Wenn man sich in Kitzingen mit etwas auskennt, dann ist es das Rotsehen. Der berühmte B-8-Stau besteht im Grunde aus roter Farbe. Beim Bahnhof sehen ebenfalls viele rot. Weshalb eine gewisse Gelassenheit zu spüren war, als diese Woche die Corona-Ampel auf Rot sprang. Wenn den Kreisstädter überhaupt etwas umhaut, dann vielleicht das Maskenpflicht-Straßenwirrwarr . Oder wenn plötzlich eine völlig neue Farb-Kombinationen auftaucht. Rot mit zwei schwarzen Streifen zum Beispiel – das wäre dann übrigens eine Tomate mit Hosenträgern.

Eine ganz andere Farbe könnte demnächst in Dettelbach dominieren: leuchtendes Orange. Das hängt mit einem bayernweiten Vorzeigeprojekt zusammen: Auf dem See am Stadtrand befindet sich neuerdings ein schwimmendes Solarkraftwerk .  4000 Module liegen wie ein Teppich auf dem Wasser und versorgen ein Kieswerk mit Energie.

Eine schöne Idee, die noch ausbaufähig ist. Denn woran erinnert der 6000-Quadratmeter-Teppich auf dem Baggersee? Genau: An den Künstler Christo und das Jahr 2016, als er uns lehrte, über Wasser zu gehen. In Norditalien legte er 220 000 Plastikwürfel auf den Iseo-See und man konnte zwischen zwei Inseln hin und her laufen. Das Ganze auf orangefarbenem Leucht-Stoff und unter dem Namen Floating Piers . Falls Dettelbach die Anregung aufnimmt, melden wir uns hiermit schon mal fürs Überswassergehen an.

Ausflug in die Infektionsepidemiologie

Wer gerade über Floating Piers gestolpert ist, hat bestimmt auch mit Superspreader seine liebe Not. Diese Woche fragte ein Leser, was denn dieser Superspreader sein soll, das Wort befinde sich nicht einmal im Duden. Eingedeutscht könnte man Superverbreiter sagen. Gemeint ist jemand, der viele Menschen mit Krankheitserregern ansteckt. Wir befinden uns also in der Infektionsepidemiologie, die wir hiermit flugs wieder verlassen.

Dafür tauchen wir noch eben in die Bahn-Welt ein. Was ebenfalls kompliziert ist, wie jeder weiß, der jemals  vor einem Fahrkartenautomat stand. Am Kitzinger Bahnhof fanden sich dieser Tage einige Senioren zusammen, um zu lernen, wie so ein Kasten funktioniert. Kurz zusammengefasst mündete das Ergebnis darin, dass Automaten doof sind – und deshalb im Zweifel lieber Trick 17 angewandt wird: Einfach in den Zug steigen und behaupten, der Automat war kaputt. Der Kitzinger Senior kann ein Fuchs sein. Nur: Klappt leider nicht, weil die Zugbegleiter über ihr Smartphone erfahren, wenn ein Automat nicht gehen. Aber, ganz ehrlich: Vielleicht sollte man im Moment sowieso lieber weniger Zug fahren – und dafür in Dettelbach mehr übers Wasser gehen.