Thomas Riehle, Rektor der Dettelbacher Grund- und Mittelschule, hatte eine undankbare Aufgabe. Im Stadtrat galt es eine Nachricht zu verkünden, die keiner der Anwesenden gerne hörte: Die Mittelschule ist ein Fall für die Geschichtsbücher. Nach "Jahren des Zitterns" stehe nunmehr fest, dass es keine Zukunft mehr gebe. Wobei das Verschwinden dieses Schultyps kein Dettelbacher Problem ist und sein Vortrag deshalb auch generell mit "Das langsame Sterben der Mittelschule“ hätte überschrieben werden können.

Der vermeintlich letzte Rettungsanker, ein Verbund mit der Mittelschule Volkach, brachte ebenfalls nicht das erhoffte Ergebnis, betonte Riehle. Zwei starke Faktoren waren es, die der Mittelschule in Dettelbach den Garaus machten: Zum einen insgesamt zu wenig Kinder. Zum anderen streben viele eine höhere Schule an. Teilweise, so berichtet der Fachmann, würden schon Zweitklässler Nachhilfe bekommen, damit sie ja nach dem vierten Schuljahr in die Realschule oder auf das Gymnasium wechseln können.

"Inaktiv gesetzt"

Riehle skizzierte den Stadträten kurz die Entwicklung: Da war die Umbenennung von der Haupt- zur Mittelschule. Da war das Wegbrechen einer Klasse, im Jahrgang darauf waren gleich zwei Klassen weg. Am Ende gab es noch acht Dettelbacher Kinder für die fünfte Jahrgangsstufe. Die Folge: die Mittelschule wurde stillgelegt. "Inaktiv gesetzt", nennt Riehle das und verweist auf eine kleine Hintertür: Theoretisch könnte das Ganze wieder aktiviert werden. Nur: Die jetzt schon absehbaren Zahlen der kommenden Jahre sprechen klar dagegen.

Ein Beispiel: Von den aktuell 65 Viertklässler ist absehbar, dass sich "zwölf Mittelschüler plus x" für die Mittelschule entscheiden – damit lässt sich keine Klasse füllen. Und: In den folgenden Jahren sieht es auch nicht viel anders aus. Bei aktuell 42 Kinden in der dritter Jahrgangsstufe erscheint eine fünfte Mittelschul-Klasse illusorisch. Nach "Jahren des Zitterns" stehe somit fest: Die Mittelschule in Dettelbach ist Geschichte.

"Meine Rolle ist sehr undankbar", beschrieb Riehle, der sich selber als "leidenschaftlichen Mittelschullehrer" sieht, seine Gefühlslage. Jetzt ist seine Aufgabe eher die eines Abwicklers. Was dann auch schnell zu einem Kreislauf wird. Ohne Schulklassen gibt es beispielsweise für die Sanierung der bestehenden Räume keine Förderung. Dabei müsste einiges getan werden, die Fachräume etwa sind nach 40 Jahren ein Sanierungsfall. 

Corona-Alltag "brutal anstrengend"

Was also ist zu tun? Wie verfahren? Auf die Stadträte kommt über kurz oder lang die Aufgabe zu, hier eine prinzipielle Entscheidung zu treffen. Immerhin einen Vorteil hat die aktuelle Lage: Der Grundschule steht durch die fehlenden Mittelschüler viel Platz mit mehreren Pausenhöfen und insgesamt drei Gebäuden zur Verfügung. Der momentane Corona-Schulalltag, so der Rektor, sei aber auch so schon „brutal anstrengend“. Ganztagesschüler würden kurz nach 7 Uhr die Maske aufsetzen, um in den Bus zu steigen. Abgenommen wird die Maske dann im Grunde erst wieder gegen 16 Uhr beim heimkommen. "Das merkt man den Kindern an!", sagt der Rektor.

Immerhin eine gute Nachricht gab es dann aber doch noch: In die Grundschule gehen aktuell 221 Schüler, die sich auf zehn Klassen verteilen. Das heißt: Der Bestand  sei "in keinster Wiese unsicher“, es gehe eher generell in Richtung dreizügig pro Jahrgang.