Mit zahlreichen Zuschauern, darunter auch Bürgermeister Bernhard Rhein und unter den Klängen der Musikkapelle (Leitung Joachim Sollner) zog der Landwirt mit seiner Kuh die Dorfstraße entlang.

Für die mit einem Blumenkranz geschmückte Cousine, auf die sich zahlreiche Fotoapparate und auch eine Fernsehkamera richteten, endete der Umzug in einem Viehanhänger. „Muss i denn zum Städtele hinaus…“ spielten die Musikanten, als Cousine die Fahrt in ihr neues Zuhause antrat. Den Rest ihres Tierlebens verbringt die letzte Gaukönigshöfer Kuh in einem modernen Stall in der Nähe von Tauberbischofsheim.

Mit dem Tier geht nicht nur ein langes Stück Hofgeschichte in der Familie Öchsner zu Ende, sondern auch die Ära der Milcherzeugung in Gaukönigshofen. Paul Öchsner, der im Vorjahr einen großen Bullenstall außerhalb des Dorfes in Betrieb genommen hat, erläutert die Gründe, die ihn zur Aufgabe der Haltung seiner rund 30 Milchkühe bewogen haben.

Zum einem sind es die vielen Stunden, die für die Stallarbeiten anfallen. „Die Tiere kann man nicht alleine lassen, sie müssen 365 Tage im Jahr zweimal am Tag gemolken und gefüttert werden“ sagt der Landwirt.

Zum anderen ist es auch der mittlerweile in die Jahre gekommene Stall mit der nicht mehr zeitgemäßen Anbinde-Haltung. Es sei fast unmöglich geworden, für diese Stallarbeit einen Helfer zu finden. Öchsner weist auch darauf hin, dass vor ihm schon zahlreiche Berufskollegen aus der Milchproduktion ausgestiegen sind.

„Man muss den Hut ziehen vor einem Landwirt, der sich heute dazu entschließt, einen neuen modernen Milchviehstall zu bauen“ meint der Gaukönigshöfer. Die bürokratischen Auflagen seien immens und das finanzielle Risiko nicht zu unterschätzen. Viele Milcherzeuger können, laut Öchsner, mit dem momentan extrem niedrigen Milchpreis von 30 Cent für einen Liter Milch nicht einmal ihre Kosten decken.

Es sei schon ein Stück weit frustrierend, wenn die verantwortungsvolle und nicht immer leichte Arbeit mit den Kühen und Kälbern nicht einmal ansatzweise honoriert wird. Mit schuld an dieser Misere ist, seiner Meinung nach, das Quotenende sowie das Russlandembargo und die schwächere Konjunktur in Asien. Große Probleme bereitet das derzeit vor allem den Betrieben, die in den vergangenen Jahren neu investiert haben und jetzt die Darlehen an die Banken zurückbezahlen müssen.

An die Zeiten, in denen in den großen Gehöften im Ort bei jedem Bauern fünf bis sechs Kühe im Stall gestanden haben, erinnert sich Pauls Vater Ludwig Öchsner. Der 77-Jährige, hat das Anwesen 1965 von seinem Vater Sebastian Öchsner übernommen.

Rund 20 Jahre später begann Paul Öchsner, die Geschicke des Hofes zu lenken. Er baute den Stall um und setzte auf die Milchviehhaltung. Mit seinem Rückzug setzt der Landwirt den Wandel fort, der sich bereits seit vielen Jahren in dem einstmals bäuerlich geprägten Gaukönigshofen vollzogen hat.

Laut Paul Öchsner bewirtschaften im Ort noch 14 Landwirte ihre Betriebe. Davon arbeiten vier im Vollerwerb und zehn Bauern führen ihre Betriebe im Nebenerwerb weiter. Mit dieser Entwicklung ging einher, dass immer mehr Landwirte die Milcherzeugung aufgaben.

Waren es 1984 noch 13 Milchviehhalter, ging im Laufe von zehn Jahren ihre Anzahl auf fünf und weitere zehn Jahre später auf zwei zurück.“

Paul Öchsner, der inzwischen der letzte dieser Zunft war, hat mit dem Auszug von „Cousine“ dafür gesorgt das Gaukönigshofen, die Bezeichnung „Kuhdorf“ im wahrsten Sinne des Wortes, nicht mehr verdient.