"Als ich gesehen habe, was passiert war, wusste ich erstmal überhaupt nicht, wie ich darauf reagieren sollte." Eberhard Schnaz fragte zunächst seinen Vater, der in der Landwirtschaft einige Jahre mehr Erfahrung hat, als der 39-Jährige. "Aber auch er hatte so etwas noch nicht erlebt." Kahlfröste zerstörten dem Iffigheimer Landwirt im Februar rund ein Drittel seines Wintergetreides - und wie ihm erging es in Unterfranken fast allen Bauern. Schnaz stand vor der Entscheidung, die Frucht unterzupflügen und die Felder neu einzusäen oder darauf zu hoffen, dass sich der Bestand einigermaßen wieder erholt. "Ich habe beides ausprobiert." So oder so haben die Bauern wegen der schneefreien Kälteperiode unter Ertragseinbußen zu leiden. Deshalb hat das Bayerische Landwirtschaftsministerium nun ein Hilfsprogramm aufgelegt - von dem aber nicht alle profitieren können.
"Es ist schwierig, die Kriterien zu erfüllen", erklärt Wilfried Distler, Fachberater des Bayerischen Bauernverbands (BBV) Kitzingen. Ein zinsvergünstigtes Darlehen soll die Zusatzkosten und Ertragseinbußen abmildern. Pro umgebrochenen und neu eingesäten Hektar werden pauschal 1000 Euro angerechnet, pro Hektar Ackerfläche mit mindestens 30 Prozent Schaden 700 Euro. "Damit braucht man aber zehn Hektar oder mehr, um auf den Mindestbetrag von 10 000 Euro zu kommen. Das schaffen viele kleine Betriebe gar nicht." Zudem ist die Genehmigung des Darlehens vom Bewilligungsbescheid des Amts für Landwirtschaft abhängig.

Hoher Verwaltungsaufwand


Das ist jedoch laut Erwin Martin, dem Abteilungsleiter Förderung am Kitzinger Amt, kein Problem. "Wir prüfen natürlich die Schäden, die jemand angibt. Diese sind auch leicht nachzuvollziehen. Und dann steht einer Bewilligung nichts im Wege." Die Untergrenze begründet er mit dem hohen Verwaltungsaufwand für den doch relativ niedrigen Subventionswert pro Hektar. "Wenn wir das für jeden geschädigten Hektar machen würden, könnten wir das gar nicht stemmen." Er räumt jedoch ein, dass die Hilfe bisher noch wenig in Anspruch genommen wird - möglicherweise auch aus diesem Grund.
Eberhard Schnaz hat sich mit einer Beantragung des Darlehens auch nicht auseinander gesetzt: "Es gibt bestimmt Betriebe, die es nötiger haben", meint er. Fünf bis sechs Hektar Wintergerste und -weizen musste er umbrechen und neu einsäen - mit Mais, weil anderes Saatgut Mangelware war. Für ihn als Milchviehhalter sei das kein großes Problem, da er den Mais ja verfüttern könne. Wer aber auf Getreide angewiesen ist - wie Ackerbauern oder Schweinehalter - musste zum Teil hohe Saatgutpreise in Kauf nehmen.Weitere fünf Hektar hat Schnaz stehen gelassen, erwartet von diesen Beständen jedoch höchstens die Hälfte des normalen Ertrags.
"Das Getreide war sehr unterschiedlich betroffen", weiß Distler. Triticale und Roggen hätten den Frost besser verkraftet, als Winterweizen und -gerste. "Und auch innerhalb der einzelnen Arten gab es Unterschiede." Die meisten Bauern wurden sogar doppelt bestraft, weil der Bestand, der besonders gut entwickelt war, dem Frost mehr Angriffsfläche bot. "Die schlechten Bestände mit weniger Blattmasse haben die Temperaturen besser ausgehalten." Und als die Landwirte merkten, was los war, gab es das Saatgutproblem: "Die Landhändler waren auf diese Situation ja nicht eingerichtet." So viel Sommergetreide haben sie nicht auf Lager, weil es weit weniger angesät wird, als das ertragreichere Wintergetreide. "Jeder Betrieb muss nun mit Mehrkosten für neues Saatgut und Arbeitsmittel sowie Ertragseinbußen klarkommen." Vom zusätzlichen Arbeitsaufwand ganz zu schweigen. Pro Hektar kommt da ein Schaden von rund 500 Euro zusammen.

Keine Auswirkung auf Preise


Geld, das auch für Eberhard Schnaz nur schwierig wieder wett zu machen ist. Da der Schaden lokal begrenzt ist, werden sich die geringeren Erträge nicht auf die Preise auswirken, Getreide wird schließlich weltweit gehandelt. "Aber man kann ja nichts dran ändern", meint der 39-Jährige achselzuckend. Den Verlust muss man selber auffangen - wenn das Darlehen dabei hilft, um so besser. Schnaz ist in diesem Moment nur froh, dass Getreide für ihn nicht die Haupteinnahmequelle ist.