Bei ihrer Bewertung für den Haushalt 2015 der Gemeinde Wiesentheid griffen die Fraktionssprecher zu besonderen Vokabeln. Als „historischen Moment“, „Meilenstein“, oder auch „zukunftsgerichtet auf die nächsten 20, 30 Jahre“, wurde das Zahlenwerk gepriesen. Es stellt mit insgesamt 20,406 Millionen Euro an Einnahmen und Ausgaben den höchsten Etat der Geschichte des Marktes dar.

Gegen eine Stimme (Frank Hufnagel) verabschiedete der Gemeinderat das Zahlenwerk. „Es ist ein sehr ausgewogener, wirtschaftlich einwandfreier Haushalt, der auf gesunden Füßen steht“, beschrieb Bürgermeister Werner Knaier den Rekord-Etat. Dieser sei kein Freibrief zum Geldausgeben, hob er den Zeigefinger. Jedoch stünden die Zeichen der Zeit günstig, um einige Projekte weiter zu forcieren.

298 Euro Schulden pro Einwohner

Ein Grund für die Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren sind Investitionen, die mit 11,74 Millionen Euro eine beachtliche Höhe erreichen. Dabei nehmen Baumaßnahmen mit 9,697 Millionen Euro den höchsten Anteil ein, wobei vor allem der Bau der Entlastungsspange von der B 286 ins Gewerbegebiet Mähling im Süden der Gemeinde mit 2,9 Millionen Euro ins Gewicht fällt. Für die Ortsumgehung sind weitere 1,1 Millionen Euro eingestellt.

Zudem schlägt die Erschließung der neuen Gewerbefläche Mähling zu Buche, die 2015 starten soll. Beginnen soll außerdem die Erschließung des nächsten Teils der Wohnsiedlung Weihersbrunnen, und zwar in Richtung der Straße nach Prichsenstadt. Im Zuge der Städtebauförderung wird weiter in den Ortskern investiert. Für die Fortsetzung beim Ausbau des Neßtfellplatzes hat die Gemeinde 626 000 Euro eingestellt, bei der Neumannstraße sind weitere 312 000 Euro vorgesehen. Bei der Wasserversorgung steht eine Erneuerung der Leitungen in der 18-Äcker-Siedlung an.

Die Gemeinde kann sich den üppigen Haushalt leisten, weil die Steuereinnahmen sprudeln. Bei der Gewerbesteuer wurde mit 2,2 Millionen Euro kalkuliert, beim Anteil an der Einkommensteuer sind 2,105 Millionen Euro angesetzt. Vom Staat erhält die Kommune rund 500 000 Euro an Schlüsselzuweisungen.

Allerdings sind 1,8 Millionen Euro als Umlage an den Landkreis zu zahlen. Um den Etat abzugleichen, entnimmt Wiesentheid 6,18 Millionen Euro aus den Ersparnissen. Bei den Einnahmen fließen 3,617 Millionen Euro an Zuweisungen zurück an die Kommune. Weil die Rücklagen angesichts großer Investitionen weniger werden, rechnet die Gemeinde für 2016 damit, dass die Aufnahme eines Kredits erfolgen könnte.

Der Schuldenstand beträgt 1,5 Millionen Euro, die Pro-Kopf-Verschuldung beläuft sich bei 4719 Bürger auf 298 Euro pro Einwohner. Bei der Steuerkraft liegt Wiesentheid auf Platz fünf im Landkreis Kitzingen.

Die Fraktionen sahen den hohen Haushalt als angemessen. Es gebe vieles zu tun, die Investitionen dienten der Fortentwicklung der Gemeinde. Zu Zeiten einer Niedrigzins-Phase se es „absolut richtig, zu investieren“, meinte Stefan Möhringer (CSU). Modern, fortschrittlich, aber auch traditionell sei Wiesentheid, das komme im Etat auch heraus, sagte Michael Rückel (Freie Wähler). Durch die solide Finanzpolitik der Vergangenheit verfüge man über die Ersparnisse. Es gelte, so Rückel, die optischer Aufwertung der Gemeinde weiter zu führen, gleichzeitig nicht über den Verhältnissen zu leben.

Ratskollege Leo Weiglein von den Ortsteilen sah in den Investitionen den richtigen Weg. Dagegen war Frank Hufnagel von der Gruppierung Bündnis90/Die Grünen nicht mit dem Haushalt einverstanden: Eines Tages müsse man das Investitionsvolumen zurückzahlen. Zu langfristig plane man, etwa bei den Kosten der Umgehung. Er riet stattdessen, „alles etwas langsamer angehen, gut Ding braucht Weile.“