Wer ihn kennt, der weiß, dass Rüdenhausens Bürgermeister Gerhard Ackermann ein viel beschäftigter Mann ist. Es zeigte sich auch beim Gesprächstermin zu Beginn seiner wöchentlichen Amtsstunde. Es ist später Nachmittag, als plötzlich die Sirene aufheulte. "Ich muss das Rathaus absperren", entschuldigt er sich, bittet hinaus und eilt zum Feuerwehrhaus. Ein Verkehrsunfall und Ackermann, ein aktiver Feuerwehrmann rückt mit aus. Ackermann ist Bürgermeister im Nebenberuf. Hauptberuflich führt er als Installateur ein eigenes Geschäft. In seiner Freizeit ist er zudem in den Rüdenhäuser Chören und Musikkapellen dabei.

Sein Arbeitstag ist oft lang, 12 bis 14 Stunden seien keine Seltenheit, wie er sagt. Selbst in den ruhigeren Corona-Zeiten habe er da keine Erleichterung verspürt, auch wenn der ein oder andere Termin weg gefallen sei. "Die ganzen Baumaßnahmen im Ort liefen und laufen ja weiter, die Sitzungen des Gemeinderats fanden jeden ersten Montag im Monat statt, wie sonst." Vermisst habe er zuletzt höchstens die ohnehin knapp bemessene Freizeit. "Ich bin froh, wenn ich auch mal daheim sein kann." Der 61-jährige Ackermann, der seit 2008 im Amt ist, freut sich aber auch, dass die Musikproben wieder stattfinden können. 

Ackermanns Ziel: ein attraktiver Innenort

Wer ihn zurzeit im Rathaus sprechen will, der muss den ein oder anderen Graben überwinden, denn gefühlt ist ganz Rüdenhausen zur Zeit Baustelle. Vor allem in den Hauptstraßen wird wegen der Erneuerung der Wasserleitungen kräftig gebuddelt. Rund 2,3 Millionen Euro kostet das seit zwei Jahren laufende Projekt, das im Oktober abgeschlossen sein soll.

Damit ist die Zeit der Baustellen allenfalls kurz unterbrochen, denn im Frühjahr 2021 folgt der nächste große Posten: Im Zuge der Dorferneuerung werden die Hauptstraßen im festgelegten Gebiet erneuert. Das heißt, auch die Gehwege werden neu gemacht, teilweise verbreitert, Pflanzinseln angelegt, und so weiter. "Ich gehe mal davon aus, dass wir eine Bauzeit von zwei Jahren haben werden", schätzt Ackermann. 2024 hofft er, dass Rüdenhausen dann nahezu komplett runderneuert ist. "Dann haben wir auf jeden Fall einen attraktiven Innenort." Die Dorferneuerung wäre damit so gut wie abgeschlossen. Was noch machbar ist über das Förderprogramm, werde man sehen, wenn die Kosten bis dato feststehen.

Genug Baustellen für die nächsten Jahre

Eine Aufgabe für die nähere Zukunft? Ackermann und der Gemeinderat wollen ein neues Baugebiet. Eine Fläche haben sie bereits im Auge. Nachfragen kämen immer wieder. "Unsere Gemarkung ist mit 69 Hektar nicht allzu groß, da sollte man nur das nötige an Bauland ausweisen. Es gibt ja noch Potenzial im Innenort, bestimmt zehn Plätze, die in privater Hand sind", erklärt Ackermann.

Beim Kindergarten hofft das Ortsoberhaupt, dass in nächster Zeit keine Erweiterung nötig wird. Sonst stehe vorerst nichts größeres mehr im Ort an. "Wasserleitung und Dorferneuerung sind für Rüdenhausen ein Mammutprogramm", sagt er. "Dafür geben wir rund fünf Millionen Euro in den nächsten Jahren aus." Mehr gehe auch kaum, denn Baumaßnahmen fordern den Bürgermeister. "Ich mache den Job gerne, aber irgendwann ist man an seiner Belastungsgrenze. Wir haben genug Baustellen in den nächsten Jahren." Ob sie Gerhard Ackermann wohl bis zum Ende seiner Amtszeit 2026 erhalten bleiben?