Der Wasentanz am letzten Tag der Albertshöfer Kerm folgt einem festgelegten Ritual, das sich als Brauchtum seit 1882 erhalten hat und am Dienstag in 126. Auflage hunderte Schaulustige an die Lohwiese lockte. Auch wenn das Zeremoniell jedes Jahr das Gleiche ist, schreiben die jungen Tanzpaare Jahr für Jahr neue Geschichten.

Dieses Jahr führte Christian Gimperlein die Formation mit seiner Tanzpartnerin Tina Starkmann an. Mit 31 Jahren war der Sohn des Kressekönigs der Älteste unter den 33 Tanzpaaren und erfüllte seine Anführerrolle souverän. Gleich hinter ihm führte Kirchweihprediger Daniel Bayer an der Hand Annabell Wirsching zum Wasentanz und strahlte wie einst als Bub unter dem Weihnachtsbaum. „Mach mal ein paar schöne Bilder von uns“, dirigierte Daniel Bayer eine Fotografin und gefiel sich in seiner Rolle.

Ganz so taufrisch wirkte derweil Christian Gimperlein nicht mehr. Immerhin waren an ihm fünf Tage Kirchweih nicht spurlos vorüber gegangen. Ganz am Ende der Paare lief der „Schwänzchenträger“ Dominik Will mit seiner Wasenbraut Annika Lapp. Das textile Schwänzchen am Rücken des jungen Tänzers symbolisiert, dass er der jüngste Wasentänzer ist. Dominik erinnerte sich noch gut an seine Premiere vor drei Jahren. Der heute 17-Jährige hatte damals sofort die Chance genutzt, dass die Teilnahme am Wasentanz nach der Konfirmation möglich ist. Jetzt, bei seinem dritten Auftritt, hatte er schon die dritte Braut. „Ich habe mir jedes Jahr eine neue Partnerin gesucht, man muss doch ausprobieren“, erklärte der junge Bursche mit einem verschmitzten Lächeln.

Die Jüngsten auf der Lohwiese sind traditionell die Barthelträger, die heuer mit Konstantin Rüdinger, Elias Plömpel, Nico Sieber und Marcel Uhl gleich als Quartett vertreten waren.

Die Zeremonie sieht vor, dass die Paare eine Polonaise mit Rundtanz vorführen, danach eine Schnecken-Formation drehen, auseinander und hernach wieder ineinander zirkeln und zum Abschluss einen Walzer-Dreher tanzen. Der Wasentanz ist vom Veranstaltungsrang und der langen Tradition die älteste Brauchtums-Form. Die Männer in ihren schwarzen Anzügen und die eben so gut angezogenen Damen gaben ein schönes Bild ab. Dabei trugen die Paare Rosmarinkraut, das ein Symbol der Fruchtbarkeit darstellt. Welche Wirkung der Rosmarin auf Wasenpaare tatsächlich hat, weiß niemand recht zu sagen.

Etwas aussagekräftiger sind da schon die Stoffbändchen, die die Herren der Schöpfung am Revers tragen. Jede Farbe hat eine andere Bedeutung und gemeinhin gilt grün als Farbe der Hoffnung. „Da schau den an, den armen Hund“, meinte ein Wasentänzer feixend hinter vorgehaltener Hand und deutete auf einen anderen Burschen, dessen Bändchen alle grün waren. „Nur grün, heißt, dass der nächstes Jahr heiraten muss“, verriet der feixende Bursche. Für den grün dekorierten Tänzer bedeutet das den Abschied vom Wasentanz, den nur Unverheiratete mitmachen dürfen.

Im Anschluss an den Wasentanz verlagerte sich das Geschehen ein paar Meter weiter zum Göikerschlagen. Nicht dass jetzt jemand denkt, da würde ein Hahn erschlagen, nein. Vielmehr machen die Göikerer (ehemalige Kirchweihburschen) die Teilnehmer mit verbundenen Augen zu „Blindgängern“, die dann – über Zurufe dirigiert – mit einer Holzstange versuchen, einen tönernen Blumentopf zu treffen.