Mainbernheim

Todesengel auf der Schützenscheibe: Warum Schossmeister Stefan Klausnitzer Corona verewigen ließ

Stefan Klausnitzer ist seit 2020 Erster Schützenmeister der Schützengesellschaft Mainbernheim und hätte eigentlich kurz nach Amtsantritt gleich sein Schossmeisterfest gefeiert. Dann kam Corona. Zwei Jahre später holt der 47-Jährige alles nach. Die Jahre haben ihren Niederschlag auf seiner Scheibe gefunden.
Stefan Klausnitzer und seine Schützenscheibe. Der Schossmeister der Mainbernheimer Schützengesellschaft hat das Jubiläum "50 Jahre Bürgerschießen" sowie die Corona-Pandemie auf seiner Scheibe verewigt. Foto: Timo Lechner

Stefan Klausnitzer ist seit 2020 Erster Schützenmeister der Schützengesellschaft Mainbernheim und hätte eigentlich kurz nach Amtsantritt gleich sein Schossmeisterfest gefeiert. Dann kam Corona. Zwei Jahre später holt der 47-Jährige alles nach. Die Jahre haben ihren Niederschlag auf seiner Scheibe gefunden.

Das Jahr 2020 begann für Klausnitzer sehr erfolgreich: Eben hatte der seit 2005 in Segnitz wohnende Mainbernheimer das wichtigste Amt der seit 1382 bestehenden Traditionsgesellschaft übernommen. Den Umbau der Schießstände und die Eröffnung der neuen Ausstellung der historischen Scheibensammlung im Februar hatte er federführend geleitet.

Lockdown bedeutete das Aus des Vereinslebens 

Im August stand die Kirchweih an, und mit der Klausnitzers Übernahme des Schossmeister-Amtes, das nach chronologischer Reihenfolge des Eintritts jedes Jahr ein anderes Mitglied innehat. Dazu gehört nach dem Reglement die "ordnungsgemäße Abwicklung des Schießens", für die ihm "Siebener" zur Seite stehen. Brauch ist es zudem, am Schützenmittwoch die Schützengesellschaft zum Schossmeisteressen-Mittagessen einzuladen und eine neue Scheibe zu stiften.

Dann rief Ministerpräsident Markus Söder am 16. März den Katastrophenfall aus, dem wenige Tage später der erste Lockdown und mit ihm das Aus auch des Vereinslebens folgte. Für Stefan Klausnitzer ein Schock. "Corona hatte sich zwar schon angekündigt, dass es so schlimm wird, hatten aber nur die Wenigsten geahnt", erinnert er sich. Da zur Kirchweih 2020 zum 50. Mal ein Bürgerschießen stattfinden sollte, war ein Thema seiner Scheibe, die der Schossmeister regelmäßig stiftet, quasi schon gesetzt.

Auch die Laien können ihr Glück auf die Scheibe versuchen

Klausnitzer hatte bereits alte Zeitungsartikel und Aufzeichnungen des Vereins recherchiert, rund um das beliebte Schießen, bei dem auch Laien ihr Glück auf die Scheibe versuchen können, Statistiken erstellt und Kuriositäten gesammelt, die zu einer kleinen Ausstellung aufbereitet wurden, die auch in diesem Jahr im Schützenhaus gezeigt wird. Corona bremste fortan alles aus. Und veränderte langsam auch das Konzept der Scheibe, für deren Gestaltung Klausnitzer bereits die Nürnberger Künstlerin Kerstin Bergler gefunden hatte.

Blickfang der Scheibe ist jetzt ein düsterer Todesengel, der dem Erdball das Coronavirus bringt. Verewigt wurden aber auch Gertrud Pfister und Günther Hollweck, die 1971 als erste Bürgerkönigin beziehungsweise Bürgerkönig gekürt wurden. Daneben sieht man ein klassisches Ehrungsbild der Bürgerhoheiten, deren Gesichter allerdings keine Züge besitzen, da sie stellvertretend für alle Gewinner der letzten 50 Jahre stehen.

Dafür wurden aber die Namen von Gattin Antje sowie den beiden Töchtern Emma (12) und Merle (9) verewigt, dazu die obligatorischen Lebkuchenherzen, die zur Mainbernheimer Kirchweih dazu gehören.

Jahreszahl 2020 wurde gegen 2022 ausgetauscht

Die Jahreszahl 2020 am oberen Rand wurde zudem absichtlich durchgestrichen und gegen 2022 ausgetauscht. Mit der Scheibe will Stefan Klausnitzer nicht nur das Jubiläum und die Zeitumstände verbinden, sondern auch die Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre. "Die Idee mit dem Engel ist immer präsenter geworden. Und mir wurde klar, wie schön, aber auch wie brüchig unsere Geselligkeit sein kann", meint der als Qualitätsmanager arbeitende Schossmeister.

1996 war er als 21-Jähriger zu den Schützen gekommen – zusammen mit zwei Freunden, mit denen er den Bardienst beim Schützenball übernommen hatte. 1999 wurde Stefan Klausnitzer Jugend-, 2017 schließlich Schützenkönig. Von 2004 bis 2013 fungierte er als zweiter, von 2014 bis zur Übernahme des Schützenmeisteramtes als erster Sportleiter.