produkten für die Restaurierung von historischer Bausubstanz - beispielsweise der Erneuerung von Fenstereinfassungen - oder Arbeiten zur Erhaltung kulturhistorisch wertvoller Gebäude.

"Die Erhaltung und Pflege von Denkmälern liegt uns sehr am Herzen", sagt Carina Müller und die 29-Jährige geht voll in ihrer Arbeit als diplomierte Restauratorin auf. "Wir sorgen für neue Fassaden, unsere Steinmetze schaffen Skulpturen oder Treppenanlagen für den Garten und im Haus oder kooperieren mit kirchlichen und staatlichen Bauämtern", umreißt Siegfried Müller das Tätigkeitsspektrum seines Handwerksbetriebs.

Ob renovierte Natursteinhäuser im Abtswinder Altort und im Landkreis, sanierte Kapellen, das Gerlachshäuser Friedhofstor, der Frankoniabrunnen vor der Würzburger Residenz oder private Objekte – die Müllers haben vielerorts ihre fachmännischen Spuren hinterlassen. Viele Kunden kaufen auch unbearbeitete Felsblöcke und wissen die Qualität des Schilfsandsteins aus Franken zu schätzen.

Das hiesige Gestein eignet sich auch besonders für Bildhauer wegen des Steinmaterials mit gleichmäßiger und homogener Struktur. Die Müllers bemerken den Trend zum nachhaltigen Naturstein und der Regionalität und gerade jüngere Leute würden heutzutage bei der Kaufentscheidung wieder mehr auf die Herkunft von Natursteinen achten.

Natur kehrt zurück

Wenn die Müllers gerade nicht in ihren Brüchen arbeiten, besticht dort die Stille und die Brüche sind potenzielle Biotope für die Zukunft. An Stellen, an denen die Firma nicht mehr abbaut, holt sich die Natur ihr Terrain zurück. Siegfried Müller nimmt beim Gespräch eine  kleine Lärchen-Pflanze in die Hand. "Das ist der beste Beweis dafür, dass Naturverjüngung funktionieren kann", findet der  Handwerksmeister. Die Steinbrüche, die aufgelassen werden, bieten auch Lebensräume für Höhlenbrüter und Fledermäuse, für solche Tiere bilden idyllisch ruhige Steinbrüche ein begehrtes Refugium.