Zwar hat sich die Situation durch die Regenfälle in der Region ein wenig entspannt, doch Daten des Wasserwirtschaftsamts zeigen: Der Grundwasserstand in der Region ist weiterhin niedrig. Der Klimawandel führt dazu, dass der Kampf ums Wasser immer größer wird. Umweltorganisationen sprechen schon von einer Zukunft in der "Wasser das neue Gold" werde. Aber im Landkreis Kitzingen gibt es in einigen Gemeinden noch Brunnen oder Wasserentnahmestellen, die allen Einwohnern der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Häufig holen dort Winzer und Bauern Wasser um ihre Weinreben und Felder zu bewässern. Wie viel Wasser von wem entnommen wird, wird häufig nicht erfasst. In Sommerach lief das auf Vertrauensbasis, bis das Landratsamt die Gemeinde dazu drängte, die Entnahme zu regulieren. 

"Denn das Thema Wasser wird uns ins Zukunft noch häufiger beschäftigen", erklärt Bürgermeisterin Elisabeth Drescher. So auch in Wiesenbronn, wo unkontrollierte Wasserentnahmen im August auch im Gemeinderat aufschlugen, weil dort laut Aussage eines Gemeinderatsmitglieds nicht nur Wiesenbronner Winzer Wasser holten. Deshalb müsse die Entnahme von der Gemeinde beschränkt werden. Doch wer ist überhaupt zuständig für die Wasserentnahmestellen? Das Landratsamt ist nur für die Genehmigung zuständig und hört hierfür das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg als höhere Fachbehörde an.

Entnahme muss umweltverträglich und nachhaltig sein

Auf Anfrage dieser Redaktion teilt Herbert Walter, Behördenleiter beim Wasserwirtschaftsamt, mit, dass sein Amt beurteilt, ob eine Reduzierung oder ein Stopp der Entnahme nötig sei. Dies kann nicht nur aufgrund von Wassermangel nach einer lang andauernden Trockenheit geschehen, sondern auch bei veränderter Wasserbeschaffenheit, beispielsweise in Folge eines Unfalls. 

Außerdem bestimmt das Wasserwirtschaftsamt auch die Entnahmemenge, die nachhaltig und umweltverträglich entnommen werden kann. Grundlage hierfür seien Kenntnisse zu den jahreszeitlich schwankenden Abflüssen und dazu, wie viel neues Grundwasser sich bildet. Derartige Beurteilungen seien immer Einzelfallentscheidungen. Außerdem seien private Grundwasserentnahmen nur dann genehmigungsfähig, wenn dadurch die öffentliche Wasserversorgung nicht gefährdet sei. Deshalb sei es nicht möglich, pauschale Kriterien, die eine Entnahme erlauben oder gegebenenfalls stoppen, zu benennen. 

Entnahme-Regelungen sind Aufgabe der Gemeinde

"In Bayern sind die Landratsämter für die Genehmigung von Entnahmen zuständig. Bei Bedarf, speziell in Trockenzeiten, berät das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg Kommunen hinsichtlich der Nutzung zu Bewässerungszwecken", erklärt Walter. Wer dann wie viel Wasser entnehmen darf, liegt in der Verantwortung der Gemeinden.

In Kaltensondheim haben beispielsweise nur etwa ein Dutzend Bürger einen Schlüssel für den Brunnen. "Das sind größtenteils Winzer, Bauern oder Kleingärtner, die ab und zu ein paar Kubikmeter Wasser holen", erklärt Bürgermeister Roland Hoh. Einschränkungen habe es hier bisher nicht gegeben.

Ganz ähnlich ist die Situation in Mainstockheim. Zwar kämen hier ab und zu Winzer von außerhalb zum Brunnen der Lohquelle, doch die hätten Weinberge im Gemeindegebiet von Mainstockheim. Deshalb seien auch sie zur Entnahme aus dem Brunnen berechtigt, erklärt Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs. "Die Anwohner und die Winzer haben das im Blick und melden es, wenn Auswärtige hier unerlaubt Wasser holen", sagt Fuchs. Wie viel Wasser dort pro Jahr entnommen wird, kann er nicht sagen, jedoch sei die Situation nicht bedrohlich. Im Moment plant die Gemeinde eine Tröpfchenbewässerung für die Weinberge. Auch hierfür soll das Wasser aus der Lohquelle kommen. 

Wasserentnahme aus dem Main möglich

Und in Wiesenbronn, wo das Thema ja im August für Aufregung sorgte, hat die Gemeinde jetzt gemeinsam mit dem Bauernverband eine Umfrage gemacht. Bisher wurde dort eine Entnahme von einer Million Liter Wasser pro Jahr beantragt. Doch der Bedarf könnte laut Bürgermeister Volkhard Warmdt steigen. Deshalb will man bis zum Frühjahr eine Lösung mit einer Chipkarte als Zugangsberechtigung einrichten.

In vielen Gemeinden im Landkreis wird das Wasser auch regelmäßig dem Main entnommen. Dies ist laut Wasserwirtschaftsamt möglich, soweit dies, wie oben beschrieben, umweltverträglich und nachhaltig ist. Hierfür gibt es einen "Alarmplan Main – Gewässerökologie", der die Entnahme reduziert oder verbietet, falls notwendig.