Ein Stück weit hat die Integration von Flüchtlingen im Markt Herrnsheim schon funktioniert. Denn beim großen Kirchweihabend am Samstag saß mit Milad Zabihi Soltani ein Iraner unter den Kirchweihburschen auf der Bühne und ließ sogar ein paar einstudierte Sätze vom Stapel.

„Kirchweih macht großen Spaß“, verriet der 29-Jährige, der exakt vor einem Jahr in den Willanzheimer Ortsteil kam. Der gelernte Metzger hatte damals sofort bei den Kirchweih-Vorbereitungen mit angepackt und sich dadurch Sympathie bei den Kirchweihburschen erworben. Der Asylbewerber kickt inzwischen auch fleißig auf dem Fußballplatz und lernt Trompetespielen.

Bei der großen Kulisse im vollen Marktschänke-Saal erfasste Milad Zabihi Soltani schon etwas Lampenfieber, doch es überwog seine Meinung: Kirchweih macht Spaß. Wie Kirchweihprediger Holger Götzelmann erzählte, seien 16 Asylbewerber ins Dorf gekommen und die im Ehrenamt zusammenhaltenden Einwohner hätten die Flüchtlinge, die nicht die Pünktlichkeit als Stärke hätten, gut aufgenommen.

Dass die temporären Gäste aus fernen Ländern freundlich seien, dafür lieferte Milad Zabihi Soltani den besten Beweis und er durfte den ganzen Saal hinter sich fühlen, als er gut verständlich ausrief: „Wer hat Kerm? Mir ham Kerm“.

Mehrere Ebenen tiefer vollzog sich der Auftritt der Herrnsheimer Moustkönigin Julia Moser und der Hüttenheimer Weinprinzessin Valentina Haßold. Die Moustkönigin stammt aus Wässerndorf und war vergangenes Jahr im Streuobst- und Apfelmost-Dorf präsentiert worden. Sie gab sich in Kirchweihlaune und rief in den Saal: „Guter Moust und junge Weiber sind die besten Zeitvertreiber“. Valentina Haßold empfand es als Ehre, als erste Hüttenheimer Weinprinzessin zur Herrnsheimer Kerm eingeladen worden zu sein. Sie gab in Kirchweihlaune den Trinkspruch zum Besten: „Junger Wein und alte Männer, sind der Renner“.

Holger Götzelmann und sein Partner Florian Ludwig Hiller hatten allerlei aus dem Dorfgeschehen zu erzählen und ihre ausführliche Vorstellung der Rosalinde riss das Publikum zu Beifallsstürmen hin.

Sie gaben als Losung für den Gaudi-Abend aus: „Lieber einen Bauch vom Saufen, als einen Buckel vom Arbeiten“. Sie machten sich über einen Austräger lustig, der, statt zu Fuß zu gehen, lieber bequem mit dem Wagen fahre, was als nicht umweltschonend einzustufen sei. Holger Götzelmann schilderte den sich lange hinziehenden Pool-Bau des „Baggermeisters“, weshalb dieser flugs die Baggerschaufel zum Mini-Pool umfunktioniert habe.

Die Prediger Götzelmann und Hiller kalauerten auch über einen Ehestreit am Roten Meer und einen Junggesellen, der über eine Landwirtschaftszeitung eine Frau gesucht habe. Hiller brachte über eine nun Arbeit verteilende Schwiegermutter die Moral der Geschicht' auf den Punkt: „Man heiert zum Glück die Tochter und nicht die Schwiegermutter.

Die Kirchweih in Markt Herrnsheim geht am Montag um 17 Uhr mit dem Knöchle-Essen weiter, zum Kirchweihausklang spielt ab 19 Uhr der Alleinunterhalter Karl Kopp.