Das Ziel hat er klar vor Augen, der Kleinlangheimer Marktgemeinderat. Es zu erreichen, dürfte jedoch kein leichter Weg sein. In der ersten Ratssitzung im neuen Jahr am Dienstagabend ging es um die Zielsetzungen im Gemeindewald in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Forstdirektor Klaus Behr stellte das neue Forsteinrichtungswerk vor und sagte dabei klipp und klar: "Unter den derzeitigen Bedingungen sind die Ziele in Kleinlangheim nicht umzusetzen."
Er sprach damit vor allem den zu hohen Rehbestand an, der eine natürliche Verjüngung von Laubhölzern verschiedenster Sorten nicht zulasse. "Der Wildbestand muss gesenkt und dazu Strategien entwickelt werden", sagte Behr. Er machte zudem deutlich, dass man um den Zaunschutz in den kommenden Jahren nicht herumkomme. Auch Nachpflanzungen in Beständen mit großen Bäumen würden notwendig und müssten durch dichten Zaun geschützt werden.


Zum Forsteinrichtungswerk, das alle 20 Jahre neu erstellt wird, informierte der Leiter des Forstamtes das Ratsgremium, dass es auf der Grundlage von Revierbegehungen durch einen Sachverständigen "und somit neutralen Beobachter" erstellt werde.

Zudem gebe es ein Revierbuch, in dem festgehalten werde, welche Bestände in den nächsten zehn Jahren durchforstet werden und was schon vollzogen wurde. Dabei gehe es auch darum, in Kieferbestände in hohem Maße Mischungen einzubringen. Nach zehn Jahren werde eine Zwischenrevision durchgeführt, um zu sehen, wie sich die Planungen bewährt haben.
Anpassungen im Wald seien nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels nötig. "Die Standorte in unserer warmen und trockenen Gegend werden unter den klimatischen Änderungen zu leiden haben", kündigte Beer an.
Zur derzeitigen Lage sagte er, dass im Kleinlangheimer Wald die Kiefer dominiert - auch wenn deren Anteil von 1991 bis heute von 68 auf 63 Prozent gesenkt wurde. Vorrat an Holz sei genügend vorhanden: "Er beträgt derzeit 5,9 Festmeter (fm) pro Hektar, weshalb ein jährlicher Hiebsatz von 950 fm angebracht ist." Zum "Nachwuchs" äußerte der Forstamtsleiter, dass derzeit nur junge Kiefern und Birken außerhalb des Zauns eine Chance hätten. Sehr nachteilig für das Aufkommen junger Triebe würden sich "massiv vergraste Flächen" auswirken, die fast schon "steppenartigen" Charakter hätten.

Zur Kiefer informierte Behr, dass diese Hauptbaumart nach Meinung von Forschern bei weiterer Klimaerwärmung Schwierigkeiten bekommen könnte, da sie eigentlich ein typischer Baum der borealen Zone sei.

"Genau deshalb sollten wir standortgerechte Mischwälder aufbauen", folgerte Behr. Im Kleinlangheimer Wald nehme zudem der Mistelbefall der Kiefern zu, was auch auf eine Schwächung des Baums deute. Als langfristige Planung steht nun im Forsteinrichtungswerk die Einbringung von Mischbaumarten in die Kiefernbestände und die Verringerung der Verbissbelastung. "Wir haben im Kleinlangheimer Wald über Jahrzehnte von unten her keine Verjüngung", bestätigte Dieter Rammensee von der für Kleinlangheims Wald zuständigen Forstbetriebsgemeinschaft.
Als "Endziel" wurden im Werk sechs Prozent Nadelholzanteil und 94 Prozent Laubholz genannt. Der Waldumbau soll in den kommenden zehn Jahren auf 69 Hektar mit einer Verjüngung auf 42 Hektar durchgeführt werden; rund 55 Hektar stehen zur Unterpflanzung an. Da diese Ziele wohl kaum zu verwirklichen seien, habe man sich auf eine jährlichen Unterbau von einem Hektar und einen Umbau auf vier Hektar abgestimmt, teilte Behr mit. "Wir müssen uns dem Klimawandel stellen und der Umbau ist nur mit finanziellem Aufwand und hohem Arbeitseinsatz zu bewältigen."

Das Endziel eines mehrstufigen schattigen Mischwaldes, der gut gegen Schädlingsbefall sei ("die wollen es warm") und mit dem man gegen den Klimawandel gewappnet sei, sollte nach Möglichkeit auf der Basis der Naturverjüngung erreicht werden.

"Mit dieser lässt sich viel Geld sparen, denn Zaunschutz ist teuer und wird nicht bezuschusst", so Behr.
"Das sind gute Zielsetzungen, denn letztendlich geht es um den Gemeindewald und somit um den Wald unserer Bürger", sagte Bürgermeister Roland Lewandowski. Dass man für Zaunschutz und Waldumbau Geld investieren müsse, sei nicht zu vermeiden, räumte der Bürgermeister ein.