Man kann sich den Dettelbacher Baggersee durchaus als schlafenden Riesen vorstellen, der seit Jahren darauf wartet, geweckt zu werden. Erste Rekultivierungspläne stammen aus den 1960er Jahren, Anfang der 1980er Jahre wurden weitere Pläne geschmiedet, diesmal ging es um Bolzplatz, Umkleiden und Toiletten. Interesse an dem See haben viele angemeldet: Da sind die Badegäste, die es gerne auch mal "ohne alles" mögen. Da gibt es seit dem Jahr 1994 die Angelfreunde. Dann die Naturfreunde, die von Biotopen träumen. Und schließlich ist da ja auch noch die Sand- und Kiesgewinnung am Nordufer, die bis zum heutigen Tag anhält und auch noch einige Jahre weitergehen dürfte.

Ein Arbeitskreis Badesee Dettelbach bemüht sich, die unterschiedlichen Gemengelagen unter einen Hut zu bringen. Die Landschaftsarchitekten von arc.grün sind eingeschaltet und haben Vorschläge gemacht, wie attraktive Uferbereiche aussehen könnten. Es gibt viele Ideen, viele Vorstellungen, viele Konzepte. Was neu ist: Die Zeit scheint reif, dass der Baggersee ein neues Gesicht bekommt – der schlafende Riese steht vor dem Erwachen.

Ein Auslöser dafür ist nicht zuletzt die Kitzinger Firma Alpacamp, die Ende vergangenen Jahres in einem Schreiben an die Stadt vorgefühlt hat, ob sie eine Freizeit- und Campinganlage mit Gastronomie an dem See errichten darf. Möglichst als Pacht für 50 Jahre. Und so landete der Brief nun bei den Stadträten zusammen mit der Frage: Macht so eine Anlage Sinn? Und, übergreifender gefragt: Wie genau soll der Baggersee in der Zukunft denn nun aussehen?

40 Zuschauer auf der Tribüne

Dass das Thema interessiert, zeigte die Gästezahl. Dass der Stadtrat erstmals in seiner Geschichte wegen der Pandemie in der Maintalhalle tagte, zahlte sich nun gleich doppelt aus: Zum einen gab's für das Gremium genug Sicherheitsabstand, zum anderen fanden die rund 40 Interessierten genügend Platz auf der Tribüne der Halle.

Die Pläne der Firma Alpacamp sehen vor, westlich des Sees einen Wohnmobil-Stellplatz mit gehobenem Niveau zu errichten. Dazu kommen ein Zeltplatz, Toilettenanlagen, Spielplatz, ein Blockheizkraftwerk und Gastronomie. Als Besonderheit ist zudem eine Weide für Alpakas mit Ställen und Streichelbereich vorgesehen. Der Uferbereich wäre von den Planungen nicht betroffen, die Anlage schließt sich direkt an die Straße zur Staustufe an.

Alles in allem zeigte sich in der Diskussion über das Projekt: Die Mehrheit im Stadtrat kann sich eine solche Nutzung vorstellen. Klar ist aber auch: Das Projekt müsste generell ausgeschrieben werden, es könnte dann also durchaus noch weitere Interessenten geben. Deshalb war die durchgehende Meinung auch: Die Stadt muss hier unbedingt die Regeln vorgeben.

Roland Hardörfer: "Einmalige Chance"

Raimund Sauer (CSU) etwa betonte, dass man "nicht an den Bürgern vorbeiplanen" dürfe. Roland Hardörfer (Freie Wähler) bezeichnete den Antrag der Fima als "einmalige Chance", sowohl Gastronomie als auch Toiletten an den See zu bekommen. Auch Marcel Hannweber (CSU) zeigte sich "froh, dass ein Investor gekommen ist" und Charly Bielek (Freie Wähler) betonte, dass eine solche Anlage dem Tourismus in Dettelbach nur gut tun könnte. Bürgermeister Matthias Bielek verwies in diesem Zusammenhang auf Statistiken, wonach Campingtouristen vor Ort 40 bis 50 Euro am Tag ausgeben würden.

Nicht ganz so begeistert zeigte sich dagegen die SPD. Manfred Berger sprach von einem "sensiblen Eck". Bei einem Naturbadesee sei eben die Frage, wie touristisch es letztlich wirklich werden solle. Und Eva-Maria Weimann sprach von "Fluch und Segen": Bei zu viel Trubel bleibe von einem Naturbadesee nicht wirklich viel übrig.   

Am Ende setzte sich aber eine klare Mehrheit von 16:3 durch, die die Sache jetzt angehen möchte. Der Bebauungsplan "Kiesabbaugebiet Dettelbach-Ost" wird geändert, so dass prinzipiell eine Freizeitanlage kommen kann und wie eine Verpachtung aussehen könnte. Zudem muss genau geschaut werden, welche Größenordnung in Frage kommt, da nicht alle Flächen der Stadt gehören. In einem zweiten Schritt wird dann über eine Ausschreibung erkundet, wie groß das Interesse ist und wer sich bewirbt, um den schlafenden Riesen wach zu machen.