"Alles neu macht der Mai." Nun vielleicht nicht alles, aber einiges hat sich in Obernbreit im Mai verändert: Vor allem der Bürgermeister, der nun eine Bürgermeisterin ist. Susanne Knof heiß sie, hatte 18 Jahre als Gemeinderätin, davon sechs als Zweite Bürgermeisterin hinter sich und im März die Bürgermeisterwahlen mit großem Vorsprung gewonnen.

Schon die ersten Ratssitzungen haben gezeigt: Da will jemand nicht alles auf den Kopf stellen, aber eigene Akzente setzen, neue Medien verstärkt nutzen und die Sitzungen damit auch für die Zuschauer attraktiver machen. Etwa durch den Einsatz von Laptop, Beamer und Leinwand werden Pläne und andere Unterlagen all jenen, die den Weg ins Rathaus finden, präsentiert.

Corona hat den Einstieg ins Amt erleichtert

Warum Bürgermeisterin? "Das hat sich alles so ergeben", sagt sie, "ich habe mich schon immer gerne für die Allgemeinheit engagiert." Gemeinderätin, dann Zweite Bürgermeisterin, nun die erste Frau im Rathaus, für Susanne Knof fast eine logische Entwicklung. Dazu wenige Wochen nach der Wahl auch noch die erste Stellvertreterin von Landrätin Tamara Bischof, schon ein Päckchen, das sich die 53-jährige Ärztin da auf den Rücken geschnallt hat. Um den Posten der zweiten Frau im Landkreis hat sie sich nicht aktiv beworben, sie ist gefragt worden. Nach sechs Jahren im Kreistag war sie auch hier keine Unbekannte mehr.

Corona hat den Einstieg ins Amt schon ein wenig erleichtert, denn all die gesellschaftlichen Termine einer Bürgermeisterin sind schlichtweg ausgefallen. Aber auch wenn sie als Stellvertreterin etliches der Arbeit eines Bürgermeisters mitbekommen hatte und Vorgänger Bernhard Brückner eine umfangreiche Amtsübergabe leistete, die ersten Wochen war sie schon "rund um die Uhr im Einsatz, um im Amt anzukommen". Jetzt fährt sich auch ihre Arztpraxis wieder hoch.

Neue Schulden für den Kindergarten

Was will die Bürgermeisterin umsetzen? Die "Hardware" für die kommenden Jahre ist gesetzt. Da ist das "Riesenprojekt" Kindergartensanierung und -erweiterung, die viel Ressourcen und viel Geld bindet. Über vier Millionen Euro stehen dafür bereit. Auch wenn die Finanzlage von Obernbreit gesund ist, die Pro-Kopfverschuldung liegt im niedrigen zweistelligen Bereich: Ohne neue Schulden wird der Kindergarten sicher nicht zu stemmen sein. "Aber dafür gibt es auch einen Mehrwert für die Bevölkerung", sagt Knof, denn das neue Haus soll nicht nur für die Kinder da sein.

Auch schon vor ihrer Zeit und auch mit ihrer Zustimmung beschlossen: Das Anwesen Breitbachstraße 1, das die Gemeinde gekauft hat, eine ehemalige Metzgerei mit Gastwirtschaft an der Engstelle zur Breitbachstraße. Derzeitiger offizieller Stand ist ein Teilabriss des Gebäudes, um die Engstelle aufzuweiten und auch für Fußgänger sicherer zu machen. Auch hier wird sicher viel Geld nötig, Geld das in Corona-Zeiten wohl nicht mehr so reichlich sprudeln wird. Die Entwicklung von Gewebe- und Einkommenssteuereinnahmen ist unsicher.

Energiekonzept geplant

Was bleibt für eine Neue? Die "weichen  Faktoren" hatte sich die Knof auf die Fahnen geschrieben. Obernbreit ist Mitglied im Energieeffizenz-Netzwerk. Wie geht es weiter mit regenerativen Energien im Ort, mit Photovoltaik und Windenergie? Fragen die ein Konzept für Obernbreit beantworten soll.

Ist ein Jugendhaus noch zeitgemäß? Auch eine Frage, die die Bürgermeisterin stellt und die sie in Zusammenarbeit mit der Dorfjugend und dem Kreisjugendring beantworten möchte. Auch Bürgerdialoge will Susanne Knof starten: Neben den üblichen Bürgerversammlungen gezielte Gespräche mit Firmen, mit Familien, mit Vereinen führen – sobald dies wieder möglich ist. Und den Ort digital aufwerten, durch die Einbindung der Bürger über neue Medien, dazu Obernbreit virtuell erlebbar machen. Mehr nach Innen, als nach Außen wirken also.