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Wiesentheid

Denkmalschutzmedaille für St. Mauritius: „Die Kirche hat uns renoviert“

Zehn Jahre hat die Sanierung der außergewöhnlichen Barockkirche gedauert. Längst ist sie wieder ein Schmuckstück. Nun gibt es für die Verantwortlichen eine Belohnung des Freistaats.
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Über zehn Jahre dauerte die Generalsanierung der Wiesentheider Mauritiuskirche. Pfarrer Peter Göttke darf demnächst dafür die Denkmalschutzmedaille 2020 für die Katholische Kirchenstiftung St. Mauritius in Empfang nehmen. Foto: Gerhard Krämer

Im Jahr 2009 begann die Generalsanierung der Wiesentheider St. Mauritiuskirche mit den Voruntersuchungen. In diesen Wochen wird die Schlussabrechnung erstellt. Das Engagement der Beteiligten hat der Freistaat Bayern jetzt gewürdigt: Pfarrer Peter Göttke darf demnächst die Denkmalschutzmedaille 2020 für die Katholische Kirchenstiftung St. Mauritius in Empfang nehmen. Daneben wurden 25 weitere Medaillen vergeben. Göttke erzählt im Interview von dem Projekt.

Herr Pfarrer Göttke: Wie motiviert man Menschen dazu, ein so umfangreiches Projekt anzugehen und so lange am Ball zu bleiben?

Peter Göttke: Die Frage müsste andersherum gestellt werden. Die Motivation ging von der Gemeinde aus. Sie haben mich motiviert. Uns allen war es wichtig, dass wir mit einer hohen Qualität arbeiten. Natürlich war nicht abzusehen, dass sich das Projekt über zehn Jahre hinziehen würde. Das Ganze hat sich langsam entfaltet. So ein Bau wächst einem mit der Zeit zu.

Was bedeutet die Auszeichnung mit der Denkmalschutzmedaille für die Beteiligten?

Göttke: Bei aller Überraschung ist es eine Bestätigung für alle, die an dem Projekt beteiligt waren: unsere Kirchenverwaltung mit den Kirchenpflegern Matthias Seitzer und Paul Schug, Architekt Georg Böswald-von Brunn, Dr. Jürgen Lenssen und die vielen ehrenamtlichen Helfer. Es bestätigt uns, dass es gut und richtig ist, das für die Nachwelt zu erhalten, was uns unsere Vorgänger übergeben haben.

Haben Sie persönlich einen Gewinn aus der Mitarbeit an diesem Projekt gezogen?

Göttke: Auch wenn es ein Riesenprojekt war, hat es viel Spaß gemacht. Ich habe viel gelernt. Besonders gerne erinnere ich mich an tolle Begegnungen mit den Handwerkern, die mich sehr beeindruckt haben. Einer hat mir gesagt: "An einer Kirche arbeitet man ganz anders. Das ist auf 100 Jahre angelegt." Gelegentlich durfte ich selbst Hand anlegen, etwa bei der Installation des Chorkreuzes. Es hat sich eine große Vertrautheit mit dem Bau entwickelt und dadurch ein Gefühl der Verantwortung. Nach der Renovierung war die Aufgabe, wieder loszulassen.

Hat sich das Leben der Pfarrgemeinde durch die Sanierung verändert?

Göttke: Man könnte sagen: Wir haben die Kirche renoviert, und sie hat uns renoviert. Viele Leute haben durch die Arbeit am Gebäude einen neuen Zugang zur Kirche gefunden. Insgesamt haben wir gemerkt, wie stark sich die Wiesentheider mit ihrer Kirche identifizieren. Unser Ziel war es, das Gebäude zukunftsfähig zu restaurieren. Wenn wir jetzt täglich im Livestream Gottesdienste übertragen können, ist das eine Frucht der Renovierung, weil wir damals die Technik dafür eingebaut haben.

Wie kann man das historische Gebäude den Menschen heute zugänglich machen?

Göttke: Viele Besucher nehmen die Einladung zu Gottesdienst und Gebet an. Wir bieten Führungen mit geschulten Führern an. Ehrenamtliche arbeiten ein musikalisches Jahresprogramm aus.

Sanierung unter Denkmalschutz

Die St. Mauritiuskirche wurde 1727 bis 1732 erbaut. Besonders beeindruckend ist das Deckenfresko des Italieners Giovanni Francesco Marchini im Kirchenschiff, das für die Betrachter die Illusion einer hohen Kuppel schafft. Vor der jetzigen Generalsanierung mit Kosten von 6,1 Millionen Euro fand 1897 die letzte grundlegende Renovierung statt.
Mit der Denkmalschutzmedaille werden seit 1978 besondere Verdienste in der Bau-, Kunst- und Bodendenkmalpflege in Bayern gewürdigt. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst verleiht die Auszeichnung einmal im Jahr gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege an Personen und Institutionen, die sich um Denkmalschutz und Denkmalpflege verdient gemacht haben – sei es für die Instandhaltung von Bau- oder Bodendenkmälern, als Eigentümer ebenso wie ehrenamtlich oder für die Denkmalvermittlung, beispielsweise als Journalist, Regisseur oder Autor.
Aufgrund der Corona-Pandemie musste in diesem Jahr die feierliche Verleihung der Denkmalschutzmedaille in der Alten Münze in München entfallen. Die Preisträger werden die Denkmalschutzmedaille daher bei einem Vor-Ort-Besuch in kleinem Kreis persönlich von Kunstminister Bernd Sibler beziehungsweise Generalkonservator Mathias Pfeil erhalten.
gkr/Quelle: Kunstministerium