Eigentlich hätte er die Auszeichnung vor sieben Jahren bekommen sollen. Aber irgendwie hat es nicht geklappt mit dem Schneidermeister Josef Endres aus Iphofen und dem Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer. Bis jetzt.

Der Goldene Meisterbrief wird nach 50 Jahren an Handwerksmeister verliehen. Mit Verspätung gefreut hat sich der 89-Jährige am Freitag, als ihm Kreishandwerksmeister Michael Bissert die Urkunde überbrachte. Für Bissert war die Übergabe etwas ganz Besonderes. „Welcher Kreishandwerksmeister kann schon einen Mann auszuzeichnen, der seit 72 Jahren seinem Beruf nachgeht, während andere über Rente mit 63 oder 67 diskutieren?“, sagte er und scherzte: „Du bist sozusagen der Karl Lagerfeld von Iphofen.“

Am 1. Dezember 1924 erblickte Josef Endres als Sohn von Schneidermeister Wilhelm und Cäcilie Endres in Iphofen das Licht der Welt. Von 1931 bis 1939 besuchte er die Volksschule. 16 Tage nach dem Schulabschluss begann Josef Endres eine Lehre als Herrenschneider bei Innungsobermeister Hans Geitz in Kitzingen. 1942 legt er seine Gesellenprüfung mit Note eins ab und arbeitet bis Oktober 1942 im elterlichen Betrieb.„Eigentlich wollte ich damals zu meinem Onkel, der in Hannover ein Fachgeschäft für Maßbekleidung führte“, erzählt Endres. Kunden beraten und das Zuschneiden waren sein Traum. Wie bei vielen jungen Menschen beendete aber der Weltkrieg die Träume. Josef Endres wurde anderem an der Ostfront eingesetzt. Als einer der noch wenigen lebenden Zeitzeugen erlebte er am 20. Juli 1944 als Wachsoldat im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ das Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler mit. Endres wurde später verletzt und kam im April 1945 in amerikanische Gefangenschaft. Im Juli 1945 kehrte er in den elterlichen Betrieb zurück und machte als Weiterbildung einen Zuschneidekurs. Am 24. Mai 1947 heiratete er Else Weichselfelder, die bei seinem Vater arbeitete. Drei Jahre später übernahm er die Schneiderei, die er 1955 in die Handwerksrolle eintragen ließ. Endres belegte einen Meisterkurs, den er 1957 in Würzburg mit der Meisterprüfung mit Note eins abschloss. Zwei Lehrlinge hat er danach ausgebildet und beide legten ihre Gesellenprüfungen mit einer Eins ab. Darauf ist er heute noch stolz.

Es waren keine einfachen Zeiten. Er erinnert sich daran, dass er aus olivfarbenen Decken der US-Armee für Albrecht und Baldwin Knauf Anzüge nähte oder später für Führungskräfte der Firma Knauf Maßanzüge schneiderte. „50 Prozent meiner Kundschaft waren aber Damen, die mit Zeitungsbildern von Kleidern zu mir kamen“, erzählt Endres.

„Es macht mir immer noch Spaß.“
Josef Endres Schneidermeister

Auch Kostüme für die Tanzgarde oder Uniformen für die Faschingsgesellschaft Stücht hat er gefertigt. „Die Schnitte habe ich alle selbst gemacht“, sagt Endres. Der Vormarsch der Konfektionsbekleidung machte vor der kleinen Schneiderei nicht Halt. Endres fand 1973 Arbeit im Kaufhaus Storg in Kitzingen. Seit 1. Januar 1988 im Ruhestand, nahm er die Arbeit im eigenen Betrieb wieder auf. „Änderungen, Reparaturen, darunter auch kniffelige Aufgaben, ich hab genug zu tun“, erzählt er.

Warum arbeitet er noch? „Ich sehe noch gut, meine Hände zittern nicht und es macht mir immer noch Spaß.“ Daneben ist er viel mit dem Fahrrad unterwegs und kümmert sich um seinen Garten. Wie hält er sich fit? „Ich habe immer Sport getrieben. Bewegung ist wichtig. Außerdem frühstücke ich täglich ein bis zwei Äpfel, Haferflocken und Tee. Nach dem Mittagessen gibt es eine Tasse Kaffee und am Abend zur Brotzeit einen Schoppen Wein“, verrät er.