"Mit ihren jetzt 62 Jahren könnte unsere ChrisTina als Schwerbehinderte bald in Rente gehen", scherzt Mainstockheims Fährbürgermeister Karl-Dieter Fuchs. Den Titel Fährbürgermeister trägt er, weil alle administrativen Tätigkeiten rund um die Fähre seit Jahrzehnten das Mainstockheimer Ortsoberhaupt erledigt. Die ChrisTina ist aber noch lange keine Kandidatin für einen Renteneintritt, sie bekommt nur auf Grund der alle fünf Jahre vorgeschriebenen Revision derzeit eine vier Wochen währende Ruhepause.

Vor zehn Tagen hatte ein großer Kran die ChrisTina mit ihrem Eigengewicht von 28 Tonnen aus dem Main gehievt, seitdem müssen die Menschen von Albertshöfer und Mainstockheimer Seite auf die als Staatsstraße gewidmete Fährebindung verzichten. Zuerst kamen Fachleute der Mannheimer Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, um die Fähre zu inspizieren. "Die Mängelliste ist zwar lang, aber es sind alles Kleinigkeiten, die problemlos zu erledigen sind", konstatiert Karl-Dieter Fuchs. So müssen unter anderem Hydraulikschläuche und die Fährrampenenden erneuert, eine Fährverordnung ausgehängt, oder Absturzsicherungen ordnungsgemäß montiert werden.

Betrieb vom Freistaat gefördert

Am Donnerstag wurde es dann richtig ernst als der Sachverständige der Schifffahrts-Untersuchungskommissionen, Klaus Steigerwald, zur Begutachtung der ChrisTina in Mainstockheim weilte. "Wir müssen auf jeden Fall neue Lärchen-Holzboden als Oberbelag befestigen", informiert Karl-Dieter Fuchs, der sich jetzt aber erleichtert gibt. Denn die Außenwand der Fähre muss eine Materialstärke von mindestens drei Millimeter haben. Die ChrisTina weist an nur eine Stelle 4,6 Millimeter auf, die anderen gemessenen Stellen bewegten sich zwischen 5,5 und sechs Millimeter. Das bedeutet, dass die Fähre in einem relativ guten Zustand ist. Freilich müssen die Rampenschleifer mit hartem Stahl erneuert werden, das ist aber normal, weil die Fähre an diesen Schleifer an Land anlegt, weshalb der Verschließ normal ist. Im Innenleben der Fähre sind Aussteifungs-Winkelweisen korrodiert, die ersetzt werden.

Die Fährleute Wolfgang Riedel und Winnie Streit sind derzeit dabei, die auf fetten Hölzern trocken gelegte Fähre zu streichen. "Ich wollte vor 25 Jahren lieber eine Brücke errichten lassen", sagt Karl-Dieter Fuchs, doch die Behörden stimmten damals nicht zu. Deswegen verrichtet die 1959 in Dienst gestellte ChrisTina seit über sechs Jahrzehnten ihren Dienst. Weil der Fährebetrieb ein Draufleggeschäft ist, bekommen die Kommunen vom Freistaat jährlich 60 Prozent des Defizits erstattet, was in Ausnahmejahren schon mal 60 000 Euro sein konnten. "Heuer schlagen die Revisionskosten von geschätzten 20 000 Euro voll durch und außerdem fehlen uns ja vier Wochen die Einnahmen", skizziert Karl-Dieter Fuchs die Situation. Daher wird München eine größere Summe überweisen müssen, wenn das laufende Jahr abgerechnet wird.

Rabatt für Ehrenamtler

"Es wird noch drei Wochen dauern, bis alle Arbeiten geschafft sind und die ChrisTina wieder fahrtüchtig in den Main gelassen wird", erklärt Karl-Dieter Fuchs. Inhaber der staatlichen Ehrenamtskarte werden künftig verbilligt die Fähre nutzen können, denn der Mainstockheimer Gemeinderat kam überein, den Inhabern der Ehrenamtskarte als Wertschätzung die Fahrkarten 50 Prozent günstiger zu geben.