Der Erhalt der einheimischen Wälder liegt Siegfried Feuerbach sehr am Herzen. Seit der 80-jährige Landwirt aus Obervolkach in Rente ist, kümmert er sich als Vorsitzender der örtlichen Waldkörperschaft um die Aufforstung, die Ernte und die Pflege des knapp 21 Hektar großen Körperschaftwalds. „Vor 13 Jahren haben wir begonnen, das Weichholz aus den Wäldern zu entfernen und mit Hartholz aufzuforsten“, sagt Feuerbach.

„Unsere Arbeit hat sich gelohnt und wir wollen so weitermachen.“
Siegfried Feuerbach Vorsitzender Waldkörperschaft

Um die jungen Pflanzen vor Verbiss zu schützen, hat er zusammen mit seinen Helfern eine Waldfläche von vier Hektar mit Zäunen eingefriedet. Ein hartes Stück Arbeit, denn insgesamt ein Kilometer Zaun wurden installiert. 13 Jahre später zeigt sich der Erfolg: Hartnäckige Haselnusssträucher, Birken und Pappelbäume sind schönen Eichen, Buchen, Eschen und Bergahorn gewichen. „Unsere Arbeit hat sich gelohnt und wir wollen so weitermachen“, blickt der Vorsitzende zufrieden zurück und zuversichtlich nach vorne.

Dass die bayerischen Waldbesitzer und die bayerische Staatsregierung an diesem Freitag, 2. August, in Gaibach mit der Unterzeichnung der Fortschreibung des Waldpaktes die Weichen für die künftige Waldbewirtschaftung im Freistaat stellen, begrüßt Feuerbach sehr.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Forstwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) sowie die Präsidenten Walter Heidl (Bayerischer Bauernverband) und Josef Spann (Bayerischer Waldbesitzerverband) werden die gemeinsame Erklärung zur Stärkung der Forstwirtschaft und des ländlichen Raums unterzeichnen. Mit der Fortführung des Vertrags sollen die Wälder als faszinierende Ökosysteme und als Tankstelle für Mensch und Leben erhalten werden. Gleichzeitig soll dem Umstand, dass der Wald mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, Rechnung getragen werden.

Siegfried Feuerbach und sein Stellvertreter Josef Barthelme wollen dabei sein, wenn nach Unterzeichnung der Erklärung im Schloss Gaibach der Große Bayerische Waldtag an der Gaibacher Konstitutionssäule gefeiert wird. Das Treffen der Waldbesitzer, die das „grüne Drittel Bayerns“ auch in Zukunft lebenswert machen wollen, steht unter dem Motto „Forstwirtschaft schafft Leben“.

Dass hinter einem intakten Ökosystem viel Arbeit steckt, weiß Siegfried Feuerbach nur zu gut. „Als ich den Vorsitz übernommen habe, war in unseren Wäldern alles verwildert.“ Zug um Zug wurden die Flächen ausgeholzt und neu bestückt. Weil Rehe die jungen Eichen, Kirschen und Eschen radikal vernichteten, wurden die Zäune errichtet. Auch wenn in der Körperschaft alle an einem Strang ziehen, fehlen Feuerbach oft die notwendigen Helfer, um alle anfallenden Arbeiten in den Waldgebieten Stöckach und Eschbach zu bewältigen. „Viele Mitglieder haben ja einen Vollzeit-Job und oft keine Zeit.“ Landwirt Josef Barthelme ist meist zur Stelle, wenn ihn Feuerbach im Wald braucht. Barthelme ist Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbands und ein absoluter Naturfreund. Als einer von 21 Mitgliedern der Obervolkacher Waldkörperschaft hat er großes Interesse daran, dass „unsere 52 Laubgärten nicht verkommen. Denn von alleine passiert nichts“. Die Zäune seien die einzige Möglichkeit, die jungen Pflanzen vor dem Wildverbiss zu schützen.

Bei den Besitzanteilen im Körperschaftswald gibt es nur selten Veränderungen, denn sie werden in der Regel weitervererbt. „Nur wenn ein Nachkomme kein Interesse zeigt, kann er seinen Anteil weiterverkaufen“, erklärt Feuerbach. Für den achtfachen Großvater steht jetzt die nächste Herausforderung an. „Wir haben begonnen, die Zäune wieder zu entfernen“, erklärt er.

Die Bäume sind mittlerweile so groß, dass sie nicht mehr auf der Speisekarte des Rehwilds stehen. 1000 Meter Maschendrahtzaun müssen abmontiert werden. Und weil Feuerbach eher Unruheständler als Rentner ist, baut er mit seinen Helfern den Zaun an anderer Stelle des Körperschaftswalds wieder auf. Was vor 13 Jahren im Wald begann, nimmt einen Neuanfang an anderer Stelle.