„Wir Sigmund, von gotes gnaden…“ – Mit diesen Worten beginnt die Urkunde, die die Gemeinde Großlangheim vor 600 Jahren zur Marktgemeinde machte. Der König des römischen Reiches, Sigmund, erteilt in der Urkunde dem Grafen Linhart von Castell die Erlaubnis, Großlangheim mit Mauern und Gräben zu umgeben sowie einen Wochenmarkt und zwei Jahrmärkte abhalten zu dürfen.

Zwar ist der Weinort heute nicht mehr unter Castellscher Herrschaft und die Jahrmärkte finden auch nicht mehr wie ursprünglich vorgesehen an St. Jörg und Jakobi statt – aber nach wie vor betreiben die Großlangheimer Winzer, Selbstvermarkter und Vereine regen Handel mit ihren Gästen.

Moritaten und Marktrecht

Am kommenden Sonntag, 25. Mai, findet deshalb der große Jubiläumskrackenmarkt statt.

Und dafür haben sich die Veranstalter rund um den Arbeitskreis 2 einiges einfallen lassen (lesen Sie dazu auch den grauen Infokasten): Mit Moritaten, einem mittelalterlichen Sprechgesang, erzählen sie von der Verleihung des Marktrechtes.

Aus den Aufzeichnungen des Chronisten Anton Käsbauer stellte Roswitha Dörflein-Schenk die Texte zusammen. Mit dem einen oder anderen Augenzwinkern zwischen den Zeilen erzählen sie die Geschichte der Gemeinde durch die Jahrhunderte. Wie es sich für echte Moritaten gehört, wird das ganze untermalt von großen Bildtafeln.

Richard Pfannes hat die Bilder eigens entworfen und gemalt. Tage- und wochenlang hat sich die Sängergruppe auf den Markt vorbereitet, eine Kostprobe gab es am Ufer des Dorfsees bereits zu hören. Stilecht gewandet in einem Zuschauerraum aus Strohballen freuen sich die Sänger und Sängerinnen darauf, den Besuchern des Marktes am Sonntag ihre Geschichte zu erzählen. Und auch der restliche Markt passt sich dem Mittelalter-Thema an: so ist zum Beispiel der Fränkische Ritterhaufen zu Gast, der das Lagerleben und Schaukämpfe aus dem sogenannten Finsteren Zeitalter zeigt. Den Blick noch weiter zurück wagt der Kitzinger Wikinger, der das Leben der nordischen Krieger zeigt.

Buntes Programm für alle

Ein buntes Rahmenprogramm sorgt außerdem für Abwechslung: Beim Baumstammkraxeln können die Gäste ihre Sportlichkeit unter Beweis stellen. Eine Jagdausstellung präsentiert heimische Waldtiere. Auf dem See gibt es Bootsfahrten, für die Kinderbetreuung sorgt das Jugendrotkreuz. Daneben locken natürlich die Stände zahlreicher Handwerker und Selbstvermarkter.

Ob Wein, Marmelade, Obst oder Nützliches und Dekoratives für den Haushalt: Wer stöbert, wird garantiert fündig. Ein Messerschleifer schärft mitgebrachte Messer, bei einem Preisausschreiben gibt es Preise zu gewinnen.

Wer dann an seinen Einkäufen schwer trägt, für den gibt die eigens kreierte Stofftasche: Sie zeigt den Blick auf Großlangheim und das Wappentier: Ein Rabe, der die Urkunde von König Sigmund in den Händen hält. Die Tasche wird im Rahmen des Krackenmarktes erstmals verkauft und ist sicher eine bleibende Erinnerung an das große Jubiläum.

Von König Sigmund, Mordgesängen und Rittertopf: Rund um den Krackenmarkt

Geschichtlicher Hintergrund: Im Jahr 1414 wurde Großlangheim das Marktrecht verliehen – vom Casteller Grafen Linhart, der dafür die Erlaubnis von König Sigmund persönlich bekam. Genehmigt wurden ein Wochenmarkt und zwei Jahrmärkte an St. Jörg und St. Jakobus.

Heute finden im Ort im Frühsommer der Krackenmarkt und im Dezember der Adventsbasar statt. Dieses Jahr findet der Krackenmarkt am Sonntag, 25. Mai, statt.

Geöffnet ist die Verkaufsstraße im Schloßhof und rund um den See vom 11 bis 18 Uhr. Mit jeder Menge Attraktionen und Verkaufsständen, vom Dampfkarussell bis zum Baumstammkraxeln.

Und auch für das leibliche Wohl ist natürlich gesorgt: Vom Frühschoppen und Weißwurstfrühstück über ein zünftiges Mittagessen und Fischbrötchen bis hin zu Kaffee und Kuchen ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Das Angebot ist in diesem Jahr auf das Mittelalter-Thema abgestimmt: Rittertopf und Flammkuchen locken die Hungrigen.

Moritaten sind eigentlich mittelalterliche „Mordgesänge“, die in bildhafter Sprache spannende Geschichten erzählen. Von Morden berichten die Großlangheimer Lieder nicht, vielmehr von der Verleihung des Marktrechtes und den Ereignissen der letzten Jahrhunderte. Am Sonntag werden sie im Laufe des Tages mehrmals live am Ufer des Dorfsees gesungen.