Sie ist ein kleiner Saubermann und leistet Erstaunliches. Und vor rund 100 Jahren war die Bachmuschel noch die häufigste Süßwassermuschel in Europa. Doch durch Gewässerverschmutzungen und Bachbegradigungen sind immer mehr Populationen verschwunden. Laut Regierung von Unterfranken leben heute rund 95 Prozent weniger Tiere in Bayerns Gewässern als noch zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts.

Die Bachmuschel steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere. Doch seit 1989 mit Artenschutzprogrammen begonnen wurde, fühlt sich das Wasserlebewesen hier und da wieder wohler – einige kleine und 13 große Vorkommen mit mehr als 10 000 gibt es im Freistaat. Und auch im Landkreis Kitzingen lebt die kleine, braune Muschel.

Von 20 000 auf 3000 Muscheln

Frank Stierhof aus dem Iphofer Ortsteil Dornheim hat sich ihrem Schutz verschrieben. Er ist ausgebildeter Muschelberater und kümmert sich um die Population im Rehberggraben in der Nähe von Dornheim, an der Grenze zu Mittelfranken. Früher lebten hier bis zu 20 000 der kleinen Tiere, zeitweise war die Population auf nur 3000 Exemplare geschrumpft. Heute hat sie sich wieder etwas erholt, sagt der Naturschutzwächter – etwa 6000 Muscheln bevölkern nun den Bach.

„Früher gab es die Bachmuschel flächendeckend in ganz Bayern“, sagt Stierhof. Zeitweise sei sie schaufelweise aus Bächen geholt und an Enten verfüttert worden. Doch Bachbegradigungen und übermäßige Düngung hätten der Art stark geschadet. „Im Landkreis Kitzingen gibt es die Muscheln nur noch hier“, sagt Stierhof. Und nicht nur im Landkreis Kitzingen ist der Standort einzigartig: Laut Regierung von Unterfranken ist es derzeit das einzige Vorkommen in der Region.

Deshalb fühlt sich die Muschel bei Iphofen wohl

Dass sich die Mollusken am Steigerwaldrand bei Iphofen wohl fühlen, hat mit den Erhaltungsmaßnahmen im Landkreis Kitzingen und dem angrenzenden mittelfränkischen Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zu tun. Die Muschel braucht naturnahe Rinnsale. Und als „Mini-Kläranlage“ ist für die Sauberkeit der Gewässer wichtig: „Pro Stunde filtert eine Bachmuschel etwa drei bis vier Liter Wasser“, sagt Doris Hofmann vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken. Sie ist für die Projekte im südlichen Steigerwald zuständig und betreut auch die Population an der Grenze zu Unterfranken. „Nicht nur, dass die Bachmuschel organische Partikel im Wasser verwertet“, sagt Hofmann.

„Sie filtert auch anorganische Stoffe heraus.“ So würde die Muschel zum Beispiel im Wasser gelöste Erde filtern und mit einer Schleimschicht umgeben. Durch das zusätzliche Gewicht sinkt die Erde auf den Boden und lagert sich dort ab – und das Wasser wird klarer. Nur wenn zu viel Schmutz im Bach sei, gebe es Probleme: „Das kann die Muschel dann nicht mehr filtern“, erklärt Hofmann. „Die hat dann irgendwann den Bauch voller Erde und verhungert, weil sie nichts anderes mehr aufnehmen kann.“

Regelmäßige Kontrollen nötig

Dafür, dass das Wasser sauber genug für die Muscheln bleibt, sorgt am Rehberggraben Frank Stierhof. „Ich bin dafür da, dass ich den Bach kontrolliere“, sagt der hauptamtliche Naturschutzwächter des Landkreises. Stierhof entfernt übermäßig wachsende Algen, beseitigt Müll und lockert Biberstaudämme, damit sich nicht zu viel Wasser anstaut. Allerdings, sagt Stierhof, sei der Biber – anders als zunächst gedacht – sogar gut für die Muscheln.

„Wir hatten erst Angst, dass sich Biber und die Muscheln nicht vertragen“, erzählt Stierhof. „Aber das geht wirklich gut.“ Mit ihren Dämmen sorgen die Biber nämlich dafür, dass sich mehr Wasser anstaut und die Bäche auch in heißen Sommern nicht austrocknen, was für die Muscheln fatal wäre.

Schädlicher Bachnachbar 

Ein anderer Bachbewohner, der den Muscheln dagegen stark schadet, ist der Bisam. Das eigentlich in Nordamerika beheimatete und nach Europa eingeschleppte Tier ist zwar eigentlich ein Pflanzenfresser – „aber bei den Muscheln nehmen die das nicht so genau“, sagt Stierhof. Deshalb fange er in der Nähe des Baches regelmäßig Exemplare, 40 Bisams seien es im vergangenen Jahr gewesen.

Zusätzlich halten die Bauern, die teilweise Flächen um den Rehberggraben bewirtschaften, bei der Düngung zehn Meter Abstand zum Bach, damit das Wasser weniger stark belastet wird. „Die Landwirte die davon betroffen sind, haben am wenigsten Probleme damit“, sagt Stierhof. Diskussionen gebe es eher mit Menschen, die der Schutz der Bachmuschel nicht unmittelbar betreffe. „Da muss ich mich oft rechtfertigen.“

Kleiner Saubermann: Die Bachmuschel

Das Weichtier erreicht eine Größe von vier bis elf Zentimetern und kann über 25 Jahre alt werden. Das braune Schalentier lebt in sauberen Flüssen und Bächen und ist in ganz Europa verbreitet – mit Ausnahme von Italien, der Iberischen Halbinsel und Großbritannien. In Deutschland gilt die Bachmuschel (lat. Unio crassus) als stark gefährdet, in Bayern ist sie vom Aussterben bedroht. Seit 1989 ist die Art geschützt. Ihre Nahrung nimmt die Muschel aus dem Wasser auf. Durch eine „Einströmöffnung“ saugt sie Wasser ein, das sie in ihrem Inneren filtert und wieder ausströmt. Rund vier Liter werden so pro Stunde filtriert. Die Fortpflanzung ist ein komplizierter Prozess, für den es Wirtsfische braucht: In den Kiemen bestimmter Fischarten verwandeln sich die Larven in vier Wochen komplett in Miniatur-Muscheln. Für zwei bis drei Jahre gräbt sich der sensible Nachwuchs dann in sicherem Sediment ein, bevor er an die Oberfläche kommt. Das Alter lässt sich an „Jahresringen“ ablesen. nfz