Selina hält den schwarzen Rennsporthelm fest in ihren Händen. Das Mädchen aus Rimbach steht neben der Boxengasse und ist ein bisschen aufgeregt. Es sind nur noch wenige Minuten, bis für die Zehnjährige zum ersten Mal die Ampeln einer Go-Kart-Bahn auf grün schalten. Eigentlich setzt die junge Tierfreundin in ihrer Freizeit lieber auf eine Pferdestärke - und zwar in zwei Metern Höhe. Aber diesmal wollte sie etwas Neues ausprobieren: Nur ein paar Zentimeter über der Grasnarbe, dafür aber mit 6,5 Pferdestärken unter dem Allerwertesten, erlebt die kleine "Rennfahrerin" im Steigerwald Motodrom zwei Stunden Kart-Spaß pur. Zusammen mit 20 Volkacher Ferienpasskindern und drei Betreuern ist die Zehnjährige nach Gerolzhofen geradelt, um auf der Kartstrecke die Motoren dröhnen zu lassen.

Seit Beginn der Ferienpassaktionen vor über zehn Jahren nimmt das Volkacher Jugendhaus die Mädchen und Buben mit auf eine abenteuerliche Reise in die Welt des Motorsports. "Die Kinder haben dabei so viel Spaß und das soziale Verhalten wird gefördert", erklärt Jugendhausleiter Robert Ihrig. "So haben die Kinder, die in den Sommerferien zuhause geblieben sind, ein bisschen Action." Ihrig schielt dabei auch in eine andere Richtung. Ihm ist es wichtig, dass die jungen Leute erste Kontakte mit der Einrichtung Jugendhaus knüpfen.

Mit den Fahrrädern ist die Gruppe auf dem schönen Main-Steigerwald-Radweg von der Mainschleife in das benachbarte Städtchen am Rande des Steigerwalds geradelt. Auf der Go-Kart-Bahn werden sie vom Bahnwart der Motorsportvereinigung Gerolzhofen, Michael Frei, und deren Jugendleiterin Denise Endres empfangen. Disziplin ist schon bei der Einweisung gefragt, schließlich soll der Fahrspaß auf der 700 Meter langen Strecke nicht durch Rennunfälle getrübt werden. "Die Karts haben 200 Kubik und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern", erläutert Frei.

Dann beginnt für die ersten Schnupper-Rennfahrer die Pistenrallye. Die Pedale der Karts werden je nach Körpergröße eingestellt, die Slicks überprüft. Schon in der ersten Runde muss Michael Frei einen jungen Rennfahrer stoppen und zurechtweisen. Dieser hatte beim Fahren das Handy in seiner Hosentasche gesucht und die Hände vom Lenkrad genommen. "Handy her oder aussteigen", sagt der Streckenwart unmissverständlich. Der Bub sieht seinen Fehler ein und darf weiterfahren - ohne Smartphone versteht sich.

Während die ersten Kinder ihre Runden drehen, vergnügen sich die anderen im Fahrerlager. Selina wartet mit Hagen auf den ersten Boxenstopp samt Fahrerwechsel. Der Zwölfjährige aus Volkach hat sich schon seit Wochen auf den Event gefreut. Er war schon mehrfach in den vergangenen Jahren dabei und weiß den Gaudifaktor zu schätzen. "Es ist einfach cool, Gas zu geben und so schnell über die Bahn zu düsen." Er gibt zu, dass man in den Kurven etwas Mut benötigt, um möglichst wenig vom Gas zu gehen. Ob er als Erster über die Ziellinie fährt, ist Hagen egal. "Mir geht es nur um den Spaß." Hagen ist eingefleischter Fan von Sebastian Vettel und Michael Schumacher. Auch Selina kennt das Formel-1-Geschehen aus dem Fernseher. "Das schau ich immer zusammen mit meinem Opa an."

Jetzt ist Selina an der Reihe und nimmt in dem niedrigen Flitzer Platz. Auf der Strecke agiert sie erst einmal zögerlich. Doch dann steht sie ihren männlichen Konkurrenten in nichts nach. "Am Anfang ist das alles ein bisschen komisch. Das Lenkrad lässt sich schwer drehen", sagt sie nach dem Racing. Nach ein paar Runden habe sie den Dreh herausgefunden. "Wenn man ordentlich auf die Pedale drückt, wird das ganz schön schnell." Vorsicht müsse man in den Kurven walten lassen. Dort müsse man das Lenkrad richtig festhalten.

"Wenn man aus der Kurve heraus beschleunigt, merkt man, wie das Gas langsam kommt", erklärt Justus, neun Jahre, die Feinheiten seiner ersten Testfahrt. Der Junge aus Obervolkach lobt die gute Stimmung in der Kinderrunde, der lediglich zwei Mädchen angehören. Während die Buben gleich mächtig aufs Tempo drücken, beginnen die beiden Mädchen ihr persönliches Racing eher zurückhaltend. "Das ist doch eher was für die Jungs", kommt Selina zu einem eindeutigen Ergebnis - wohl auch deshalb, weil sie der schwere Helm auf dem Kopf stört: "Also das Kartfahren macht schon Spaß, aber morgen reite ich lieber wieder auf meinem Pferd."