So richtig gestört hatte sich bislang in Rödelsee am Begriff "Herdprämie" noch niemand. Denn damit war in der Winzergemeinde ja auch nicht eine Art Betreuungsgeld gemeint, wenn die Kinder zu Hause statt in einer Kindertagesstätte betreut werden. Nein, dabei dreht es sich um zusätzliche Stellplätze für Fahrzeuge, wofür die Prämie, ein "Baby" von Bürgermeister Burkhard Klein, gewährt wurde. Und wenn Euros fließen ist es ja meist egal, wie das Ding heißt. Jetzt hat das Kind aber einen anderen Namen.

Aber der Reihe nach: "In der Sitzung des Gemeinderats vom 2. Dezember 2019 wurde die sogenannte Herdprämie zur Herstellung von zusätzlichen Stellplätzen auf dem Grundstück beschlossen." Dieser Satz war seitdem sehr oft in den Sitzungsunterlagen zu lesen. Die Prämie kann aber nur von Grundstückseigentümern der förmlich festgesetzten Sanierungsgebiete (Altortbereiche) von Rödelsee und Fröhstockheim beantragt werden. Der Gemeinderat schaute sehr wohl auf die Situation in den Straßen mit den Grundstücken, für die der Antrag gestellt wurde. Nicht jeder Antrag wurde deshalb auch positiv beschieden. Die Gemeinde entscheidet nämlich im Einzelfall, ein Rechtsanspruch besteht nicht.

Nun hängt die "Herdprämie" mit der Schaffung von zusätzlichen Stellplätzen auf privatem Grund natürlich mit der Summe für die Ablösung eines Stellplatzes zusammen, falls ein solcher nicht auf dem eigenen Areal verwirklicht werden kann. Diese Summe war in der Januar-Sitzung, wie berichtet, auf 2500 Euro erhöht worden. Jetzt lag der Vorschlag auf dem Ratstisch, auch die "Herdprämie" von 1500 auf 2500 Euro zu erhöhen, was eifrig diskutiert wurde.

Doch bevor es um die Summe ging, schlug Gemeinderat Markus Ostwald vor, endlich den Namen "Herdprämie" zu ändern. Dieser solle in "Stellplatzprämie" umbenannt werden. Dies gelang auch bei einer Gegenstimme. Schließlich war Bürgermeister Burkhard Klein für die Sitzung entschuldigt, und damit bestand "die einmalige Gelegenheit, Burkhards Baby zu kippen", scherzte Holger Kelle. Wohlgemerkt nur den Namen, nicht das Förderprogramm an sich. Das befanden die Ratsmitglieder durch die Bank für gut. Nur der Name "klingt irgendwie daneben", wie es Lars Chrischilles vorsichtig ausdrückte. Dies klinge so wie aus der Wirtschaftswunderzeit.

Eine Erhöhung auf 2500 Euro, wie sie im Beschlussvorschlag formuliert waren, wollte aber niemand im Rat. Markus Ostwald nannte die Summe von 1750 Euro. Dies sei seinen Berechnungen nach in etwa die Summe, die ein Grundstückseigentümer für einen Stellplatz aufwenden müsse. Tonias Hemberger hinterfragte gar die Notwendigkeit einer Erhöhung. Bürgermeister-Stellvertreter Bernd Lussert, der die Sitzung leitete, schlug vor, sich auf die Mitte, also 2000 Euro, zu einigen.

Nachdem dann die Abstimmungsreigenfolge vom geschäftsleitenden Beamten der Verwaltungsgemeinschaft Iphofen, Leo Eckert, erläutert worden war, begannen die Abstimmungen. Die 2500 Euro wurden einstimmig abgelehnt, für die 2000 Euro gab es nur eine Gegenstimme, womit diese fortan gelten. 

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