Fahr und Dettelbach haben Schotterwüsten bereits verboten , Iphofen diskutiert darüber. Was sagt Mechthild Engert, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt, zu dem steinigen Thema? Unsere Freitags-Fragen:

Frage: Steingärten, Steinwüsten, Schottergärten – welcher Begriff ist richtig?

Mechthild Engert: Die Begriffe meinen in der aktuellen Diskussion alle das gleiche. Sie versuchen das Phänomen zu beschreiben, dass Boden von Schotter, Kies, Feldbausteinen oder ähnlichem bedeckt wird, mit dem Ziel, das Wachstum von Pflanzen zu unterdrücken.

Wie würden Sie das Steingärten-Phänomen definieren?

Engert: Steingärten sind schon lange eine Mode in der Gartengestaltung, weil Gärten oft als Miniatur-Landschaften gestaltet sind. Oft sind es Anlagen, die Ausschnitte etwa von Landschaften der Alpen nachbilden. Das Alpinum im Schlosspark Schwanberg ist dafür ein schönes Beispiel im Landkreis. Ein ehemaliger Steinbruch wurde mit Steingarten- und Alpenpflanzen bepflanzt. Eine Gärtnerei in Rüdenhausen war Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Anzucht von Alpenpflanzen spezialisiert. Die Steingärten in der japanischen Gartenkunst dienen der Meditation oder sind Symbole von Landschaftselementen, interessanterweise für Wasser, für Seen und Flüsse.

Wann genau beginnt eine Steinwüste – gibt es da Definitionen?

Engert: Eine Definition gibt es hier nicht, Wüste ist sicher kritisch gemeint. Eine Wüste ist lebensfeindlich, weitestgehend ohne Pflanzenbewuchs, heiß und trocken.

Was sagen Sie dazu, dass immer mehr Städte und Gemeinden diese Wüsten verbieten?

Engert: Die Verbote machen die bereits bestehende Rechtslage deutlich. Zum Beispiel müssen nach Artikel 7 der Bayerischen Bauordnung die Teile der Grundstücke, die nicht bebaut sind, wasseraufnahmefähig gestaltet werden und begrünt werden. Nach wasserrechtlichen Vorgaben soll das natürliche Gleichgewicht des Wasserhaushalts möglichst wenig beeinträchtigt werden, und Wasser vor Ort versickert und verdunstet werden. Bodenschutz ist eine wichtige Zukunftsaufgabe, als Voraussetzung für eine nachhaltige ökologische, ökonomische und soziale Entwicklung der Gesellschaft.

Würden Sie sich ein Verbot für den gesamten Landkreis wünschen?

Engert: Gebote zum richtigen Handeln gibt es bereits. Fraglich ist, ob Verbote wirksam sind. Woher kommt dieser Trend zur Verschotterung? Vermutlich erhoffen sich Grundstücksbesitzer wenig Arbeit, es sieht scheinbar sauber und immer gleich aus. Doch ein Garten braucht regelmäßiges Kümmern. Ich wünsche mir, dass der Wert der Flächen an sich klar ist. Land vermehrt sich nicht. Jeder ist für das Stückchen Land verantwortlich, das für das eigene Wohnen mit Straßen, Gebäuden, Zufahrten, auch Garten, beansprucht wird. In einzelnen Gärten werden vielleicht nur wenige hundert Quadratmeter zusätzlich überformt. Wir alle zusammen nutzen aber viel Fläche und immer mehr Fläche. Darum ist es wichtig, wie wir mit dem Boden umgehen, auf dem Pflanzen wachsen, Tiere leben können und Wasser verdunsten und versickern kann. Ob Verbote nötig sind, hängt davon ab, ob Menschen nur verantwortungsvoll handeln, wenn sie es müssen, unter Androhung einer Strafe. Das wäre wirklich traurig.

Wie sieht Ihr idealer Garten aus?

Engert: In meinem idealen Garten ist nur genauso viel Boden versiegelt, bebaut, gepflastert, wie nötig ist. Mit den Gegebenheiten des Ortes, etwa mit den vorhandenen Gehölzen, wird sorgsam umgegangen. Es ist ein schöner Ort, kühl und schattig im Sommer, mit Bäumen und Sträuchern. Man kann Insekten und Vögel beobachten und den Wechsel der Jahreszeiten erleben. Zumindest etwas Gemüse, Beeren und Obst wachsen, denn nützlich soll der Garten auch sein. Je größer der Garten ist, umso mehr sollte er zur Selbstversorgung beitragen.

Was würden Sie sich ansonsten von Gartenbesitzern generell wünschen?

Engert: Menschen, die Gartenbesitzer werden wollen, sollen prüfen, weshalb sie einen Garten möchten. Je weniger Zeit man für die eigentliche Gartenarbeit aufwenden will, desto mehr muss man über Pflanzen, den Boden und das Klima wissen. Manche möchten vielleicht für sich leben, abgeschieden von Nachbarn, haben aber keinen grünen Daumen. Vielleicht sind dann andere Wohnformen, zum Beispiel ein Haus mit Wohnhof im Altort, weit besser geeignet als ein freistehendes Einfamilienhaus. Ich wünsche mir Fantasie von den Gartenbesitzern und Mut, sich um ihr Stück Land zu kümmern. Von den Profi-Gärtnern wünsche ich mir fachkundige Beratung und Begleitung. Es gibt viele Möglichkeiten, Pflanzen, vor allem Bäume und Sträucher, so zu verwenden, dass relativ wenig zu tun ist, aber dennoch wichtige ökologische und ästhetische Funktionen erfüllt werden.

Sie haben bestimmt noch einen Tipp für uns?

Engert: Wer Anregungen sucht, wird oft schon in der Nachbarschaft fündig. Weil in diesem Jahr der Tag der offenen Gartentür nicht wie üblich stattfinden konnte, können die Gärten und ihre Besitzer durch den Bildschirm besucht werden, unter www.kitzingen.de/offene-gartentuer , und dabei ganz unterschiedliche Arten des Gärtnerns kennenlernen.