Jürgen Dieckert ist ein gefragter Ratgeber, wenn es um die Bewertung von Wohnmobilstellplätzen geht. Vor allem, wenn Neuerungen geplant werden. Der Reisejournalist und Geschäftsführer des Stellplatzverbunds TopPlatz führte jüngst im Hauptausschuss des Stadtrats in die Urlaubswelt der Wohnmobilisten ein, erklärte, was sie sich wünschen und wie Kitzingen darauf reagieren sollte.

Der Kitzinger Tourist-Chefin Vanessa Feineis zufolge gibt es einen "enormen Boom" im Wohnmobil-Tourismus. Gerade in Corona-Zeiten biete "autarkes Reisen in Deutschland" für viele ein Gefühl der Sicherheit. Die Folge: Der Kitzinger Wohnmobil-Stellplatz mit seiner attraktiven Lage am Main und gegenüber der Altstadt sei regelmäßig voll. Die Fläche wird immer wieder als einer der Topplätze in Deutschland bewertet. Den Platz nutzen Urlauber für Radausflüge, Weinexkursionen oder auf der Durchreise zu Fernzielen entlang der A 3 und der A 7.

Deshalb soll der Stellplatz auch erweitert werden und dabei den Bedürfnissen der Wohnmobilisten Rechnung tragen. Neben Strom, Wasser, Sanitäranlage mit Duschen soll es auch eine Badestelle und einen Aufenthaltsbereich geben. So sehen es erste Entwürfe vor.

Im Schnitt 74 000 Euro fürs Wohnmobil

Reise-Experte Jürgen Dieckert nannte konkrete Zahlen. Gab es 2011 noch 23 000 Neuzulassungen bei Wohnmobilen in Deutschland, waren es 2020 schon 78 000. Geschätzt zwischen 700 000 und 750 000 der Urlaubsgefährte sind auf deutschen Straßen unterwegs. Durchschnittspreis: 74 000 Euro. Dazu kommen noch die Wohnwagen, deren Zahl ebenfalls zunimmt, allerdings nicht ganz so stark. 2020 kamen bundesweit 28 000 neue dazu.

Wegen der Kapazitätsengpässe müsse man bei einem neuen Wohnmobil mit sechs bis zwölf Monaten Lieferzeit rechnen. Und auch die Stellplätze seien ausgelastet. Folglich würden viele Gemeinden neue Plätze anbieten. Doch damit steige zugleich die Konkurrenz. Da die meisten Wohnmobile heutzutage für zwei Personen gedacht, aber trotz Komfortausstattung nicht länger als 6,5 bis 7,3 Meter sind, sparen sich die Käufer häufig die Sanitärkabine. Deshalb seien Sanitäranlagen ein wichtiges Plus auf den Plätzen. Dieckert empfahl übrigens nach holländischem Vorbild die Trennung in männlich und weiblich aufzuheben und auf Unisex-Container zu setzen. Damit entgehe man auch dem Thema von Sanitärräumen für "divers".

Von neun auf 13 Euro pro Nacht?

Der Kitzinger Platz ist Dieckerts Meinung nach mit neun Euro pro Nacht günstig. Eine Erhöhung des Preises auf 13 Euro werde wohl von den meisten Besuchern akzeptiert – wenn der Platz aufgerüstet worden ist. Wo allerdings hohe Gebühren für wenig Service verlangt würden, sei der Reisende schnell wieder weg. 

Der Experte glaubt auch an eine friedliche Koexistenz von Campingplätzen und Wohnmobil-Stellplätzen. Familien mit Kindern bevorzugen den sicheren Freiraum des Campingplatzes. Paare kommen auch mit dem Stellplatz zurecht. Unter dem Strich profitieren beide Anbieter vom mobilen Boom, ist Dieckert überzeugt.

Wichtig für die Auswahl eines Platzes ist eine "ereignisreiche Lage", erklärte Dieckert. Der Main, ein See, eine Therme, eine Altstadt in der Nähe – das seien attraktive Ziele. Ideal, wenn der Urlauber von dort aus zu Fuß mit dem Rad oder inzwischen vermehrt mit dem Elektrorad die Umgebung erkunden kann. Auf dem Kitzinger Wohnmobil-Stellplatz sind dafür maximal drei Aufenthaltstage erlaubt.