Was ihm am Gewichtheben am besten gefällt, kann Torsten Zehner ganz genau sagen: "Da kann ich meine Leistung genau messen", sagt der 36-Jährige. Er ist seit 15 Jahren aktiver Heber beim Kraftsportverein Kitzingen (KSV) und wurde dafür am Freitag mit der Ehrennadel in Bronze ausgezeichnet. Das ist allerdings noch nicht alles, denn Zehner hat dieses Jahr doppelt abgesahnt. Er wurde auch zum Sportler des Jahres ernannt.

Wer die Leistungen des 36-Jährigen anschaut, wird bestätigen, dass er diese Auszeichnung zu Recht bekam: Er holte sich bei der bayerischen Meisterschaft Gold, wurde 4. bei den Deutschen Meisterschaften, 4. bei den Europameisterschaften und 5. bei den Weltmeisterschaften.


700 Gewichtheber dabei

"An der Weltmeisterschaft teilzunehmen, war das absolute Highlight für mich", erzählt Zehner. Die Wettkämpfe fanden in einem Fußballstadion in der Ukraine statt, wo auch schon die Fußballer um die diesjährige Europameisterschaft spielten. "Insgesamt waren 700 Gewichtheber aus ungefähr 70 Nationen da. Da haben mir die Knie geschlottert", verrät der 36-Jährige. In seiner Alters- und Gewichtsklasse gab es sieben Mitstreiter, Zehner wurde Fünfter.

Was der Sportler des Jahres ebenfalls nie vergessen wird, ist der Zusammenhalt bei den Mannschaftskämpfen. "Wenn es mal relativ knapp zuging, haben wir uns gegenseitig aufgebaut", sagt Zehner. Er erinnert sich gut an einen Wettkampf in Regensburg, den der KSV überraschend gewonnen hat. "Die Regensburger haben sich bei der Zwischenbilanz verrechnet und wir dachten, dass wir keine Chance mehr auf einen Sieg haben", erklärt er. Doch die Kitzinger hatten jemanden dabei, der mitrechnete und den Rechenfehler bemerkte. So haben sich Zehner und seine Mannschaftskollegen nochmals aufgerafft und dann tatsächlich gewonnen.


Man muss sich behaupten

Beim KSV wird neben dem Gewichtheben auch Boxen angeboten. "Ein Boxkampf ist ein fairer Vergleich. Man ist allein und muss sich selbst behaupten", erzählt Anton Butz. Der 56-Jährige kam mit 16 durch einen Freund zum KSV und begann mit dem Boxen. Gewichtheben kam für ihn nie in Frage. Nach vier Jahren und 16 Boxkämpfen musste Butz aus beruflichen Gründen eine Pause einlegen, er hat aber weiterhin trainiert. "Wir haben sehr viel mit den amerikanischen Soldaten trainiert, das hat mir besonders viel Spaß gemacht. Wir waren sogar ab und zu in der Kaserne", sagt der 56-Jährige.

Am Freitag bekam er die goldene Nadel für 40-Jahre Mitgliedschaft. Heute boxt Butz zwar nicht mehr aktiv, aber er stellt sich gerne als Trainingshelfer, Sprecher, Zeitnehmer, Protokollschreiber und Kassenrevisor zur Verfügung. "Ich komme ab und zu noch zum Fitness her. Wir sind eine gute Gruppe und gehen auch zusammen in die Sauna", sagt Butz.

Zu Bedauern des 1.Vorsitzenden Friedrich Dollinger ist der Nachwuchs im Boxen im Vergleich zum Gewichtheben sehr gering. "Vier Männer und zwei Frauen boxen aktiv im Ring. Ich hoffe, dass sich die Zahl bald erhöht", sagt Dollinger. Der 72-Jährige hat früher selbst geboxt. Mit 16 ist er das erste Mal und mit 37 das letzte Mal in den Ring gestiegen. Seit 24 Jahren ist Dollinger 1. Vorsitzender beim KSV. "Das wird mein letztes Jahr. Nächstes Jahr werde ich zurücktreten", sagt er.

Neben Torsten Zehner und Anton Butz wurden Alexander Koptew (15 Jahre Mitglied) und Siegfried Schmitt (25 Jahre) geehrt. Außerdem bekam Jacqueline Schroll den Pokal für die Aufsteigerin des Jahres. Die 15-Jährige ist bayerische Meisterin, 3. bei den Deutschen Meisterschaften und wurde in den Bundeskader aufgenommen.