Obwohl die Stadt Kitzingen teure Investitionen stemmt, tief in die Rücklagen greifen muss und einen Schuldenberg von 13 Millionen Euro aufbaut, blieben die Stellungnahmen der Fraktionen am Donnerstag moderat. Die KIK-Fraktion verzichtete auf eine Haushaltsrede. Aus den übrigen Fraktionen kam vor allem die Mahnung, Projekte zügig zu verwirklichen.

Eine äußerst positive Bilanz des Vorjahres zog CSU-Fraktionschef Andreas Moser. Kitzingen sei auf einem sehr guten Weg, die Entwicklung von der Garnisons- zur Innovationsstadt werde sichtbar. Dies liege auch am Bauamt, das ein „investorenfreundliches Klima“ schaffe.

Kritisch sah Moser allerdings die eher zähe Entwicklung im Bereich des Bahnhofsumfelds, bei der Umgestaltung der Innenstadt und der Sanierung städtischer Wohnungen. Deutlichen „Aufholbedarf“ habe Kitzingen vor allem bei der Umsetzung von beschlossenen Projekten. Dies habe sich 2016 gezeigt. Die Quote der Verwirklichung sei bei gerade mal 20 Prozent angekommen. Dies müsse deutlich besser werden.

Ins gleiche Horn stieß SPD-Fraktionsvorsitzende Astrid Glos. Die mangelnde Umsetzung von Projekten sei vor allem einer fehlenden Priorisierung zu verdanken. Zudem sei der Haushalt so weit „ausgereizt“, dass unerwartete Kostenereignisse sofort zu Verschiebungen von Projekten führten. Glos sah zwar gute Entwicklungen im Wohnungsbau, gleichzeitig aber Defizite im sozialen Bereich. Es fehlten Ansprechpartner, die Menschen in Not unterstützten.

Von einem „soliden“ Haushalt“ sprach UsW-Spitze Manfred Marstaller. Der Etat sei zwar „außerordentlich ambitioniert“, die Großprojekte aber machbar. Sehr erfreulich für Marstaller sind das sehr zügige Vorgehen bei der Genehmigung des Schaeffler-Logistik-Zentrums im Technologiepark conneKT und die Unterstützung „für den neuen Eigentümer von Marshall Heights“ bei der Entwicklung des Stadtteils.

Keinen Anlass zu Kritik sah auch FW-FBW-Fraktionschef Uwe Pfeiffle. Der Haushalt sei nur die Umsetzung von Ratsbeschlüssen. Es müsse aber mehr auf die „Geschwindigkeit“ bei geplanten Vorhaben geachtet werden. Pfeiffle regte an, bei Einrichtungen der Stadt „jährlich unterschiedliche Schwerpunkte“ zu setzen. Hier sprach er unter anderem die Budgets der Musikschule, des Museums und der Volkshochschule an.

Das Fehlen einer Prioritätenliste für Projekte kritisierte Ödp-Vorsitzende Andrea Schmidt. Dies führe dazu, dass das „ehrgeizige“ Investitionsprogramm wohl – wie in den Vorjahren – nicht in allen Punkten umgesetzt werde. Schmidt mahnte vor allem die Sanierung von städtischen Wohnungen und die geplante Barrierefreiheit in der Altstadt an.

Einen „durchkalkulierten“ Etat lobte Bayernpartei-Stadtrat Uwe Hartmann, forderte aber mit Blick auf die Vorjahre mehr „Haushaltsdisziplin“. Die „Nachbesserungen“ bei Kosten von Projekten müssten vermieden werden. Zudem sei Sparen angesagt. Beispielsweise dürfe es nicht sein, dass die Stadt bei der Obdachlosenhilfe Parallelstrukturen zum Landratsamt aufbaue.

Gewohnt kurz äußerte sich Pro-Kitzingen-Mitglied Franz Böhm über das Ergebnis der „kürzesten Haushaltsberatungen seit 39 Jahren“. Sein Fazit: „Manche Städte wären froh, wenn sie es so gut wie hier hätten.“ Böhms einziger Kritikpunkt galt der Rathauserweiterung in der Kaiserstraße 17. Die Kosten seien „fast nicht verantwortbar.“

Die KIK hatte hatte in einem Schreiben die Bürger aufgefordert, am politischen Geschehen teilzunehmen, „um den überfälligen Wandel in der Stadtpolitik einzuläuten.“