Gottesdienste sind seit 4. Mai wieder erlaubt, auch im Dekanat Kitzingen. So groß die Freude der Gläubigen ist, so groß sind die Herausforderungen für die Verantwortlichen, denn es gelten strenge Auflagen. Im Interview erläutert Dekan Peter Göttke aus Wiesentheid, was das bedeutet: „Wir sind noch weit entfernt von den gewohnten und unbeschwerten Gottesdienstversammlungen.“ Es erscheine aktuell "unter den gegebenen Auflagen und Bedingungen unmöglich, Gottesdienste zu feiern, die den Erwartungen der Menschen an einen gemeinsamen Gottesdienst entsprechen würden". Deshalb werde es im Dekanat unter den derzeitigen Umständen "keine öffentlichen Gottesdienste" geben.

Herr Dekan Göttke: Gottesdienste sind erlaubt und damit endlich wieder Gemeinschaft?

Dekan Peter Göttke: So einfach ist es leider nicht. Für die katholischen Gottesdienste im Bistum Würzburg gilt eine ganze Anzahl von Bedingungen, die durch das Ministerium bzw. die Diözese vorgegeben werden und vor Ort gewährleistet und verantwortet werden müssen. Es kann nicht darum gehen, alles auf einmal wieder einzuführen und so zu tun, als ob nichts wäre! Die Verantwortlichen müssen sich vor allem mit dem Infektionsschutz befassen - das alles braucht Zeit.

Was muss vorbereitet werden?

Göttke: Eine große Herausforderung ist die Umsetzung eines zu erarbeitenden Infektionsschutzkonzeptes: Mindestabstände von zwei Metern zum nächsten Platz, Desinfektionsstationen für die Ein- und Ausgänge, markierte Laufwege und Abstände, was gerade in historischen Gebäuden eine Herausforderung ist. Dort kann man nicht wie im Supermarkt Absperrbänder auf das Inventar kleben, ohne zu wissen, ob der Kleber schadet. Auch die Sitzplätze müssen markiert, Bänke abgesperrt werden. Auch eine Desinfektion der Bänke ist ratsam, ohne dass es das historische Holzmobiliar angreift.

"Es wurde beschlossen, unter den derzeitigen Umständen keine öffentlichen Gottesdienste anzubieten."
Dekan Peter Göttke, Wiesentheid

Wie viele Plätze wird es  in einer Kirche geben?

Göttke: Das hängt von der Größe des Gotteshauses ab. Zum Beispiel würde die 300 Plätze zählende Wiesentheider Mauritiuskirche im Corona-Betrieb um die 16 Plätze anbieten können. Generell gibt es im Dekanat nur eine begrenzte Anzahl an Gotteshäusern, in denen Gottesdienstfeiern überhaupt möglich sein könnten. Wir müssen uns das für jede einzelne Kirche anschauen.

Wer würde diese Plätze bekommen?

Göttke: Das ginge nur über ein Reservierungskonzept: Die Gläubigen müssten sich vor jedem Gottesdienst telefonisch oder per E-Mail anmelden. Zudem muss sich jeder registrieren lassen, inklusive Sitzplan, um für den Fall einer Corona-Infizierung die Kontaktketten zurückverfolgen zu können. 

Wer würde das koordinieren?

Göttke: Neben den Pfarrbüros, meinen Seelsorger-Kollegen und mir, werden geschulte ehrenamtliche Helfer benötigt. Allerdings gehören viele von ihnen zu den Corona-Risikogruppen. Auch hier sind Alternativen gefragt.

Dürfte in den Gottesdiensten gesungen werden?

Göttke: Gemeinsames Singen birgt besonders hohe Infektionsrisiken, deshalb sollte weitgehend darauf verzichtet werden. Zudem verlangt das Schutzkonzept verpflichtend das Tragen einer Gesichtsmaske.

Das bedeutet: kein Eintritt ohne Maske?

Göttke: Korrekt.

Wird es Eucharistiefeiern mit Kommunion geben?

Göttke: Nein. Hierzu gibt es einen Beschluss von Bischof Franz Jung. Daher wird es vorerst nur Wortgottesdienste, Andachten und Meditationen geben. Die maximale Dauer: 60 Minuten.

Was ist mit Wallfahrten und Prozessionen?

Göttke: Alles bis auf Weiteres abgesagt.

Wie fühlen Sie sich dabei?

Göttke: Die schlimmste Vorstellung wäre für mich, eine Corona-Ansteckung im Gottesdienst. Wir werden mit allen Verantwortlichen im Dekanat die Schutzkonzepte für die Gotteshäuser erarbeiten, aber ich bin Pfarrer und weder Logistiker noch Infektionsexperte. Dennoch bin ich als Hausherr verantwortlich für die Umsetzung des Schutzkonzeptes. Gleichzeitig ist mir auch das Votum unserer Räte wichtig. Vergangenen Mittwoch war der Pastoralrat von St. Benedikt im Rahmen des täglichen Livestreams zusammengekommen. Der Tenor war: Unter den gegebenen Auflagen und Bedingungen erschien es unmöglich, Gottesdienste zu feiern, die den Erwartungen der Menschen an einen gemeinsamen Gottesdienst entsprechen würden. Masken, Mindestabstände, Sitzpläne, abgesperrte Bänke und zugewiesene Sitzbereiche, wie auch ein sehr eingeschränktes Singen durch die Masken hindurch werden als äußerst unbefriedigend empfunden. Ein echtes Erlebnis einer feiernden Gemeinde kommt unter diesen Bedingungen nicht auf. Das notwendige Anmeldeverfahren werden zudem als großes Problem gesehen. Nach intensiver Beratung wurde deshalb einstimmig beschlossen, unter den derzeitigen Umständen keine öffentlichen Gottesdienste anzubieten. Sobald sich die vorgegebenen Rahmenbedingungen ändern, wird sich der Rat erneut mit dem Thema befassen.

Wie ist Ihr Ausblick?

Göttke: Die nächsten Wochen werden sehr intensiv und arbeitsreich mit hoffentlich vielen kreativen Ideen. Es ist eine noch nie dagewesene Situation und man kann kein Vorjahreskonzept aus der Schublade ziehen. Wir wissen heute noch nicht, wohin das alles führen wird, sind aber bereit und motiviert, neue Wege zu entwickeln. Bis es allerdings soweit ist, werden selbstverständlich die Angebote der letzten Wochen, wie Livestream-Gottesdienste, Auslagen-Angebote in den Kirchen, Angebote über die Homepages der Gemeinden und die Angebote der kirchlichen Jugendarbeit fortgeführt. Hier gilt mein besonderer Dank der Abtei Münsterschwarzach, die uns vielfältig unterstützt. Gemeinsam erreicht man mehr und darüber bin sich sehr froh.