Um „Globale Abkühlung – Strategien gegen die Klimaschutzblockade“ geht es bei einem Vortrag des ehemaligen Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans Josef Fell am Montag, 7. März, um 19 Uhr in der Alten Synagoge in Kitzingen.

Frage: Ein persönlicher Trick, wie sich für jeden von uns ganz leicht Energie sparen lässt?

Hans-Josef Fell: Stecken Sie Ihren Fernseher und Ihre Hifi-Anlage in eine abschaltbare Steckdose und schalten sie diese nur ein, wenn sie den Genuss der Geräte wollen. Wenn das alle in Deutschland machen würden, wären ein bis zwei Kernkraftwerke überflüssig.

Wie oft denken Sie an Ihre Zeit als Abgeordneter noch zurück?

Fell: Sehr viel. Diese Zeit war prägend für mich. Sie brachte mir viel politisches, gesellschaftliches und wissenschaftliches Wissen und Vernetzungen mit Menschen und Organisationen, sowohl regional, national, wie auch global. Darauf baue ich heute mit meinen aktuellen Aktivitäten auf und sie helfen mir dabei.

Das ist für mich nach der Abgeordneten-Zeit schwieriger geworden . . .

Fell: . . . die direkte Beeinflussung politischer Entscheidungen. Ich hatte gelernt, wie man als Abgeordneter einer Regierungsfraktion neue Gesetze und Beschlüsse durchsetzt. In der Opposition konnte ich durch aktive Kommunikation manche meiner Vorstellungen auch indirekt verwirklichen. Dieses Wissen und meine vielen Kontakte mit Bundestagsabgeordneten helfen mir aber, auch von außen noch das Eine oder Andere in die politischen Entscheidungsprozesse einfließen zu lassen.

So sieht mein Leben heute aus . . .

Fell: Ich bin mehr denn je auf Reisen, vor allem international, um die vielen Anfragen, wie man Klimaschutz und Erneuerbare Energien politisch befördert, stillen zu können.

Zuletzt aufregen musste ich mich . . .

Fell: . . . über die Novelle 2014 des Erneuerbaren Energiegesetzes – EEG – von Energieminister Gabriel, die mit vielen schlimmen Details in Deutschland den Ausbau der Erneuerbaren Energien insbesondere bei der Solarenergie und beim Biogas massiv drosselte und so viele Unternehmensinsolvenzen verursachte und Zehntausende Jobs vernichtete.

Und was hat Sie zuletzt gefreut?

Fell: Dass das von mir entworfene EEG in der Welt 100 mal kopiert wurde und so die erneuerbaren Energien weltweit auf einem fast unglaublichen Durchmarsch sind. So werden in China pro Kopf der 1,5 Milliarden Bevölkerung heute mehr Solaranlagen gebaut als in Deutschland.

Aktuell arbeite ich gerade an . . .

Fell: . . . Verbesserungsvorschlägen für die EEG Novelle 2016. Zusammen mit einem jordanischen Abgeordneten arbeite ich an einem Konzept für den Aufbau neuer Lebensräume mit wiederbegrünten Wüsten, Bewässerung aus solarer Meerwasserentsalzung und Strom aus Erneuerbaren Energien. So wollen wir für die über eine Millionen syrischen Flüchtlinge in Jordanien neue Lebensräume schaffen, damit sie dem Terror und Krieg in Syrien entkommen können und nicht weiter nach Europa ziehen müssen.

Ist der Atomausstieg aus Ihrer Sicht noch auf einem guten Weg?

Fell: Nein, er ist sogar höchst gefährdet. Außer bei der Windkraft gibt es in Deutschland kaum mehr einen Zubau an Ökostromanlagen.

Warum geht der Klimaschutz so quälend langsam voran?

Fell: Weil die vor zwei Jahren noch florierende Bürgerenergiebewegung durch die Regierungen in München, Berlin und Brüssel massiv gestoppt wurde und gleichzeitig die großen Energiekonzerne trotz anders lautender neuen Tönen immer noch an Kohle- und Erdgaskraftwerken festhalten; unterstützt von neu beschlossenen Subventionen, wie sie Union und SPD vor kurzem beschlossen.

Ist die Klimaerwärmung aufzuhalten?

Fell: Ja, natürlich. Aber man muss auch klar benennen, was dafür notwendig ist: Die Emissionen der Klimagase, vor allem Kohlendioxid, müssen völlig gestoppt werden. Das geht mit einer Nullemissionswirtschaft, wofür alle notwendigen Technologien längst entwickelt sind: zum Beispiel eine Energieversorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien; eine Mobilität mit elektrischen Antrieben für Autos, Busse, Bahnen, Lkw; eine organische Chemie auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Aber es muss zusätzlich auch der überschüssige Kohlenstoff aus der Erdatmosphäre wieder entfernt werden. Das gelingt mit biologischer Landwirtschaft, mit artgerechter Tierhaltung und mit Aufforstungen statt Urwaldabholzung.

Mein großer Wunsch an die Politik wäre . . .

Fell: . . . endlich zu begreifen, dass die großen Krisen der Welt – Kriege um Erdöl, Flüchtlinge, Erderwärmung, Armut, Hunger – allesamt mit unseren Konsum von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran zusammenhängen. Die Umstellung auf eine Energieversorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien ist also der entscheidende Lösungsansatz für eine Welt, deren Krisen auch Europa immer stärker in den Würgegriff nehmen. Wir müssen endlich an den Ursachen der Weltkrisen arbeiten, statt den Ausbau der erneuerbaren Energien zu drosseln und statt Zäune und Mauern gegen Menschen zu bauen, die nur das Opfer unseres westlichen Konsumverhaltens sind.