Marina Ortega Gomez war ein bisschen traurig. Eigentlich ist ihr Fußball gar nicht so wichtig, aber natürlich hat die 17-jährige spanische Gastschülerin aus Barcelona, die zurzeit bei ihren Gasteltern Anja und Steffen Langner und deren Söhnen Hannes, Nils und Hendrik in Retzbach lebt, mit ihrer Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft mitgefiebert. Das erste Spiel der Spanier gegen Holland hat sie sich beim Public Viewing am Würzburger Stadtstrand angeschaut. Doch die 1:5-Niederlage war „zu bitter“. Öffentlich wollte sich Marina kein weiteres Spiel ihrer Nationalmannschaft ansehen. Also blieb sie gegen Chile bei der Gastfamilie. Und jetzt hält sie eben zu Deutschland.

Genau wie einige andere Gastschüler, die über die Austausch-Organisation AFS-Komitee hierher gekommen sind. Alle haben sie sich in Deutschland verliebt. Marina sagt, sie sei hier „total glücklich“, sie hänge an ihren Freunden, die sie hier gefunden hat, und an ihrer Gastfamilie. Die Spanierin besucht zurzeit das Deutschhaus-Gymnasium. „Natürlich vermisse ich auch meine Freunde und die Familie zu Hause, aber hier ist es toll!“

Fußball ist für sie aber trotzdem nicht abgeschrieben: „Spanien ist zwar raus, aber ich bin immer noch für mein Land!“ Und was wird aus Spanien bei der nächsten Weltmeisterschaft? Sie ist skeptisch: „Ich glaube nicht, dass Spanien 2018 gewinnen kann, weil die Spieler alle zu alt dafür sind. Und die Neuen können es irgendwie nicht so gut. Mein Lieblings-Spieler ist Iniesta – weil er total bescheiden ist!“

Hin- und hergerissen ist Kevin Matthew Ball (17) aus Lancaster bei Buffalo im Staat New York. Voller stolz präsentiert er sich in den deutschen Farben Schwarz-Rot-Gold und grinst mit dem passenden Cowboy-Hut in die Kamera. Er hat sich Lederhose und Trachtenhemd gekauft, isst Klöße und Laugenbrezeln und hat längst gelernt „passt scho'“ zu sagen. Aber dann kommt doch der „Ami“ – was er übrigens gerne hört – bei ihm durch: Beim Spiel Deutschland – USA war er für die USA. Er war ein wenig enttäuscht, dass das nicht geklappt hat, denn „es war ein gutes Spiel“, das er mit anderen Gastschülern in der Posthalle in Würzburg verfolgt hat. Dass die USA Weltmeister werden, daran glaubt Kevin aber dann doch nicht, denn „andere Mannschaften haben bisher besser gespielt“.

Zuhause spielt Kevin im Verein Lancaster Soccer und auch für die Schule, an der Lancaster Highschool. Weil laut Fifa-Vorschrift Gäste aus Übersee zwar hierzulande im Verein trainieren, nicht aber spielen dürfen, hat es Kevin gleich bleiben lassen – und war dafür als Betreuer „bei meinem Sohn dabei“, berichtet Gastmutter Elke Stark. Der zehnjährige Gast-Bruder Laurin fand es klasse.

Die Italienerin Sofia Calisti hat schon beim ersten Italien-Spiel feststellen müssen, dass in ihrer Gastfamilie in Erbshausen nicht nur die Gasteltern Birgit und Franz Beck, sondern auch ihre Gast-Schwester Susi (19) gegen Italien waren. Deshalb hat sich die 17-Jährige eine Italien-Fahne gekauft und an den Fernseher der Familie geklemmt. Konnte Sofia am Anfang noch zufrieden mit ihren Italienern sein, folgte bald die Ernüchterung. Und als die Italiener verloren – „da haben sie mich alle verarscht!“, berichtet sie.

„Ich hoffe, Deutschland wird Weltmeister.“
Guillermo Sandi Scott aus Bolivien

Das letzte Italien-Spiel hatte sich Sofia bei ihrem Freund in Rieden angeschaut, wo ein regelrechtes Public Viewing stattfand, „das war schön“, freut sie sich noch immer. Trotz der Niederlage. Das Spiel der Deutschen gegen die USA verbrachte Sofia mit Freunden in einer Würzburger Kneipe – und feuerte Deutschland an.

Guillermo Sandi Scott aus Bolivien lebt zur Zeit bei der Familie Schäffer in Sommerach. Guillermo liebt Fußball. Er hat bisher alle Deutschland-Spiele gesehen und ist Deutschland-Fan. Für das erste Spiel war er in Dresden, die anderen beiden Spiele hat er mit Freunden in Würzburg beim Public Viewing verfolgt: „So etwas gibt es nicht in Bolivien.“ Seine Lieblingsspieler sind Müller und Götze. Guillermos Wunsch: „Ich hoffe, Deutschland wird Weltmeister.“

AFS

Der gemeinnützige Verein AFS Interkulturelle Begegnungen steht für Jugendaustausch und interkulturelles Lernen. Die Organisation arbeitet ehrenamtlich und ist Träger der freien Jugendhilfe.

Das Ziel von AFS ist es, die weltweite Toleranz und Völkerverständigung zu verbessern.

Neben dem Schüleraustausch und dem Gastfamilienprogramm bietet AFS die Teilnahme an Freiwilligendiensten im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich sowie interkulturelle Trainingsmaßnahmen an.

Die Gastschüler in der Region Würzburg sind seit zehn Monaten hier und fahren in den ersten Julitagen zurück in ihre Heimatländer. Sie wurden in dieser Zeit regelrecht Familienmitglieder in ihren Gastfamilien, Schulbesuch hierzulande inklusive. gini