Unschlüssig steht Lennox vor der großen Eistheke. Wieder die Sorte Snickers – oder mal was ganz anderes, überlegt der Siebenjährige. Seine Schwester Maja weiß schon ganz genau, was sie will und ruft dazwischen: „Erdbeere, ich will eine große Kugel Erdbeereis.“

Der Besitzer Pedro Martins wartet geduldig, bis die Kinder sich entschieden haben. Er genießt den Kontakt mit seinen kleinen und großen Kunden. Seit vier Jahren steht der Portugiese schon in der Kitzinger Eisdiele Cortina. „Ich kann mir keinen besseren Job vorstellen, als von leckerem Essen umgeben zu sein und mit netten Menschen ins Gespräch zu kommen“, findet Martins.

Einer seiner Stammgäste ist Stadtrat Franz Böhm. Der eingefleischte Kitzinger isst am liebsten die „amerikanische Mischung“, ganz klassisch

„Die würde ich auch mal zu einem Eis einladen – wenn sie bezahlt.“
Lennox (7) über Klassenkameradin Lea

Schokolade, Erdbeere und Vanille mit viel Sahne, „mehr brauch ich gar nicht“, erklärt Böhm lachend. Im Schatten zu sitzen, mit einem kühlen Eis, so lässt sich der Sommer in der heißesten Stadt Deutschlands ertragen.

Die Geschwister Lennox und Maja haben endlich ihr Eis. Die Fünfjährige erklärt, dass das Eis sie an ihren Kindergartenfreund Benedikt erinnert. „Er geht jetzt zwar bald in die Schule, aber Eisessen gehen wir trotzdem weiter zusammen. Wir sind nämlich verheiratet, weil wir uns schon mal geküsst haben“, erklärt Maja bestimmt.

Lennox hat sich für Waldmeister entschieden. Während Maja von ihrem Benedikt schwärmt, rümpft er die mit Eis beschmierte Nase und erklärt, dass er Mädchen nicht so toll findet. Außer Lea, weil die Fußball spielt. „Die würde ich auch einmal zu einem Eis einladen“, sagt er und fügt verschmitzt hinzu: „Wenn sie bezahlt.“

Die kühle Erfrischung hat den beiden ihr Onkel spendiert. In der Zeit, in der es sich die Kinder schmecken lassen, trinkt Frank Landauer Cola. Seit er knapp ein Jahr lang in Roseto in Italien gearbeitet hat, kann er das deutsche Eis nicht mehr so recht genießen. „Die Italiener leben ihr Eis. Wenn man mal gesehen hat, wie die alte Mutter es noch nach traditionellem Familienrezept macht und man es gekostet hat – das ist einfach etwas ganz anderes“, erklärt Landauer.

Auch die Sorten in Italien sind grundverschieden, findet er. Sie würden sich fast schon wie ein Menü im Restaurant lesen. Seine Lieblingssorte in Roseto war ein ganz besondere: „Stracciatella mit Walnüssen aus Abruzzen am Rande der Toskana. So etwas habe ich nie zuvor geschmeckt“, kommt er ins Schwärmen.

Zwei junge Frauen balancieren ihre vollen Eisbechern am Tisch vorbei. Christina und Amanda haben gerade Pause, genau der richtige Zeitpunkt für ein Eis. Auch sie verbindet etwas mit der kühlsten und schönsten Nebensache des Sommers. Christina wählte einmal als Ort für ein erstes Date eine Eisdiele: „Es war ein sehr schönes Date und ich weiß sogar noch was ich hatte, nämlich Cookie-Eis“, sagt sie, dann gehen die beiden kichernd weiter.

Scheinbar sind Eisdielen aber nicht nur zum Männer treffen besonders gut. Sie eignen sich auch als eine Art „Männer-Parkplatz“, erklärt Edith Meyer. Während sie einkaufen geht, setzt sie ihren Mann einfach an der Eisdiele ab. „Dann muss er mir nicht dabei zuschauen, wie ich sein Konto plündere“, scherzt sie.

Ihrem Mann, Reinhard Meyer, fällt beim Becher auslöffeln auch noch eine Geschichte rund ums Eis ein. Als Kinder wanderten sie oft sieben Kilometer in die nächste Stadt, um dort ins Schwimmbad zu gehen und danach ein Eis zu essen. „Wir haben dort immer den 'Magi-Eisbecher' gegessen. Da waren Sahne und Eis in so einem hohen Becher aufgeschichtet. Statt es nach und nach zu essen, war es für uns das Größte, alles zusammen zu matschen,“ erklärt er und klingt ein bisschen nostalgisch.

Die Kitzinger und ihr Eis. Erinnerungen an Urlaube, die erste große Liebe oder die Kindheit: Anscheinend haben nicht nur die Italiener eine besondere Beziehung zum Eis.