Die synthetische Droge "Crystal Speed" macht sehr schnell abhängig und "zeichnet" Konsumenten psychisch und körperlich schwer. Der 23-Jährige, der wegen Handels mit dieser Droge im Großraum Würzburg-Kitzingen am Montag von einer Großen Strafkammer des Landgerichts Würzburg zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und einem Monat verurteilt wurde, war genau genommen nur eine Randfigur bei sechs Geschäften in der Größenordnung bis zu 50 Gramm "Crystal Speed" aus tschechischer Produktion. Das Sagen hatte seine Lebensgefährtin, die auf freiem Fuß ist und als Zuhörerin zur Verhandlung kam, während ihr Geliebter, was auch Prozess-Beteiligte zum Teil überraschte, seit Monaten in Untersuchungshaft sitzt.

Angeklagter war der Chauffeur


Die 24-jährige Hartz-IV-Empfängerin bezog die Drogen aus der Oberpfalz, von ihrem Vater. Da sie keinen Führerschein hat, war der Angeklagte ihr Chauffeur. Er hat daheim auch den gefährlichen Schnüffel-Stoff mit zahlreichen massiven Nebenwirkungen abgewogen und verpackt. Mit Bestellungen eines Dealers und dem Finanziellen hatte er nichts zu tun. 30 Euro habe sie fürs Gramm im Einkauf beim Vater bezahlt, berichtete die Zeugin. Verkauft wurde das Gramm für bis zu 100 Euro. Wie in der Branche üblich, habe man zu Beginn der Geschäftsbeziehungen eine hervorragende Qualität geliefert und dann nachgelassen: Ihr Abnehmer in Kitzingen habe außerdem selbst noch schwer gestreckt.

Nach dem erfolgreichen Besuch der Fachschule für Maschinenbau in Würzburg war der Angeklagte bei zahlreichen renommierten Firmen in Unterfranken beschäftigt, aber nie lange. Das habe, erklärte er dem Gericht, damit zu tun gehabt, dass er wegen der Drogen keinen Bock auf Arbeit hatte und dann oft schnell wieder entlassen wurde.

Seit etwa zehn Jahren konsumiere er so genannte synthetische Drogen, habe aber auch alles andere nebenbei ausprobiert. "Dafür sehen Sie aber noch gut aus", so der Vorsitzende Richter Hans Brückner. Vielleicht sei der Angeklagte gerade noch rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen worden, vor den ersten schweren gesundheitlichen Schäden.

Ex-Kunde hat kaum noch Zähne


Zur Entgiftung war der Angeklagte im vergangenen Jahr mal eine Woche im Bezirkskrankenhaus Werneck. Gleich danach hat er "weiter gemacht" mit dem Schnüffeln, jetzt hofft er auf eine Therapie nach dem Knast.
Was "Crystal Speed" anrichten kann, konnte man einem ehemaligen Kunden ansehen, der aus der Strafhaft in der Justizvollzugsanstalt Amberg vorgeführt wurde. Ein 44-Jähriger aus Neustadt-Aisch, Vater von fünf Kindern, hat kaum noch einen Zahn im Mund. Zahnausfall ist eine von zahlreichen möglichen Nebenwirkungen der Droge, von Schwächung des Immunsystems über Haarausfall bis zu Magendurchbruch, Herzrhythmusstörungen und paranoiden Wahnvorstellungen, Nierenschäden und Zersetzung der Schleimhäute in Mund und Nase als Folge des Schnupfens.

Über 20 Haschischgeschäfte


Verurteilt wurde der Maschinenbauer auch wegen über 20 Haschischgeschäften in der Größenordnung von fünf bis zu 100 Gramm. Die Verteidigung verzichtete auf Rechtsmittel, die Staatsanwaltschaft wollte unmittelbar nach der Urteilsverkündung dazu keine Erklärung abgeben. Ein Termin für die Verhandlung gegen die Lebensgefährtin des Angeklagten ist noch nicht angesetzt.
Weil der Maschinenbauer Namen genannt hat, sind, so ein Kripo-Beamter, im Zusammenhang mit den Crystal-Geschäften im Großraum Kitzingen zahlreiche Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.