Der Fotograf und Journalist Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen hat schon viele persönliche Bücher geschrieben oder herausgebracht – sein neuestes Projekt scheint aber noch eine Spur tiefer zu gehen.

Denn das Jagdtagebuch von Siegfried Fürst zu Castell-Rüdenhausen, das im Weinkeller zum Schloss vom Dettelbacher Verleger Josef Röll und dem Grafen unter den Klängen der Kitzinger Jagdhornbläser vorgestellt wurde, beinhaltet die privaten Tagebucheinträge des weit über Frankens Grenzen hinweg bekannten und anerkannten Jägers – seines Vaters.

Über Muffel und Sinnhaftigkeiten

Warum die Aufzeichnungen eines passionierten Jägers aus den 1960er bis 1980er Jahren heute für den Leser interessant sein können? „Weil sie in eine Zeit entführen, in der noch vieles ruhiger und authentischer war“, erklärte Josef Röll, der durch das Studium der Einträge selbst viel über die Jagd und die Wildtiere gelernt hat.

Oft haben er sich rückversichern müssen, was beispielsweise ein „Muffel“ eigentlich ist, weil meist nur Eingefleischte diese Unterart der Antilopen kennen. Doch neben Wald- und Wildkunde habe er vor allem Einblicke in ein Leben gewonnen, „das von Sinnhaftigkeit geprägt war“.

So zeugen die Erinnerungen des 2007 im Alter von 91 Jahren verstorbenen Fürsten von einer tiefen Liebe zur Natur, zur Familie und zu den Tieren, bei der nicht immer der Abschuss im Vordergrund stand, sondern die Wildpflege.

Bei der Geburt des Kindes gerade auf Jagd

„Die Jagd war die Erfüllung seines Lebens“, beschrieb Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen seinen Vater, der als Landwirtschafts- und Forstunternehmer sowie als Teilhaber der Fürstlich Castell'schen Bank seine Ruhe und Einkehr im Wald oder auf dem Ansitz suchte. Da sei es auch kein Wunder gewesen, dass er bei der Geburt eines seiner acht Kinder gerade auf Jagd war und seinen Nachwuchs erst am Tag danach in die Arme schließen konnte.

Jedoch habe der ausgeprägte Familienmensch seine Frau und Kinder immer in sein Hobby mit einbezogen. Davon zeugten schöne Kindheitserinnerungen von vielen Jagdausflügen, nicht nur am heimischen Friedrichsberg, sondern beispielsweise auch ins Salzburger Land.

Jagen, das war zudem nicht nur das private Vergnügen des Fürsten. Er war maßgeblich beteiligt an der Zusammenlegung von drei bayerischen Jagdvereinigungen in den Bayerischen Jagdverband (BJV). Als Vizepräsident des Internationalen Rates zur Erhaltung des Wildes und der Jagd setzte er sich für die internationale Jägerschaft ein. Folglich wird das rund 300 Seiten dicke Buch auch von einem Grußwort des Präsidenten des BJV, Jürgen Vocke, abgerundet.

Spannende Auswahl an Erinnerungen

Es sind nicht gesammelte Jagd- und Naturerlebnisse aufgelistet. „Man muss nicht jede Sicht einer Schnepfe dokumentieren“, brachte Verleger Röll ein humorvolles Beispiel. Umso kurzweiliger und teils auch spannend liest sich daher die Auswahl der Erinnerungen, aus denen man gut drei Bücher hätte stricken können.

Der Autor selbst habe sich lange dagegen gesträubt, dass seine persönlichen Notizen einmal veröffentlicht werden. Erst zum Ende seiner Tage hin habe er die Edition seinem Sohn Karl erlaubt, der wiederum einige Jahre Arbeit in die Sammlung gesteckt hat. 2016 wäre Siegfried Fürst zu Castell-Rüdenhausen 100 Jahre alt geworden, was nun der Anlass der Veröffentlichung der Tagebücher seines Vaters sei, so Sohn Karl.

Das Buch ist für 39,90 Euro erhältlich beim Röll-Verlag oder bei www.castell-ruedenhausen.de.