Die Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid (LZR) möchte bei Düllstadt Sand abbauen, die Anlieger sind dagegen. Zwischen 90 und 100 Bürger kamen zur ersten Informationsveranstaltung an die abbauwürdige Stelle hinter der Siedlung am Birkenweg, zu der LZR geladen hatte. Die Bürger hörten sich das Vorhaben von LZR-Vertretern an, machten aber durch ihren Sprecher deutlich, dass sie einen Abbau vor ihrer Haustür nicht möchten – aus verschiedenen Gründen.

Auch Bürgermeister Volker Schmitt war da

LZR ist auf der Suche nach Rohstoffen. Den Bedarf möchte das Unternehmen regional decken. Nach dessen Angaben gehen im Kreis Kitzingen die genehmigten Vorräte aller Kiesgruben in den nächsten Jahren zu Ende. Bei Düllstadt gehören dem Unternehmen bereits die Grundstücke. Neben der Siedlung am Birkenweg hat die Erkundung ergeben, dass sich dort eine Sandlinse befindet, die nach Süden ausläuft. Nicht sehr mächtig, im Durchschnitt nur 1, 5 Meter, an manchen Stellen auch bis zwei Meter oder etwas darüber. Die Lagerstätte besteht aus Grubensand, 50 000 Kubikmeter werden erwartet. Dieser findet auf den Baustellen als Füllmaterial Verwendung.

Bevor irgendwelche Anträge gestellt werden, wollte LZR das Vorhaben den Anliegern vorstellen, um diese frühzeitig mit einzubinden, wie Betriebsleiter David Saage gegenüber dieser Redaktion betonte. Die erschienen in großer Zahl. Fast ein Drittel der 290 Einwohner Düllstadts waren anwesend. Mit dabei auch Schwarzachs Bürgermeister Volker Schmitt und Mitglieder des Gemeinderats.

LZR hatte Pavillons aufgebaut, um die Bürger an vier Stationen darüber zu informieren, was das Unternehmen vorhat, warum gerade hier, was sich durch den Abbau entwickeln kann und wie es danach wieder ausschaut. Beim vierten Pavillon durfte jeder seine Bedenken, Anregungen oder Ideen auch schriftlich äußern.

Es wird kein radioaktives Material verbuddelt

Zu Beginn taten dies einige Anlieger in der großen Runde mündlich. Da ging es um die Abbauweise, die Tiefe der Grube und um die spätere Verfüllung, denn bei einer Verfüllung in der Nähe sei Material verwendet worden, das stinke, meinte ein Anlieger.

Letzteres könne nicht passieren, sagte David Saage und versicherte, dass die Fläche mit unbedenklichem, beprobtem Material aufgefüllt werde, das aus dem Tonabbau aus der Nähe stamme. "Wenn Ihnen jemand erzählt, wir würden hier radioaktives Material verbuddeln – das ist Quatsch", betonte der Betriebsleiter.

In drei Phasen soll der Grubensand gewonnen werden. Bevor die nächste angegangen wird, werde die erste bereits wieder verfüllt. Entweder gebe es ein temporäres Biotop oder die Fläche werde wieder landwirtschaftlich genutzt, erläuterte Geschäftsführer Willi Lenz. Wie solche Biotope aussehen können und was LZR schon alles für den Natur- und Umweltschutz gemacht hat und mache, erfuhren die Interessenten bei Hermann Reifenscheid oder Elisabeth Ziegler.

Es wird kein Baggersee entstehen

"Nein, es wird auch kein Badesee hier entstehen", verdeutlichte Saage, der versicherte, dass wasserführende Schichten beim Ausbaggern nicht erreicht werden. Das einzige Wasser werde Regenwasser sein, das sich hier ansammeln könne. Voraussichtlich werde es eine Grundwasserüberwachung geben. Denn einige Anlieger befürchten Schäden wie Risse an ihren Häusern durch Austrocknung des Geländes.

Den Medien gegenüber stellten seitens der Anlieger ihr Sprecher Joachim Wald sowie Stephan Weber und Herbert Gier deren große Bedenken vor, wohl wissend, dass benötigter Sand ja irgendwo herkommen müsse. Da waren zum einen Lärm und Staub, zum anderen die Sorge um die künftige Wasserdurchlässigkeit nach der Auffüllung. Aber auch die Befürchtung, dass nach dem Sand möglicherweise auch noch Ton abgebaut werde. Auch eine Wertminderung der Grundstücke wurde angeführt, wenngleich der Abbau laut LZR maximal fünf Jahre inklusive Wiederherstellung des alten Zustands dauern solle. Saage rechnet eher mit drei bis vier Jahren.

Auch stellten Anlieger die Frage, warum gerade an diesem Standort abgebaut werden müsse. Mit den Sand- und Kiesvorkommen im Landkreis deckt nach LZR-Angaben den Bedarf im Lieferradius von 30 Kilometern. Nächstliegende große genehmigte Vorkommen lägen in Ostdeutschland.

LZR rechnet mit 20 Lastwagenfahrten am Tag

Warum wird in Düllstadt eine Sandgewinnung beantragt, obwohl Hörblach noch nicht abgeschlossen ist? "Keine Lagerstätte ist wie die andere", lautete die LZR-Antwort. Während die eine Kiesgrube einen hohen Sandanteil aufweise, gebe es bei einer anderen mehr Kies.

Um den Lärm für die Anwohner zu minimieren, soll für die Dauer des Abbaus ein begrünter Lärmschutzwall errichtet werden. Am Tag sind laut LZR mit etwa 20 Lastwagen-Fahrten zu rechnen. Diese führen nach Süden über die Feldwege ab und nicht an der Siedlung vorbei, versicherte Saage.

Die Verantwortlichen wollen nun versuchen, den Bedenken der Anlieger mit weiteren Argumenten entgegenzutreten. Ein Genehmigungsverfahren dieser Art dauert etwa ein Jahr. Geplanter Beginn für das Vorhaben ist Ende 2021.