„Die größten Arbeiten im Weinberg sind getan“, sagt Christin Ungemach und lacht. Es ist Urlaubszeit, die Weinkönigin hat ein wenig Zeit zum Entspannen – und bis zur Lese ist es noch ein Weilchen hin. „Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Jetzt trifft man auch verstärkt Winzer auf den Weinfesten.“

Zuletzt wurden im Wengert die Triebe von oben geschnitten, um das Wachstum zu beenden. Und ausgedünnt, sprich die überzähligen Träubel rausgeschnitten, sodass einer oder zwei pro Trieb übrig geblieben sind. „Das hängt davon ab, welche Qualität man erzielen will. Da hat jeder Winzer seine Philosophie.“

Die Wartezeit

Gut kalkuliert werden müsse auch die Schluss-Spritzung für den Pflanzenschutz. „Bis zur Lese muss das Mittel vollständig abgebaut sein. Man spricht von Wartezeit, an die sich jeder genau halten muss. Andernfalls wäre der Wein nicht verkehrsfähig.“ Langsam geht es zudem in Richtung Lesevorbereitung: die Tanks müssen mit Lauge und Zitronensäure von Weinstein gereinigt werden, die Keller auf Hochglanz gebracht. Und natürlich werden Traubenpresse, Boxen und sämtliche Maschinen überprüft und gewartet.

Wann die Lese beginnt – ob Anfang September oder wie im Vorjahr verspätet erst Ende des Monats – das wird im Weinberg per Refraktometer und Geschmackstest punktgenau ermittelt. „Sehr sauer heißt warten,“ lacht die 22-Jährige. Gelesen werden die drei Hektar der Ungemachs teilweise per Hand, aber auch mit dem Vollernter. „Auch bei dieser Frage ist die Bandbreite groß. Das Individuelle findet sich später zum Glück ja auch im Glas wieder.“

Highlight der vergangenen vier Wochen war für Christin die BR-Radeltour. „Ich bin gar ned sportlich, mach ja nix“, verrät sie und staunte nicht schlecht über das Tempo, das Innenminister Joachim Herrmann vorlegte. Die knapp 40 Kilometer von Iphofen über Marktbreit, Eibelstadt nach Würzburg haben ihr manches Aha-Erlebnis verschafft. „Ich fahre sonst ja mit dem Auto. Aber der Blick vom Rad aus auf die Landschaft und die Weinberge ist wunderschön“.

In Würzburg überreichte sie Chris de Burgh einen Weinkorb mit erlesenen Franken-Tropfen. „Er wusste sehr gut über unsere Rebsorten Bescheid.“ Für ihr rotes Abendkleid gab es Komplimente vom irischen Gast. „Ich möchte dich nachher damit tanzen sehen, hat er gesagt.“

Erst mit Sportklamotten und Helm auf dem Rad, dann in schicker Abendrobe – Christin mag beides. „Ich bin gern wandelbar“ , erzählt sie, „fühle mich auch in der Arbeitskleidung für den Weinberg wohl.“

Bis zum Morgengrauen

Gespannt ist die Nordheimerin auf eine Buch-Präsentation am 29. August in Berlin. „Königin bis zum Morgengrauen“ heißt der elfte Kriminalroman von Paul Grote, spielt in Franken: Ein Drogen-Cocktail rafft die eben gewählte Weinkönigin dahin, Stunden später betritt eine andere die Bühne. . . Klingt nach Neid, Missgunst, Zickenkrieg – doch beim Vorbereitungskurs zur Wahl der Deutschen Weinkönigin sei das absolute Gegenteil der Fall gewesen. „Es waren schöne Tage mit Freundinnen“, erzählt Christin, die Janina (Pfalz) und Judith (Rheinhessen) besonders ins Herz geschlossen hat. Am Abend gab es eine Weinprobe - jede hat einen besonderen Tropfen aus ihrem Anbaugebiet präsentiert. Klingt ziemlich feuchtfröhlich. „Nein, ausgeartet ist da nichts. Wir wissen ja, wie man trinkt.“

Zum Wiedersehen der 13 kommt es bei der Wahl am 20. September in Neustadt/Weinstraße. „Ich freu mich drauf, lass es locker auf mich zukommen“, erklärt die 22-Jährige. Sechs der 13 kommen ins Finale am 26. August, wo nach einer weiteren Zwischenrunde drei Kandidatinnen übrig bleiben: Die spätere Königin und die beiden deutschen Weinprinzessinnen. Der Bus aus Nordheim ist für beide Termine gechartert – auf die Unterstützung ihrer Heimatgemeinde kann Christin also zählen.

Neulich beim Einkauf in Volkach kam es zu dem seltenen Fall, dass der Verkäufer an der Fleischtheke die Weinkönigin nicht kannte. „Dann kam eine Verkäuferin hinzu, hat sich angeregt mit mir unterhalten – und der Mann schien doch etwas irritiert.“ Manchmal erkennt sich Christin aber kaum selbst wieder: „Ich bin offener geworden, kann viel leichter auf Leute zugehen.“

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