Es gibt Redebedarf. Großen Redebedarf. Selten war der Kreuzbergstarkbieranstich der CSU im Dettelbacher Rathaus so gut besucht, wie am Freitagabend. Und wohl noch nie gab es im Anschluss an die „Festrede“, in diesem Jahr vom polizeipolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Manfred Ländner (Kürnach), eine so lange und engagierte Diskussion des Publikums. Und selten wohl auch lagen die Meinungen so weit auseinander.

Das alles beherrschende Thema: Die Flüchtlingsproblematik. Die Pole: Da gibt es einen Lothar Voltz, der sagt: „Ich finde, wir können das schaffen.“ Auf der anderen Seite Jochen Düll: „Ich glaube nicht, dass wir das schaffen.“ Und dazwischen die ganze Palette von Zuversicht, Hoffnung, Ängste und Zweifel, die eben eine lebendige Gesellschaft mit unterschiedlichen Meinungen und Empfindungen ausmacht.

Er werde keine „launige“ Rede halten, auch wenn ein Bieranstich dies eigentlich fordere, so Ländner zu Beginn seiner erfrischend kurzen Ausführungen. Denn das passe nicht zur Situation im Lande. „Wir stehen vor einer Herausforderung, die wir meistern müssen“, wohl die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Staat könne dies bei weitem nicht alleine meistern und deshalb Ländners Dank an all die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsbetreuung: „Was hier von unserem Land geleistet wird, ist herausragend.“

Das Thema erfordere einen ehrlichen Umgang: „In dieser Situation helfen keine warmen Worte, hier hilft die Wahrheit“, zitiert er Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, einen Grünen. Und sagt weiter: „Wir haben keine Angst vor dieser Herausforderung“, eher vor der Frage seiner Enkel in zehn Jahren: „Warum habt ihr so oder so gehandelt.“ Deshalb ist die Wahrheit in dieser Situation so wichtig. Die Lage müsse bewältigt und nicht beklagt werden.

Ländner stellt auch klar: Vielleicht kriegen wir jetzt zurück, 70 Jahre lang gut gelebt zu haben – und das auf Kosten anderer Länder und deren Menschen. Kanzlerin Merkel habe auf Europa gesetzt, aber der Plan ist nicht aufgegangen: „Wo sie unser Geld gewollt haben, da waren sie alle brav, jetzt wo sie helfen sollen, denkt jeder nur an sich.“

Kurzfristig, da ist sich Ländner sicher, schaffen wir das. Bayern hat dazu viel Geld, über drei Milliarden Euro in diesem und dem nächsten Jahr in die Hand genommen. Dazu kommt die Aussetzung des Familiennachzugs, eine zügigere Abschiebung unberechtigte Asylsuchender, neue Lehrer und Polizeibeamte. „Wir sind gerüstet für die Herkulesaufgabe, die uns bevorsteht.“ Langfristig müsse aber die Situation in den Herkunftsländern verbessert werden, denn alleine in Syrien seien sechs Millionen Menschen auf der Flucht. Wir brauchen Hilfe in den Krisenländern, die gezielt zu den Menschen dort muss. Ansonsten „sitzen wir auf einem Pulverfass und haben die Zündschnur nicht in der Hand“. Was sowohl für Innen und für Außen gelte.

Ganz praktische Probleme kamen dann in der Diskussion zur Sprache: Etwa die Hilflosigkeit eines Arbeitgebers, wenn Flüchtlinge vor der Tür stehen und nach Arbeit fragen. Arbeit, die durchaus da ist, aber wegen der langen Verfahren nicht gegeben werden kann. Aber, so die Politik: Die Verfahren sind nötig zum Erhalt der Rechtsstaatlichkeit, die Dauer liege oft an fehlenden Papieren über die tatsächliche Herkunft. Gefordert wurden auch schnellere Sprachkurse und mehr Personal vor Ort, das sich zur besseren und schnelleren Integration auch um anerkannte Flüchtlinge kümmern kann.

Angst macht manchen Menschen eine Islamisierung Deutschlands. Hier war aber auch klar: Wenn wir von einigen Prozent Neuankömmlingen unsere Kultur und unseren Glauben kaputt machen lassen – dann sind wir selber schuld. „Es liegt an uns, unsere Kultur öffentlich zu bekennen“, so ein Vorschlag dazu. „Weckt die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit“, ein weiterer prägender Spruch. Deutlich das Bekenntnis eines Schülers: „Ich sehe die ganze Situation als Bereicherung. Im Namen der Jugend sage ich, dass wir freudig Flüchtlinge aufnehmen.“

Dazu der Gegenpol: „Wir können nicht die ganze Welt retten.“ Die Bedenken: Was passiert, wenn wieder ein wirtschaftliches Tief kommt, wie sind dann die Reaktionen, so ein Einwurf. Aber auch die Angst vor dem Verlust der Macht, die Menschen würden zwar die Politik mittragen – die Wähler gehen aber zu anderen Parteien.

Der Abend zeigte: Die Politik ist stark gefordert. Stark gefordert, Lösungen anzubieten, aber auch stark gefordert, vor Ort diese Lösungen zu erklären. Dass am Ende dabei anderen Themen – wie etwa in Dettelbach die Windkraft – zu kurz kommen, ist sicher der Dominanz der Flüchtlingsproblematik geschuldet.