Diese Erkenntnis hat damals alle umgehauen: Dass Zuckerrüben umso weniger Zucker liefern, je üppiger sie gedüngt werden. Fred Fürstenfeld gehört zu denjenigen, die das herausfanden. Und das Unternehmen Südzucker, das die Untersuchung in Auftrag gegeben hatte, erkannte die Bedeutung bedarfsgerechter Pflanzenernährung. Es gründete 1986 den Bodengesundheitsdienst, dessen Geschäftsführer Fred Fürstenfeld heute ist. Inzwischen ist das Unternehmen als Dienstleister für die die gesamte Landwirtschaft geworden.

Der Bodengesundheitsdienst, eine 100-prozentige Tochter von Südzucker, residiert im Untergeschoss des Verwaltungsgebäudes der Ochsenfurter Zuckerfabrik. Überaus passend für ein Unternehmen, dessen Geschäftsfeld die Analyse von Erdproben ist. Die Wände der Büros hat Fred Fürstenfeld mit präparierten Querschnitten verschiedener Böden dekoriert – sein Beruf ist gleichzeitig seine Leidenschaft.

„In den 1980er Jahren war die Qualität der Zuckerrüben schlecht“, geht Fürstenfeld ins Detail. Die Südzucker AG wollte wissen, warum dem so war, denn am Dünger sparte man nicht. Die beauftragten Analytiker machten Versuche und kamen dahinter, dass die Düngung dem Zweck, möglichst viel Kristallzucker aus den Rüben zu holen, nicht gerecht wurde. „Der Zucker war schon vorhanden, allerdings befand er sich in der Melasse und konnte nicht als Kristallzucker gewonnen werden“, erklärt Fürstenfeld.

Heute, sagt der studierte Landwirt und Nebenerwerbs-Winzer, werde halb so viel Dünger verwendet wie damals und ein doppelt so hoher Ertrag erzielt. Weil die Rübe nur die Nährstoffe bekommt, die sie braucht. Inzwischen berät der Bodengesundheitsdienst nicht nur Zuckerrübenbauern. Winzer sowie die Produzenten aller möglichen Feldfrüchte, aber auch Kleingärtner holen sich hier Rat.

Das moderne Labor des Bodengesundheitsdienstes liegt in Rain am Lech. Dort untersuchen 22 Mitarbeiter mehr als 50 000 Bodenproben im Jahr und liefern rund eine Million Einzelanalysen. Die Kunden sitzen nicht nur in Deutschland, sondern kommen auch aus Belgien, Frankreich, Polen oder Moldawien. Rund 15 000 feste Kunden hat der Bodengesundheitsdienst. Zwei Drittel davon bauen Zuckerrüben an.

Aus all diesen Ländern werden Bodenproben an das Labor geschickt. Zurück kommt eine Analyse des Bodens sowie, passend zur angebauten Frucht, eine darauf abgestimmte Düngeempfehlung. Für Landwirte sei es von großer Bedeutung, den Bedarf an Dünger ganz genau zu kennen, erklärt Fred Fürstenfeld. Denn wer zu viel düngt, verschwendet Geld. Der unnötigerweise auf dem Acker verteilte Dünger ist nicht nur nutzlos, sondern kann im schlimmsten Fall sogar Pilzbefall oder Pflanzenfäule begünstigen. Das kann zum Beispiel der Weinrebe passieren, wenn sie zu viel Stickstoff vorgesetzt bekommt.

Im Gegensatz zum Landwirt, meint Fürstenfeld schmunzelnd, gebe der Hobbygärtner gern Geld für Dünger aus. Ergebnis: Diese Böden sind oft überdüngt. Aber auch unter den Kleingärtnern gibt es genügend, die nicht einfach mit vollen Händen Volldünger auf ihren Beeten verteilen wollen. Sie können ein beim Bodengesundheitsdienst bestelltes Plastiksäckchen nach der beiliegenden Anweisung mit Erdproben befüllen und analysieren lassen.

Sie erhalten eine Empfehlung über Art und Menge des für verschiedene Obst- und Gemüsesorten jeweils benötigten Düngers. Beigefügt ist sogar die Zeichnung eines Joghurtbechers, der als Messgefäß dient. „Unsere Empfehlungen sollen einfach und verständlich sein“, sagt Fred Fürstenfeld.

Was er dann erklärt, hat mit einfach nicht mehr viel zu tun. Er beschreibt die Elektroultrafiltration, kurz EUF, ein Verfahren, das nach einem ähnlichen Prinzip wie die frühere Blutwäsche von Dialysepatienten funktioniert.

In einer gewissen Zeit wandern die in der Bodenprobe enthaltenen positiv und negativ geladenen Nährstoffe durch feine Filter. Je mehr, umso höher sind die Nährstoffgehalte und umso weniger Dünger wird empfohlen.„Es ist so eine Art EKG des Bodens“, sagt Fürstenfeld. Wenn viel Betrieb herrscht, arbeitet das Labor in drei Schichten, um 1000 Proben am Tag bearbeiten zu können.

Mittlerweile werden auch Futtermitteluntersuchungen durchgeführt und Weinreben auf Viruserkrankungen oder Kartoffeln auf Bakterienbefall untersucht. Zum Nachweis der hinterhältigen Nematoden wird sogar ein DNA-Test angewandt. Diese winzigen Würmer schädigen die Wurzeln der Zuckerrübe und anderer Pflanzen. Die Nachweismethode hat der Bodengesundheitsdienst in Zusammenarbeit mit einer Landesanstalt entwickelt.

Dass das Labor nicht in Ochsenfurt sitzt, sondern in Rain am Lech, hat praktische Gründe. Der Werksleiter der dortigen Zuckerfabrik zog aus seinem Haus aus – schon waren Räume frei für das Labor. Allerdings wurde es seit der Gründung erheblich vergrößert. In der Ochsenfurter Zentrale des Bodengesundheitsdienstes sind sechs Mitarbeiter beschäftigt. Hier befindet sich die Verwaltung und auch die Bodenproben werden hier zum Versand vorbereitet.